25.07.2015

BriefeSchäbige Art

Nr. 30/2015 Versichert und verraten – Was Allianz, R+V und Co. alles tun, um nichts leisten zu müssen
"Zu dem Thema gibt es eine alte Volksweisheit: ,Versicherungen sind legalisierter Betrug.'"
Peter Schmidt, Dieburg (Hessen)
In den Schadensabteilungen der Versicherungen gilt oft die Maxime: "Wenn der VN (Versicherungsnehmer) lange genug auf eine Entschädigung gewartet hat und jetzt dringend auf das Geld angewiesen ist, dann akzeptiert er auch sehr gern unseren ,Kulanzvorschlag' für eine abschließende Zahlung." Irgendein kleiner, unbedeutender Regelverstoß in den Besonderen Versicherungsbedingungen lässt sich meistens finden, um die Zahlungen an den VN zu minimieren oder hinauszuzögern.
Freddy Kraus, Lampertheim (Hessen)
Vor acht Jahren wurde ich als Motorradfahrer von einem Geisterfahrer schwer verletzt und war erst spät in der Lage, meinen Schadensersatz geltend zu machen. Da ohne Rechtsschutzversicherung und in der Annahme, dass die Rechtslage eindeutig sei, habe ich keinen Anwalt konsultiert. Ein schwerer Fehler. Alles, was Sie beschreiben, kann ich bestätigen. 18 Monate Verfahrensverzögerung, falsche Gutachten und bewusste Ablehnungen und Leugnen von Tatsachen.
Ralf Dolata, Duisburg
Als Beschäftigter in der Branche hatte ich eine umfassende Analyse der angeblich so skandalösen Situation erhofft. Aber es gab nur einige ausgewählte tragische Einzelfälle und die Erkenntnis, dass eine in vier Jahren um 0,5 Prozent gestiegene Eingabequote eine Titelstory im Sommerloch tragen muss. Ein Auszug aus der Beschwerdestatistik der BaFin über auffällige Versicherer und eben auch diejenigen, die offenbar den Dienst am Kunden ernst nehmen, fehlt.
Michael Ganster, Nürnberg
Sie schreiben, der Deutsche Anwaltverein habe rund 1250 Rechtsanwälte vom Meinungsforschungsinstitut Forsa zum Verhalten von Versicherungen befragen lassen. Richtig ist, dass das Meinungsinstitut Forsa im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltverein mehr als 7000 Rechtsanwälte, die alle der AG Versicherungsrecht oder Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein angehören, zu ihren Erfahrungen und Einschätzungen zum Regulierungsverhalten der Assekuranzen befragt hat; 1247 Rechtsanwälte haben auf die Anfrage geantwortet.
Monika Maria Risch, AG Versicherungsrecht des Deutschen
Anwaltvereins, Berlin
1984 hieß Ihr Titel "Volkssport Versicherungsbetrug". Zitat: "Millionen sonst ehrbarer Bürger haben kaum Skrupel, ihre Versicherung zu betrügen." Kaum vorstellbar, dass sich dieses Verhalten gravierend zum Positiven geändert hat. Was bleibt den Versicherungsgesellschaften da anderes übrig, als Schäden zu prüfen und bei zweifelhaften Angaben nachzufassen? Bei 23 Millionen Schäden kann auch mal ein Fall dabei sein, bei dem zu Unrecht gestritten wurde. Leider interessiert ja niemanden, wie oft problemlos bezahlt wurde.
Michael Zitka, Berlin
Wenn die Versicherer behaupten, dass rund ein Drittel aller Versicherungsfälle Betrug sind, dann erleiden die Versicherungen dadurch zwar einen Schaden. Sie holen sich das Geld aber von ihren Versicherten auf noch schäbigere Art wieder zurück. Verlierer sind diejenigen, die in einem Schadensfall zum Teil jahrzehntelang prozessieren müssen und zum Schluss vor lauter Verzweiflung einem Vergleich zustimmen, der weit unter dem liegt, was die Versicherung eigentlich hätte zahlen müssen.
Werner Birken, Wiefelstede (Nieders.)

DER SPIEGEL 31/2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 31/2015
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Briefe:
Schäbige Art

  • Medienberichte: Aufregung um rätselhaften "Blob" im Zoo von Paris
  • Lage in Nordsyrien: "Manchmal muss man sie ein bisschen kämpfen lassen"
  • Videoanalyse aus Brüssel: "Der Gipfel droht zum Frustgipfel zu werden"
  • Weltall-Tourismus: Virgin Galactic stellt Raumanzüge vor