14.08.2015

Landwirtschaft„Knochenbrüche bei Bioschweinen“

Lis Alban, 51, Tierärztin beim dänischen Landwirtschafts-Industrieverband und Dozentin an der Uni Kopenhagen, hat erforscht, wie sich unterschiedliche Haltungsformen auf die Gesundheit von Schweinen auswirken.
SPIEGEL: Sind Bioschweine gesünder als ihre Artgenossen in konventionellen Betrieben?
Alban: Nein. Wir haben erstmals Daten von mehr als einer Million dänischer Schlachtschweine aus konventioneller Aufzucht mit denen von rund 200 000 Tieren aus Bio- und Freilandhaltung verglichen. Manche gesundheitlichen Probleme treten häufiger bei Schweinen aus alternativer Produktion auf.
SPIEGEL: Um welche Krankheiten handelt es sich?
Alban: Es waren insgesamt 13 Leiden, darunter Rippenbrüche und Verletzungen am Schwanz, die sich infizieren und zu Abszessen oder Blutvergiftungen ausweiten können.
SPIEGEL: Woran liegt das?
Alban: Offenbar kommt Schwanzbeißen auch bei alternativer Haltung vor. Die generelle Annahme ist, dass das nur Tiere in konventioneller Haltung aus Langeweile und Bewegungsmangel tun, aber so einfach ist es nicht. Auf konventionellen Höfen werden den Ferkeln oft die Schwänze kupiert, um solche Verletzungen zu verhindern, was in Biobetrieben nicht üblich ist. Die Knochenbrüche bei Bioschweinen rühren vermutlich daher, dass die Sauen ihre Ferkel quetschen, wenn sie sich versehentlich auf sie legen. Auch das passiert in konventioneller Haltung seltener, weil dort Ferkelschutzkörbe eingesetzt werden.
SPIEGEL: Welche Haltungsbedingungen empfehlen Sie?
Alban: Uns geht es nicht darum zu sagen, welche Art der Produktion besser ist. Jeder Landwirt sollte entscheiden, welches System er bevorzugt. Aber dann müssen Bauern und Veterinäre sich die Tiere regelmäßig genau anschauen. Jede Form der Tierhaltung hat ihre spezifischen Probleme. Ernsthafte Schwanzverletzungen etwa sollten auch in alternativen Betrieben mit Antibiotika behandelt werden, um Schmerzen zu lindern und die Ausbreitung der Infektion zu vermeiden.
Von Jko

DER SPIEGEL 34/2015
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