19.09.2015

LandwirtschaftVerletzte Hühner

Tierschützer erheben Vorwürfe gegen Geflügelhalter.
Die Geflügelbranche bekennt sich gerade öffentlich mit einer "Geflügel-Charta" zu ihrer Verantwortung gegenüber Tier, Mensch und Umwelt und wirbt sogar damit. Neue Videoaufnahmen der Tierrechtsorganisation Peta, aufgenommen zwischen März und Mai, stellen die Selbstverpflichtung jedoch infrage. Die in sechs zufällig ausgewählten Betrieben verdeckt gedrehten Aufnahmen zeigen Hühner mit verletzten Gliedmaßen und schlecht versorgte Tiere. Beim Verladen in die Transportboxen zum Schlachthof werden Hühner geworfen und getreten. Die Halter sollen Vertragsmäster der Sprehe-Gruppe sein, die mit 780 Millionen Euro Jahresumsatz Deutschlands drittgrößter Geflügelverarbeiter ist. "Von Tierwohl sind solche Verhältnisse weit entfernt", bewertet Cornelie Jäger, Mitglied des Tierschutzausschusses der Bundestierärztekammer und Landesbeauftragte für Tierschutz in Baden-Württemberg, die Aufnahmen. Sie sieht in den aufgezeichneten Fällen mehrere Verstöße gegen das Tierschutzrecht dokumentiert. Die Geflügel-Charta empfindet Jäger als "hochgradig enttäuschend". Die Industrie verpflichte sich darin faktisch zu nichts. Der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft betont, dass viele der in der Charta formulierten Regeln gelebter Standard seien. In Bezug auf die Peta-Aufnahmen erkennt der Verband jedoch tierschutzwidriges Verhalten in einem Fall. Insgesamt sei der Zustand der Herden gut, und es sei kein Fehlverhalten des Geflügelhalters vorhanden. Die Sprehe-Gruppe erklärt, dass es ihr gegenwärtig nicht möglich sei nachzuvollziehen, ob die Aufnahmen tatsächlich von Vertragsmästern stammen. Sollte dies der Fall sein, werde sie selbstverständlich etwaige tierschutzwidrige Umstände umgehend abstellen. Peta hat Strafanzeige gegen die Betriebe gestellt.
Von Red

DER SPIEGEL 39/2015
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