26.09.2015

RettungWarum fliegt man die Flüchtlinge nicht einfach nach Europa, Herr Zand?

Emad Zand, 31, Unternehmensgründer aus Stockholm, über sein Projekt einer Luftbrücke
SPIEGEL: Herr Zand, warum entstand "Refugee Air"?
Zand: Ich bin selbst Flüchtlingskind, meine Eltern stammen aus Iran. Ich war es leid, auf die Bilder von toten Kindern zu starren. Ich bin es gewohnt, Lösungen für komplexe Probleme zu finden, damit verdiene ich mein Geld.
SPIEGEL: Was ist die Idee?
Zand: Ein Video eines schwedischen Professors inspirierte uns. Er sprach über die absurde Tatsache, dass Menschen Tausende Euro für Schlepper ausgeben und ihr Leben riskieren, statt einfach ein Flugzeug zu nehmen. Es liegt daran, dass sie kaum eine Chance auf ein Visum für Europa haben.
SPIEGEL: Und? Wie sollen sie die bekommen?
Zand: Gar nicht. In Schweden und auch in Deutschland haben Menschen, die aus Ländern fliehen, in denen Krieg herrscht, ein Recht auf Schutz. Bisher werden Passagiere ohne Visa am Checkin-Schalter abgewiesen. Wenn wir aber als Organisation ein Flugzeug chartern, können wir die Flüchtlinge, auch ohne Visa, etwa von der Türkei nach Schweden fliegen, wo sie Asyl beantragen.
SPIEGEL: Die Idee klingt simpel, hat das bisher keine Organisation vor Ihnen versucht?
Zand: Nein, denn welche Fluggesellschaft halst sich freiwillig Probleme auf und nimmt Menschen an Bord, die sie unter Umständen auf eigene Kosten zurückfliegen muss?
SPIEGEL: Wann geht es los?
Zand: Wir haben finanzielle Mittel für den Flug von 180 Syrern beisammen. Wir wollen den Beweis liefern, dass und wie es funktioniert. Damit Airlines wie Lufthansa es bald nachmachen können. Aus Sicherheitsgründen nennen wir kein Datum. Aber bevor hier der erste Schnee fällt, werden wir starten.
SPIEGEL: Wann schneit es in Stockholm?
Zand: In manchen Jahren schon im Oktober.
Von Fio

DER SPIEGEL 40/2015
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