05.07.1999

TÜRKEITrumpfkarte Öcalan

Ankara überlegt, den zum Tode verurteilten PKK-Chef Öcalan langfristig als diplomatischen Joker einzusetzen - so eine Studie, die derzeit im türkischen Außenministerium vorbereitet wird. Demnach verfolgt die Türkei in der Affäre Öcalan eine "Drei-Phasen-Strategie": Die Phasen eins (Öcalans Festnahme) und zwei (Auflösung der PKK) seien erfolgreich abgeschlossen; in Phase drei gehe es nun darum, "Öcalan zu verwenden". Im Falle Griechenlands habe diese Taktik bereits Früchte getragen: Mit Hilfe von Öcalans Aussagen während seines Prozesses sei es gelungen, internationalen Druck auf Athen zu erzeugen - der vergangene Woche schließlich zur Einigung auf eine Zusammenarbeit bei der Terrorbekämpfung geführt hat. Ähnlich könne man künftig auch mit anderen Ländern umgehen, die laut Öcalan die PKK bislang unterstützt hätten. Vor allem die absehbare Zurückweisung des Todesurteils durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte sei als außenpolitisches "Vehikel" nutzbar. Eine übereilte Hinrichtung Öcalans, so zitiert die Istanbuler Zeitung "Cumhuriyet" einen hohen Diplomaten, könne Ankaras "Trumpfkarte anderen in die Hände spielen" und die europäischen Aussichten der Türkei "verderben". Alle außen-, innen- und sicherheitspolitischen Aspekte zusammengenommen, so das Ergebnis der Studie, sei von einer Hinrichtung Öcalans abzuraten.

DER SPIEGEL 27/1999
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


  • Faszinierende Aufnahmen: Taucher treffen auf Mondfisch
  • Archäologie: Jahrtausendealtes Wandrelief in Peru entdeckt
  • Virtuelle Realität: Musikproduktion in 3D
  • Freizeitpark im Schwarzwald: Karussell ähnelt Hakenkreuzen