24.10.2015

KommentarDie untote Bank

Die EU hat der HSH Nordbank eine Gnadenfrist gewährt.
Die HSH Nordbank soll einen neuen Namen bekommen. So ist es beschlossen, wenn es gelingt, die Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein bis 2018 zu verkaufen, wie es die EU-Kommission verlangt. Vielleicht sollte man sie dann Lazarus Bank nennen. Wie der biblische Lazarus, der tot war und auferweckt wurde, so war auch die HSH längst gestorben, ehe sie 2009 von den Ländern in einem Notfalleinsatz reanimiert wurde. Leider hat die Bank auch in den sechs Jahren danach nicht gezeigt, dass sie dauerhaft lebensfähig wäre. Sie ist bloß die Bank, die nicht sterben darf. Eine untote Bank. Doch dieser Zustand kann nicht ewig währen. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass die HSH ein Jahrzehnt nach der Finanzkrise doch noch abgewickelt werden muss. Für die Mitarbeiter wäre das bitter, der Bank selbst müsste man nicht nachtrauern. Was die Region an Finanzierung braucht, könnten andere Kreditinstitute übernehmen. Die HSH kommt schließlich auch deshalb nicht auf die Beine, weil es in Deutschland zu viele Banken ähnlichen Zuschnitts gibt. Der zweite Grund für das Zombie-Dasein der Landesbank war ein Kardinalfehler bei der Rettung 2009. Weil die Landeshaushalte keine ausreichende Kapitalspritze hergaben, spannten die Länder einen Garantieschirm über die Bank und ließen sich diesen mit horrend hohen Gebühren bezahlen. Es mag die Naiveren unter den Steuerzahlern getröstet haben, dass die HSH so immerhin 2,5 Milliarden Euro an ihre Eigner überwies. Aber die Bank, die ja den Bürgern selbst gehört, zahlte teils aus der Substanz. So konnte sie kaum mit ihren Altlasten aus der Finanzkrise fertig werden. Managementfehler taten ein Übriges. Jetzt übernehmen Hamburg und Kiel einen Teil der Altlasten direkt. Ob das reicht, um aus der HSH wieder eine lebensfähige Bank zu machen, ist fraglich. Gelingt der Verkauf, hat sie sich den Namen Lazarus redlich verdient. Scheitert die Privatisierung, erwartet sie das Schicksal der zerschlagenen WestLB. Auch Untote müssen irgendwann Ruhe finden.
Von Martin Hesse

DER SPIEGEL 44/2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 44/2015
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Kommentar:
Die untote Bank

  • Doku zu cholesterinreicher Ernährung: Fett for Fun
  • Freizeitpark im Schwarzwald: Karussell ähnelt Hakenkreuzen
  • "Uber Boat": In Cambridge kommt der Kahn per App
  • Archäologie: Jahrtausendealtes Wandrelief in Peru entdeckt