24.10.2015

BriefeKeiner mag Nestbeschmutzer

Nr. 43/2015 Das zerstörte Sommermärchen – Schwarze Kassen – die wahre Geschichte der WM 2006
"Die WM 2006 ist ein Beispiel dafür, wie schön sportliche Großveranstaltungen sein können. Aber gerade deswegen sollte in diesem Fall radikal aufgeklärt werden, auch weil verkrustete Verbandsstrukturen unbedingt entkrustet werden müssen."
Jürgen Baumann, Greifswald (Meckl.-Vorp.)
Eine Geschichte, die sich wie ein spannender Krimi liest – aber mir als Fußballfan war dabei gar nicht sonnig zumute. Die Helden von einst und ihre Konsorten sind im freien Fall, aber hoffentlich nicht ganz so tief gesunken, dass die Erinnerung an ihre Fertigkeit auf dem Rasen, die uns blauäugige Fans einst zu Begeisterungsstürmen hinriss, in der Grabrede für sie keine Erwähnung fände.
Frauke Warner, Wien
Wenn Sie nachweisen können, dass eine WM in den letzten Jahrzehnten nicht gekauft worden ist, das würde mich beeindrucken.
Ulrich Mentgen, Bochum
Ach, es gibt Artikel, die wären besser unveröffentlicht geblieben ... Wo sich doch mit der Illusion so gut leben ließ.
Regina Hendel, Zwickau (Sachsen)
Hey, weshalb die Aufregung? Fußball-WM mit angeschlossenem Sommermärchen zur Freude für Millionen mit Milliardenmehrwert für die deutsche Volkswirtschaft, und das zum Schnäppchenpreis von weniger als sieben Millionen Euro? Sauber! Man wünschte sich, andere, milliardenteure Sauberfrau-Projekte der Wirtschaft und Politik, beispielsweise die Energiewende, wären so preiswert zur Freude aller durchgezogen worden! Der DFB schaffte das.
Klaus-Dieter Neundorf, Heidelberg
Wenn ich eine Story dieser Dimension veröffentliche, dann muss ich auf ein "mutmaßlich" verzichten können. Oder aber ich habe schlecht, unzureichend und lückenhaft recherchiert.
Peter Hoscheidt, Arnsberg (NRW)
Pardon, das Sommermärchen ist nicht zerstört. Es war für mich die schönste Zeit – so habe ich meine Heimat noch nicht erlebt. Auf der großen Autoverkehrsbrücke standen unzählige Fahrzeuge. Die Fußgänger an den Seiten schwenkten Fahnen, man feierte auf der Brücke gemeinsam. Unglaublich. Mir altem Mann liefen die Tränen herunter, als ich das von meinem Fenster beobachtete. Kinder, Jugendliche, Erwachsene: alle in selbstvergessener Verzückung. Das gab es in der Tat nur einmal, unwiederholbar und unwiederholt. Das werde ich nie vergessen. Ob die WM gekauft war oder nicht, das ist mir fast zehn Jahre danach ehrlich völlig egal.
Franz Koch, Solingen (NRW)
Erstaunt war ich über die Nachricht, dass die Uefa-Verbände, also auch Niersbach und Co., sich trotz der Intervention der Ethikkommission weiterhin für Herrn Platini einsetzen. Jetzt erahne ich die Antwort: Sie konnten gar nicht anders. Denn jeder ist da offenbar so in Korruption verstrickt, dass jeder jedem einen Strick daraus drehen könnte. Also bleibt nur eins: durch! Ist denn alles nur Korruption da oben? Sie müssen alle weg, wenn es wieder "sauber" werden soll im Fußball.
Hartmut Gericke-Steinkühler, Hardegsen (Nieders.)
Wer sich, wie Beckenbauer, erdreistet zu leugnen, dass es in Katar Sklaven gibt, und Willy Brandt einst ein "nationales Unglück" nannte – wie sollte denn der ganz sauber sein?
Angelika Boese, München
Niersbach gibt den Ahnungslosen. Wer soll ihm das abnehmen? Nun wird auch verständlich, warum der DFB und Niersbach sich in der Causa Blatter mit Kritik zurückhielten: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Sollte Beckenbauer involviert sein, dann wäre sein Ruf als Lichtgestalt des deutschen Fußballs ramponiert.
Dieter Rodewald, Heilbronn (Bad.-Württ.)
Der Profisport ist zu einem Multimilliardengeschäft geworden. Dieses wird gesteuert von oft multinationalen, meist globalen Organisationen wie IOC, Fifa und Uefa, die sich so gut wie jeder externen Kontrolle entziehen und sorgsam darauf bedacht sind, dass ihre Funktionäre und Mandatsträger den Stempel des herrschenden Systems und seiner obersten Repräsentanten tragen. Politiker, Medien, Sponsoren und Werbepartner werden nach Bedarf und in geeigneter Form einbezogen. Ja, glaubt denn irgendjemand, dass in solchen Strukturen irgendeine wichtige Entscheidung dem Zufall oder gar dem reinen Gewissen von Delegierten überlassen wird?
Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann, Berlin
Es wird kolportiert, Deutschland habe sich mit den 6,7 Millionen die Stimmen der Asiaten gekauft. Wer sind denn diese Asiaten? Mohamed Bin Hammam ist selbst Milliardär, der verstorbene Abdullah al-Dabal war Chairman einer erfolgreichen Bauträger- und Investmentfirma in Saudi-Arabien, Chung Mong Joon der reichste Südkoreaner und Worawi Makudi Mehrheitseigner der Thailändischen Fußballliga. Diese wirtschaftlich vollkommen unabhängigen Asiaten soll Deutschland mit 6,7 Millionen gekauft haben? Ohne klare Beweise zu den angeblich schwarzen Konten sollte doch die Medienlandschaft zurückhaltender agieren und nicht einen unbescholtenen DFB-Präsidenten und ein Sommermärchen, das uns alle in den Bann gezogen hat, in den Dreck ziehen.
Sonja und Andreas Abold, Grünwald (Bayern)
Mitarbeiter des WM-Bewerbungskomitees für 2006
Ein Problem an der Geschichte ist, dass die Bösen zwar leicht zu erkennen sind, aber kaum auszumachen ist, wer die Geschädigten sind. Es entsteht der Eindruck, als hätten die zuständigen Redakteure sich hier in eine Sache verbissen und dabei den Blick auf ihre Hauptzielgruppe, die deutschen Leser, aus den Augen verloren. Denn keiner mag Nestbeschmutzer, und den Verräter liebt man nicht, sei der Verrat auch um der guten Sache willen geschehen. Das gilt bei diesem in Deutschland hochexplosiven Thema ganz besonders.
Sven Gragert, Ellerau (Schl.-Holst.)
Anerkennung für eine brillante Arbeit. Da Sie entscheidend dazu beitragen, dass das Beziehungsgeflecht der Fifa im Allgemeinen – und im Besonderen des DFB im Zusammenhang mit der WM-Vergabe für 2006 – offengelegt wird, wäre das wünschenswerte Ziel, die alte Männerriege, angeführt von Herrn Niersbach, aus ihren Ämtern zu entfernen, in absehbarer Zeit von Erfolg gekrönt. Mein Dank geht auch an Markus Feldenkirchen für den in diesem Zusammenhang stehenden erhellenden Leitartikel.
Hans-Gerd Luxa, Bad Rothenfelde (Nieders.)

DER SPIEGEL 44/2015
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