31.10.2015

RugbyDas Geschäft mit dem Ei

In Deutschland ist Rugby eine Randsportart unter den Randsportarten, der Verband zählt nur 128 Vereine und rund 14 000 Mitglieder. Bei einer Weltmeisterschaft war Deutschland noch nie dabei, es sei denn als Sponsor: Die Deutsche-Post-Tochter DHL, Adidas und BMW nutzten das Turnier, das in den vergangenen sechs Wochen in England stattfand, als Werbeplattform. Und es war ein Riesengeschäft: Der Rugby-Weltverband steigerte den Umsatz im Vergleich zur vorigen WM vor vier Jahren um 50 Prozent und rechnet mit einem Gewinn von rund 200 Millionen Euro. 2,4 Millionen Tickets wurden verkauft, die WM lockte damit eine Million Zuschauer mehr in die Stadien als die Fußball-EM 2012. Die Spiele wurden in gut 200 Länder übertragen, in Japan sahen 25 Millionen Menschen den Sieg ihres Teams gegen Samoa, in England erreichten die Einschaltquoten bis zu 49 Prozent. In den USA wächst kein Mannschaftssport schneller als Rugby, und damit bei der nächsten WM, 2019 in Japan, dann auch ein deutsches Team mitspielt, lässt der Milliardär und Unternehmer Hans-Peter Wild, Besitzer der Capri-Sonne, in Heidelberg ein Trainingszentrum bauen. Zehn Millionen Euro sollen die Kunstrasenplätze, der Kraftraum, die Zimmer insgesamt kosten. Leiten wird es der ehemalige Rugbyprofi Robert Mohr, der lange in Frankreich gespielt hat. Für das deutsche Rugby sollen "professionelle Strukturen" geschaffen werden, sagt er. Bislang sei es immer "ein Traum, eine Vision" gewesen, sich für eine WM zu qualifizieren, nun werde daraus "ein reelles Ziel". Zunächst will die deutsche Nationalmannschaft jedoch den Sprung zu den Olympischen Spielen schaffen, wo nach 92 Jahren wieder Rugby gespielt wird. Der Kölner Sportmarketing-Experte Andreas Ullmann prognostiziert, das Finale nächsten Sommer in Rio werde eine der höchsten Einschaltquoten bei Olympia erreichen.
Von Mag

DER SPIEGEL 45/2015
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