12.09.1983

Wegweiser durch den Pillen-Dschungel

Jahr für Jahr geben die Bundesbürger mehr Geld aus für Medikamente. Die Pharma-Industrie ist der am üppigsten blühende Wirtschaftszweig der Bundesrepublik. Zum erstenmal unternahm es jetzt ein deutsch-österreichisches Autoren-Team, für Laien und Ärzte das Dickicht des westdeutschen Pharma-Marktes aufzuhellen: In einem Handbuch mit Tabellen und erläuternden Texten wird - ähnlich wie bei einem Warentest - zusammengestellt, welche Medikamente taugen, welche „wenig zweckmäßig“ sind und von welchen „abzuraten“ ist. *
Pharmaforschung ist teuer, aber ein Menschenleben ist unbezahlbar" - unter diesem Slogan läuft eine Anzeigenkampagne der westdeutschen Pharma-Industrie, die damit seit fünf Jahren versucht, ihr Image aufzupolieren. Der Aufwand hat sich, wie es scheint, gelohnt.
Makellos rein, so hat der Bundesverband der pharmazeutischen Industrie per Umfrage erkunden lassen, steht die Branche in den Augen der Bundesbürger wieder da. Verdrängt sind die Contergan- und die Menocil-Katastrophe, vergessen die vom Bundesgesundheitsamt ausgelöste Diskussion um die Gefährlichkeit tonnenweise verkaufter Arzneistoffe wie Metamizol, Clofibrat und Pheneacetin, verblaßt die Erinnerung an Gerichtsverfahren wegen exorbitant überhöhter Pillenpreise.
Eine "wohlwollende Haltung gegenüber Medikamenten und ihren Herstellern" habe die Bundesbürger wieder ergriffen, resümiert der Pharmaverband: 90 Prozent der Befragten hätten der Pharma-Industrie die Prädikate "zukunftsorientiert", "vertrauenswürdig" und "verantwortungsbewußt" verliehen. Das "Risiko des Auftretens von unerwünschten Wirkungen bei der Arzneimitteleinnahme" dünke nur fünf Prozent "sehr groß". Von der "Wirksamkeit des Angebots" seien 94 Prozent der Bundesbürger überzeugt.
Doch diese Einschätzung könnte sich bald wieder ändern: Am Montag dieser Woche erscheint im Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch ein Medikamenten-Ratgeber, der - allgemeinverständlich geschrieben und aufbereitet wie ein Gesundheitslexikon - auch dem medizinischen Laien offenbart, was bisher nur in Expertenzirkeln erörtert oder in wissenschaftlichen Zeitschriften angesprochen wurde: Der deutsche Arzneimittelmarkt ist vollgestopft mit Hunderten von therapeutisch sinnlosen Pillen, Pasten, Pulvern und Tinkturen, die kaum ausrichten, was die Pharmafabrikanten ihnen als Wirkung andichten, mitunter gar nichts bewirken, oft sogar schaden, statt zu helfen.
Das Medikamenten-Nachschlagwerk "Bittere Pillen", 860 Seiten stark, wird zum Preis von 29,80 Mark in jeder Buchhandlung zu kaufen sein. Geschrieben wurde das Buch von industrieunabhängigen Wissenschaftlern und ehemaligen Insidern der Pharma-Industrie.
Die Autoren führen rund 2000 auf dem Markt gängige Arzneimittel auf, messen deren Inhaltsstoffe am international anerkannten Standard der medizinisch-pharmakologischen Fachliteratur und bewerten sie, fast im Stil der Stiftung Warentest: Aspirin - therapeutisch zweckmäßig oder nicht? Wenn ja, in welchen Fällen? Wie sollte es eingenommen werden? Welches sind die wichtigsten Nebenwirkungen? Ist der Preis gerechtfertigt, oder gibt es qualitativ identische, aber preisgünstigere Alternativen?
"Zweifellos wirksam und notwendig", so lautet das Fazit der Autoren, "ist nur ein Teil aller Medikamente." 62,3 Prozent aller in der Bundesrepublik verwendeten, in dem vorliegenden Band bewerteten Arzneipackungen fallen nach Ansicht der Autoren unter die Rubriken "wenig zweckmäßig" oder "abzuraten".
Beunruhigung zeigten so marktmächtige Pharmakonzerne wie etwa Bayer letzte Woche, als sich die Publikation des Pillen-Handbuches (Startauflage: 53 000 Exemplare) ankündigte: Kritisch beleuchtet wird die Branche, die 35 Jahre lang - in schöner Eintracht mit rezepteschreibenden Ärzten - eine schier unfaßbare Umsatzsteigerung genossen hat.
Vom Jahr der Währungsreform, 1948, bis Mitte der sechziger Jahre waren den
Medikamentenkonzernen jährliche Zuwachsraten von "15 Prozent und mehr" (Pharmaverband) selbstverständlich. Weder die Contergan-Tragödie von 1960 noch die Rezession der achtziger Jahre brachten der Pharmabranche Rückschläge. Auch die Ende der siebziger Jahre einsetzenden Kostendämpfungsbemühungen der Krankenkassen konnten den Kostenfaktor Pille kaum eindämmen. "Wachstumssteigerungen" zwischen acht und zehn Prozent meldet der Pharmaverband bis in die jüngste Zeit.
Im Jahre 1960 lag der Umsatz der westdeutschen Pharma-Industrie bei 2,3 Milliarden Mark. Seither hat sich der Anteil der Kranken und Gesunden, die Zahl der Krankheiten und die der Heilungen praktisch kaum verändert. Doch inzwischen, Bilanz 1982, erreicht der westdeutsche Pharma-Umsatz die Traumziffer von 16,8 Milliarden Mark - mehr als siebenmal so viel wie 1960. Selbst wenn man die allgemeine Inflationsrate (Kaufkraftverlust seit 1960: 58 Prozent) berücksichtigt - kein anderer westdeutscher Industriezweig erlebte eine derartige Blüte.
70 000 verschiedene Arzneispezialitäten ("Humanarzneimittel aus industrieller Produktion") werden in den Karteien des Bundesgesundheitsamtes geführt. Geld wird mit allem gemacht, aber den Löwenanteil bringt das Geschäft mit Bestsellern: Allein die 500 umsatzstärksten Fertigarzneimittel garantieren den Apotheken 66 Prozent ihres Jahresumsatzes.
15 Anwendungsgebiete (Indikationsgruppen) dominieren im Apothekengeschäft. Sie reichen von den sogenannten Schmerz- und Anti-Rheumamitteln über Psychopharmaka bis hin zu Vitamin- und Hautpräparaten (Dermatika). Unter den sechs umsatzstärksten Gruppen rangiert - hinter Schmerz-, Beruhigungs- und durchblutungsfördernden Mitteln sowie Blutdrucksenkern - erst auf dem letzten Platz die therapeutisch wichtige Arzneimittelgruppe der sogenannten Herzmittel (Apothekenumsatz: 1,1 Milliarden Mark).
Die Pharmafabrikanten machen keinen Hehl aus der Malaise: "Viele Krankheiten haben wir besiegt, die meisten noch nicht", offenbarte der Pharmaverband in seiner seit 1978 laufenden Anzeigen-Kampagne. Doch gleichzeitig wird das Publikum animiert, von der bloß symptomatisch, nicht etwa kausal wirkenden Arzneimitteltherapie immer heftiger Gebrauch zu machen.
Die Bundesbürger, gesteuert von ihren Ärzten, folgen allzu willig der allein wachstumsorientierten Absatzstrategie der Pharmabranche. Wie anders wären die folgenden Tatbestände zu erklären: *___In der Zeit zwischen 1970 und 1982 hat sich der Umsatz ____bei Hustenmitteln fast verdoppelt (1970: 183 Millionen ____Mark, 1982: 335 Millionen Mark). *___Der Umsatz bei Schmerz- und Rheumamitteln hat sich im ____gleichen Zeitraum verdreifacht (1970: 333 Millionen ____Mark, 1982: 1029 Millionen Mark). *___Bei Psychopharmaka wuchs das über öffentliche Apotheken ____verkaufte Volumen von 136 Millionen auf 559 Millionen ____Mark - gut das Vierfache. *___Der Umsatz der sogenannten Blutdrucksenker konnte von ____78 Millionen Mark (1970) auf 311 Millionen Mark (1982) ____gesteigert werden - auch er hat sich vervierfacht.
Selbst medizinisch völlig irrelevante Ware vermögen die Pharmafabrikanten bei den Bundesbürgern abzusetzen. Im vergangenen Jahr schafften sie beispielsweise
mit Abführmitteln, für die es, außer zur Operationsvorbereitung, kaum eine sinnvolle medizinische Indikation gibt, 150 Millionen Mark Umsatz allein über die Apotheken. Mit sogenannten Vitaminpräparaten, die fast stets geschluckt werden, ohne daß es medizinisch angezeigt wäre, erreichten sie sogar 239 Millionen Mark Umsatz.
"Nicht zuletzt die Verschreibungspraxis der Ärzte", so rügte letzte Woche der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Friedhelm Farthmann (SPD), sei einer der Gründe dafür, daß es derzeit in der Bundesrepublik 400 000 bis 500 000 Medikamentenabhängige gibt: Ärzte steuern die Medikamenten-Flut.
Rund 500 Millionen Rezepte wurden im letzten Jahr in westdeutschen Kassenpraxen ausgestellt. Während amerikanische Praktiker und Internisten beispielsweise nur in 66 Prozent aller Fälle ein Rezept ausstellen, haben sich ihre deutschen Kollegen angewöhnt, die Behandlungsbedürftigkeit ihrer Patienten generell mit Arzneibedürftigkeit gleichzusetzen: Das Rezepteschreiben ist für sie die billigste Methode, ihr ärztliches Tagesgeschäft zu rationalisieren. Kaum ins Sprechzimmer vorgelassen, kann der Patient wieder entlassen werden und hat mit dem Rezept dennoch eine "ärztliche Leistung" in der Hand.
Allzu oft stehen auf den Rezepten nicht nur zu viel, sondern auch umstrittene Medikamente: *___70 Prozent aller Psychopharmaka einschließlich schwerer ____Neuroleptika und Antidepressiva werden von ____Allgemeinärzten rezeptiert, obwohl äußerstenfalls zehn ____Prozent ihrer Patienten an seelischen Störungen leiden ____und Praktiker keinerlei psychiatrische Ausbildung ____besitzen. *___Bei der Verschreibung von Antidiabetika halten ____westdeutsche Allgemeinmediziner und Internisten den ____Weltrekord, rezeptieren viermal so viele Tabletten wie ____ihre amerikanischen, sechsmal so viele wie ihre ____britischen und doppelt so viele wie ihre französischen ____Kollegen, obwohl der Bevölkerungsanteil der ____Zuckerkranken in allen Industrieländern gleich ist. *___Der risikoreichen Digitalistherapie mit sogenannten ____Herzglykosiden werden in der Bundesrepublik achtmal so ____viele Patienten ausgesetzt wie in den USA, zwölfmal so ____viele wie in Großbritannien, weil deutsche Ärzte zum ____großen Teil ohne gesicherte Indikation und sogar ____vorbeugend digitalisieren.
Schmerzmittel und Psychopharmaka, so klagte auch Gesundheitsminister Farthmann in einem Brief an die nordrhein-westfälischen Ärztekammern, erreichten auf dem westdeutschen Verschreibungsmarkt einen Umsatzanteil von annähernd 17 Prozent - und das, obwohl ihr therapeutischer Nutzen vernichtend beurteilt wird. "Nicht weniger
als zwei Drittel" von etwa 450 untersuchten Psychopharmaka, so zitierte Farthmann aus einer vom Bundesgesundheitsministerium in Auftrag gegebenen Erhebung, seien "negativ zu bewerten", weil sie "therapeutisch ungeeignet sind und in der Mehrzahl gefährliche Nebenwirkungen haben", vor allem als Wegbereiter zur Abhängigkeit und Sucht.
Zu ähnlich kritischen Urteilen gelangten auch die Autoren des jetzt erscheinenden Medikamenten-Handbuches "Bittere Pillen".
Gegen den Vorwurf allzu apodiktischer Kritik sichern sich die Verfasser in der Einleitung ihres "Ratgebers" ab. Er sei "kein Buch gegen Medikamente", sondern im Gegenteil eine Hilfe "für den sinnvollen Gebrauch von Arzneimitteln". Da manche Mittel zwar in ihrer Wirkung zweifelhaft, aber harmlos seien, könne es "durchaus sinnvoll" sein, solche Medikamente in bestimmten Fällen zu verschreiben. Und: Das Buch ersetze "nicht den Arztbesuch und auch nicht die genaue Beachtung von Anweisungen zum Gebrauch von Arzneimitteln".
Der Titel, so meinen die Verfasser, sei vielleicht "etwas provokant" für ein nüchternes Nachschlagewerk. Doch eine Provokation, da hilft kein Abwiegeln, ist der himmelblau gebundene 860-Seiten-Wälzer allemal. So gründlich wie in dem Medikamenten-Handbuch der vier österreichischen Autoren ist das kaum noch überschaubare Pharma-Angebot bislang nicht durchleuchtet worden.
Das Ergebnis: Der deutsch-österreichische "Arzneimittelschatz", wie die Pillen-Produzenten ihr Angebot gern nennen, besteht nur zum kleineren Teil aus Juwelen, überwiegend hingegen aus Talmi.
Was die Verfasser in ihrem "kritischen Ratgeber" (Untertitel: "Nutzen und Risiken der Arzneimittel") für Patienten und Ärzte zusammengetragen haben, dürfte die Pharma-Industrie mit Recht als Schlag ins Kontor empfinden: Nur etwa ein Viertel der rund 2000 bewerteten Medikamente werden vorbehaltlos als "therapeutisch zweckmäßig" eingestuft, weitere 16,6 Prozent als nur mit Einschränkungen brauchbar.
In die Kategorie der für untauglich Befundenen ("nicht zweckmäßig", "abzuraten") fallen nicht etwa überwiegend Produkte dubioser Markt-Außenseiter, sondern reihenweise auch Erzeugnisse, mit denen Pharmamultis wie Hoechst und Bayer seit vielen Jahren Millionen-Umsätze erwirtschaften. Dazu gehören, zum Beispiel, so populäre Schmerzmittel wie Thomapyrin, Optalidon, Dolviran, Gelonida oder Novalgin (siehe Tabelle
Seite 223). Geschäftsschädigendes hatte das Autoren-Quartett - die Journalisten Kurt Langbein und Hans-Peter Martin, der Medizin-Soziologe Dr. Hans Weiss sowie der frühere Pharmamanager Peter Sichrovsky - schon mit einem ersten Gemeinschaftswerk im Sinn gehabt. In ihrem Opus eins, 1981 erschienen unter dem Titel "Gesunde Geschäfte", hatten sich die vier Österreicher "die Praktiken der Pharma-Industrie" (Untertitel) vorgenommen.
Um sich ein realistisches Bild vom trickreichen Pillen-Geschäft zu machen, hatte sich Weiß nach dem Vorbild des Einschleichers Günter Wallraff ("Der Aufmacher") 1980 bei der Bayer-Pharma GmbH in Wien als Arzneimittelvertreter anstellen lassen. Koautor Sichrovsky, studierter Chemiker und Pharmazeut, war noch bis nach Erscheinen von "Gesunde Geschäfte" als Produkt- und Marketing-Manager in der Pharma-Industrie tätig, weshalb er auf der Titelseite unter dem Pseudonym Roland Werner aufgeführt wurde.
Gemeinsam, dazu unterstützt von Sympathisanten in anderen Unternehmen, sammelten die Späher eine Fülle von Material für das geplante Buch; rund 40 000 Aktenstücke kamen dabei zusammen. Die Auswertung der durchweg vertraulichen Firmenunterlagen ergab ein arg kompromittierendes Bild vom Zusammenspiel zwischen Pillen-Industrie und Ärzteschaft (SPIEGEL 20/1981); es löste, zumal Autor Roland Werner alias Sichrovsky damals noch nicht enttarnt war, in der Branche eine zumindest momentane Panik aus.
Doch die von vielen Beobachtern prophezeite "Prozeßflut" blieb aus: Nur fünf von insgesamt rund 300 Ärzten, die in dem Buch namentlich erwähnt wurden, reichten gegen die "Viererpharmabande" - so der österreichische Ärztekammer-Präsident Dr. Richard Piaty - "wegen übler Nachrede" Klage ein. Die Verfahren, teils eingestellt, teils noch anhängig, drehten sich durchweg um Bagatellen.
Bald darauf nahmen die Skandalbuch-Autoren ihr nächstes Projekt in Angriff - die Pillen-Inventur, gedacht für den mündigen Patienten, aber auch für den Durchschnitts-Doktor, der sich im Dickicht des Pharma-Angebots ebenfalls kaum mehr zurechtfindet.
Vorbilder für einen Leitfaden durch das Pharmalabyrinth fanden die Autoren in anderen Industrieländern, etwa in Schweden oder Großbritannien, wo die offizielle Ärztevereinigung erstmals 1981 ein Medikamenten-Handbuch herausgegeben hat.
Auch in den USA erscheint - bereits seit 1971 - ein in Abständen von einigen Jahren immer wieder überarbeitetes Pharmakompendium der "American Medical Association" (AMA), in dem die wichtigsten auf dem Markt befindlichen Präparate und ihre Wirkstoffe ausführlich beschrieben und bewertet werden - wobei die Verfasser nicht nur Nebenwirkungen schildern, sondern auch die Anwendungsgebiete abstecken, auf denen die Substanzen therapeutischen Nutzen bringen.
Ein für Laien verständlicheres Nachschlagewerk publiziert in den USA zudem die "Public Citizen Health Research Group", Ableger einer Verbraucher-Schutzorganisation, die von dem Konsumenten-Anwalt Ralph Nader gegründet wurde. Der von Langbein und Kollegen jetzt fertiggestellte Leitfaden gleicht eher dem Nader-Handbuch als dem wissenschaftlich gründlichen, mit chemischen Strukturformeln gespickten 1900-Seiten-Werk der AMA.
Unter anderem auf die Vorarbeit der mehr als 350 Experten, die in dem AMA-Handbuch als wissenschaftliche Berater aufgeführt werden, waren die vier Autoren des ersten deutschsprachigen Pharma-Ratgebers angewiesen; ihr Mitarbeiter-Verzeichnis mutet vergleichsweise mager an. Zwar sei dem Autoren-Team, so Mitverfasser Martin, auch von deutschen und österreichischen Pharma-Fachleuten Rat und Beistand zuteil geworden, "genannt werden sollten sie aber nicht".
In übersichtlichen Tabellen, geordnet nach Indikationsgebieten wie "Schmerzen", "Grippe, Erkältung", "Herz, Kreislauf" oder "Alter", haben die Handbuch-Verfasser die jeweils wichtigsten, weil meistverordneten Medikamente aufgeführt. Die Verzeichnisse - einige
davon sind auszugsweise in diesem SPIEGEL abgedruckt - geben nicht nur Auskunft über die Nebenwirkungen der Präparate, sie nennen auch Umsatzzahlen.
Im Textteil, der jedem Anwendungsgebiet gewidmet ist, erfahren die Leser Genaueres über die wichtigsten Medikamente, gelegentlich aber auch, wie sie ihre Beschwerden womöglich ohne Pillen loswerden können.
Ein verkaterter Kopf, heißt es da zum Beispiel, klare auf, "wenn man ein paar Gläser Milch oder Wasser trinkt"; an chronischen Rückenschmerzen sei oft ein fehlkonstruierter Bürostuhl schuld; eine "warme Dusche" oder ein "Dampfbad" seien gegen eine verstopfte Nase hilfreicher als viele teure Therapeutika aus der Apotheke.
[Grafiktext]
Einfache Schmerzmittel Thomapyrin N Tabl. Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol, Coffein Spalt Tabl. Salicylamid, Phenyldimethylpyrazolonsalicylat, Coffein, Mandelsäurebenzylester Novalgin (BRD, Ö) Filmtabl., Tropfen, Zäpfchen Metamizol-Natrium Gelonida Tabl., Saft Codeinphosphat, Acetylsalicylsäure (ASS), Phenazetin Togal Tabl. Chinindihydrochlorid, Lithiumcitrat, Acetylsalicylsäure (ASS) Ben-u-ron Saft, Zäpfchen Paracetamol Aspirin Tabl., Juniortabl. Acetylsalicylsäure (ASS) Dolviran Tabl. Acetylsalicylsäure (ASS), Codeinphosphat, Coffein, Phenobarbital Optalidon Drag., Zäpfchen Propyphenazon, Butalbital, Coffein Jahresumsatz Packungen Wert in DM Nebenwirkungen Magenbeschwerden, kann Asthmaanfälle auslösen. Bei sehr häufigem, jahrelangem Gebrauch sind Nierenschäden nicht auszuschließen, bei Überdosierung Leberschäden Möglichkeit der lebensgefährlichen Abnahme weißer Blutzellen Möglichkeit der lebensgefährlichen Abnahme weißer Blutzellen und Möglichkeit lebensbedrohlicher Schockformen Magenbeschwerden, kann Asthmaanfälle auslösen. Bei langdauerndem Gebrauch Gefahr schwerer Nierenschäden Magenbeschwerden, kann Asthmaanfälle auslösen, allergische Reaktionen auf Chinin Bei sehr häufigem, jahrelangem Gebrauch sind Nierenschäden nicht auszuschließen, bei Überdosierung Leberschäden Magenbeschwerden, kann Asthmaanfälle auslösen Magenbeschwerden, kann Asthmaanfälle auslösen. Benommenheit, Müdigkeit, Abhängigkeit Möglichkeit der lebensgefährlichen Abnahme weißer Blutzellen, Abhängigkeit Empfehlung Abzuraten Nicht sinnvolle Kombination zweier Schmerzhemmer (ASS, Paracetamol) mit stimulierender Substanz (Coffein) Abzuraten Nicht sinnvolle Kombination mehrerer Schmerzhemmer mit stimulierender Substanz (Coffein). Gefahr schwerer Nebenwirkungen Abzuraten Gefahr schwerer Nebenwirkungen, Metamizolhaltige Präparate sind in vielen Ländern verboten Abzuraten Nicht sinnvolles Kombinationspräparat mit Gefahr schwerer Nebenwirkungen. Enthält mehrere Schmerzhemmer (ASS, Phenazetin, Codein) Abzuraten Nicht sinnvolle Kombination von ASS mit Chinin, dessen therapeutische Wirkung in dieser Dosierung zweifelhaft ist Therapeutisch zweckmäßig Als langbewährtes Mittel gegen Fieber und Schmerzen zu empfehlen Therapeutisch zweckmäßig Als langbewährtes Mittel gegen Schmerzen, Fieber und rheumatische Entzündungen zu empfehlen. Bei empfindlichem Magen jedoch weniger geeignet Abzuraten Nicht sinnvolles Kombinationspräparat. Enthält u. a. Schmerzhemmer (ASS), Schlaf- und Beruhigungsmittel (Phenobarbital) und stimulierendes Mittel (Coffein) Abzuraten Nicht sinnvolle Kombination von Schmerzhemmer (Propyphenazon) mit Beruhigungsmittel (Butalbital) und stimulierendem Stoff (Coffein). Gefahr schwerer Nebenwirkungen Schlafmittel Dalmadorm Tabl. Flurazepam-HCI Baldrian Dispert Drag. Baldrianextrakt Vesparax Tabl. Etodroxizin, Secobarbital, Brallobarbital, Kalziumsalz Mogadan Tabl. Nitrazepam Betadorm-A Tabl. Diphenhydramin-HCI, Chlortheophyllin Rohypnol Tabl. Flunitrazepam Dolestan Tabl. Diphenhydramin-HCI Norkotral Tabl. Pentobarbital, Promazin Jahresumsatz Packungen Wert in DM Nebenwirkungen Wird im Körper langsam abgebaut - Benommenheit am Tag. Abhängigkeit. Bei älteren Menschen häufig Erregung statt Beruhigung (paradoxe Reaktion) Keine wesentlichen bekannt. Zellschädigende Wirkung möglich. Konsequenzen daraus noch nicht beurteilbar Atemdepression, Abhängigkeit, Hemmung des Traumschlafes Schlaflosigkeit nach Absetzen des Mittels, Abhängigkeit. Bei älteren Menschen häufig statt Beruhigung Erregung (>paradoxe Reaktion<) Benommenheit am Tag, Hemmung des Traumschlafes, Mundtrockenheit, Magen-Darm-Störungen, Herzrhythmusstörungen Schlaflosigkeit nach Absetzen des Mittels, Abhängigkeit. Bei älteren Menschen häufig statt Beruhigung Erregung (>paradoxe Reaktion<) Benommenheit am Tag, Hemmung des Traumschlafes, Mundtrockenheit, Magen-Darm-Störungen, Herzrhythmusstörungen Atemdepression, Hemmung des Traumschlafes, Abhängigkeit. Promazin: Bei Langzeitbehandlung Risiko von Spätdyskinesien (Bewegungsstörungen) nicht auszuschließen Empfehlung Therapeutisch zweckmäßig nur bei kurzzeitiger Einnahme. Dosierung ist zu hoch, eine halbe Tablette hat sich als ausreichend herausgestellt Wenig zweckmäßig Therapeutische Wirksamkeit zweifelhaft. Wenn Präparat als wirksam empfunden wird, ist Einnahme wegen geringer Schädlichkeit vertretbar Abzuraten Die Kombination mit Barbituraten und anderen Substanzen, die auf das Zentralnervensystem wirken, ist abzulehnen Therapeutisch zweckmäßig nur bei kurzzeitiger Einnahme Abzuraten Nicht sinnvolle Kombination von beruhigendem Antihistaminikum mit anderem Stoff, der eher erregend auf das Zentralnervensystem wirkt Therapeutisch zweckmäßig nur bei kurzzeitiger Einnahme Therapeutisch zweckmäßig nur bei kurzzeitiger Einnahme Abzuraten Nicht sinnvolle Kombination von Barbiturat und Neuroleptikum (Promazin). Wirksam, aber zu viele Nebenwirkungen
[GrafiktextEnde]

DER SPIEGEL 37/1983
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