22.08.1983

GESTORBENRobert Servatius

*
Robert Servatius, 88. In den Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozessen verteidigte der Kölner Rechtsanwalt taktisch geschickt seine Klienten - etwa den NS-Arzt Karl Brandt oder den Nazi-Wirtschaftsmanager Paul Pleiger. 1960 bot der gewievte Jurist als einziger deutscher Anwalt dem nach Israel entführten Juden-Vernichter Adolf Eichmann die Verteidigung an. Eichmann akzeptierte. Wohl wissend, seinen Mandanten nicht vor dem Todesurteil retten zu können, versuchte Servatius, Eichmann als inzwischen zum "friedlichen Bürger" gewandelten Hitler-Jünger darzustellen. Provozierend stellte er vor dem Jerusalemer Gericht die Frage, wie es denn zu erklären sei, daß Juden bei ihren Gastvölkern immerdar unbeliebt gewesen seien. Sein professionelles Engagement - in Nürnberg ebenso wie in Jerusalem - brachte Servatius selbst in den Verdacht einer dunklen Nazi-Vergangenheit. Doch nicht einmal eine NSDAP-Mitgliedschaft konnte dem Juristen nachgewiesen werden. Vorvergangene Woche starb Robert Servatius in Köln.

DER SPIEGEL 34/1983
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 34/1983
Titelbild
Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

GESTORBEN:
Robert Servatius

  • Vor G7-Gipfel in Biarritz: "Die Stadt ist zu einer Festung geworden"
  • Brände im Amazonas: Bolsonaro kündigt Strafen für Brandrodungen an
  • Flaschenpost aus Russland: Nach 50 Jahren in Alaska gefunden
  • Jagdtricks von Delfinen: Die "Hau-drauf-hau-rein"-Technik