21.11.1983

DDR-Milliardenkredit: „Das ist ja ein Ding“

Die deutsch-deutschen Kontakte des Franz Josef Strauß *
Beim Grübeln, was den Franz Josef Strauß zu seinen jüngsten Attacken gegen die christliberale Bundesregierung getrieben habe, kam Helmut Kohl und seinen Helfern im Kanzleramt eine Idee, die weiteres Nachdenken über die sachliche Berechtigung der Angriffe aus München überflüssig machte: Der CSU-Vorsitzende wolle vom Verfall seiner Autorität ablenken, er träume noch immer von eigener Kanzlerwürde.
Vor allem aber gebe es da noch ein ganz frisches Motiv: Revanche für eine erst unlängst erlittene Demütigung.
Der Bayer hatte beim Bonner Regierungschef wegen eines weiteren Milliardenkredits an die DDR vorgefühlt - und war abgeblitzt.
Die DDR, so Kohl, sei mit handfesten humanitären Gegenleistungen für den ersten Milliardenkredit vom Sommer so sehr in Rückstand, daß eine Bonner Bürgschaft für eine neue Milliarde nicht in Frage komme. Jetzt sei erst mal Ost-Berlin am Zuge.
Zudem mißfiel dem Kanzler der Zeitpunkt des Strauß-Ersuchens: Bonn könne der DDR nicht ausgerechnet in dem Augenblick weitere Devisen verschaffen, da die Aufstellung der neuen Nato-Raketen beginne. Das sehe doch so aus, als habe die Bundesregierung ein schlechtes Gewissen und wolle die DDR fürs Stillhalten bezahlen.
Mit wachsendem Unbehagen hatten bis dahin schon Kohls Leute die heimlichen deutschlandpolitischen Umtriebe des CSU-Chefs beobachtet, soweit sie davon überhaupt erfuhren. Der Verdacht im Kanzleramt: Strauß habe sich schon bei Anbahnung des ersten Milliardendings verhängnisvoll weit vorgewagt. Im Hochgefühl, endlich selber etwas Wichtiges bewegen zu können, sei der bayrische Ministerpräsident den gewieften SED-Funktionären auf den Leim gegangen. Er habe sich eine Art Versprechen abnehmen lassen, er werde, wenn die DDR im Winter erneut Geld brauche, für weitere West-Mark sorgen.
Der Argwohn der Bonner geht noch weiter: Der Weltpolitiker aus Bayern könnte im Frühsommer, bei seiner abrupten Abkehr von beinahe allem, was ihm bis dahin in der Deutschlandpolitik als heilig galt, sogar den Ost-Berliner Partnern bedeutet haben, sie brauchten sich bei humanitären Gegenleistungen nicht zu überheben.
"Wie ein dummer Junge stand der da", höhnt ein Kohl-Mitarbeiter, als der Kanzler hart blieb. Denn: "Der war praktisch mit denen schon einig über die weitere Milliarde."
Strauß vermuten die Kohl-Helfer denn auch als Quelle für die dann folgende Ost-Berliner Information an den SPIEGEL, der Bonner US-Botschafter Arthur Burns habe das Veto seiner Regierung gegen eine weitere Milliardenhilfe für die DDR eingelegt. Burns letzte Woche zum SPIEGEL: "An diesem Bericht ist kein Körnchen Wahrheit."
Um nicht sein Gesicht zu verlieren, so die Kanzler-Leute, habe der Bayer gegenüber den Ostdeutschen das Mißtrauen in Washington und auch in London gegen weitere Bonner Hilfen an die DDR zu unüberwindbarem Widerstand hochstilisiert. Daß er bei Kohl aufgelaufen sei, habe Strauß einfach nicht zugeben wollen.
Blamiert ist auch Straußens Gesprächspartner im DDR-Außenhandelsministerium, Staatssekretär Alexander Schalck-Golodkowski. Der hatte sich vor seinen SED-Genossen damit gebrüstet, welch außerordentlich guter Abschluß ihm bei seinen Verhandlungen mit dem starken Mann in Bayern gelungen sei: eine Milliarde sofort, eine weitere noch vor Ende des Jahres.
Die SED-Führung glaubte ihrem Schalck und plante die dringend benötigte zweite Milliarde fest ein - als Teil jener vier bis fünf Milliarden West-Mark, die Ost-Berlin zur Tilgung im nächsten Januar fälliger Verbindlichkeiten braucht.
Nun triumphieren Schalck-Golodkowskis Gegner in der SED-Spitze, sein Rivale im Außenhandelsministerium, Staatssekretär Gerhard Beil, und Beils Hintermann, Politbüromitglied Hermann Axen, zuständig für Internationale Verbindungen. Intern hatten Beil und Axen seit langem schon davor gewarnt, zu sehr auf Franz Josef Strauß zu setzen.
Statt auf Strauß umzuschwenken, so die beiden Genossen, hätte man besser mit den zuständigen Leuten in Bonn, etwa mit dem Kanzleramtsminister Philipp Jenninger, weiterverhandeln sollen.
"Langsam unheimlich" (ein Kohl-Vertrauter) wird den Bonnern, was allmählich sonst noch über den deutsch-deutschen Umgang des CSU-Vorsitzenden von drüben nach hüben sickert. Da soll es in Ost-Berlin eine schriftliche Zusammenfassung über die Gespräche mit Strauß geben, aus der eine Art Verpflichtung zur Zahlung der zweiten Milliarde herauszulesen sei - ganz anders als aus dem Bericht, den Strauß seinem Kanzler Kohl über seine Ost-Kontakte gegeben hat.
Auf Diskretion kann der CSU-Obere nicht rechnen. Schon läuft im Kanzleramt ein Ausspruch des düpierten Schalck-Golodkowski über seinen Partner Strauß um: "Der soll mal bloß nicht glauben, daß er uns jetzt ans Herz gewachsen ist."
Seine DDR-Kontakte hat der Bayer stets im dunkeln gehalten. Die ersten Verbindungen zu Strauß waren von der Export/Import-Firma F. G. Gerlach, Ost-Berlin, Parkstraße 37, gesucht und gefunden worden. Das Unternehmen ist nach westlichen Erkenntnissen nicht nur dem Ministerium für Außenhandel, sondern _(Am 24. Juli in Schloß Hubertusstock am ) _(Werbellinsee. )
auch dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) eng verbunden.
Als Ansprechpartner dienten die Brüder März im bayrischen Rosenheim, Inhaber der Fleischfirma "Marox", enge Strauß-Freunde und seit langem im DDR-Geschäft.
Die März-Brothers stellten ihr Gästehaus in Spöck für diskrete Zusammenkünfte zwischen bayrischen Staats- und Finanzspitzen und Ost-Berliner Funktionären zur Verfügung. Mindestens dreimal trafen sich hier Strauß und Schalck-Golodkowski, bei der letzten Zusammenkunft wurde auch Kanzleramtsminister Jenninger hinzugezogen. Wenig später stand die Vereinbarung über den ersten Milliardenkredit.
Bei der westdeutschen Spionageabwehr hat die Firma F. G. Gerlach, von der die Kontakte zu März und Strauß ausgingen, keinen guten Ruf. Des angeblich privaten Unternehmens bedient sich der auch für sogenannte Sonderbeschaffungen zuständige Schalck-Golodkowski gern bei heiklen Aufträgen, wenn seine staatlichen Außenhandelsfirmen außen vor bleiben sollen.
So ließ die Firma Gerlach ihre Verbindungen spielen, um im Westen seltene Metalle, hochwertige Elektronik oder modernste Rüstungstechnologie zu besorgen, die auf den westlichen Embargolisten strategischer Güter stehen und nicht an Mitgliedsländer des Warschauer Paktes geliefert werden dürfen. Auch der leistungsstarke Computer, mit dessen Hilfe das MfS die Überwachung der DDR-Bürger und seine Spionage steuert, soll im Westen beschafft worden sein. Das Unternehmen betreibt eine Filiale in Liechtenstein, die "F. G. Gerlach, Anstalt Vaduz", postalisch erreichbar über die Privat- und Verwaltungsbank Vaduz, Postfach 83.
Als Vertreter der Ost-Berliner Firma sind dem BND zwei Herren bekannt, die unter verschiedenen Namen auftreten, vorzugsweise als "Mischa Wischnewsky" und "G. Simon". Hinter "Mischa" oder auch mal "Henry" Wischnewsky verbirgt sich Hersz Libermann, im Bundesamt für Verfassungsschutz gerühmt als "einer der Größten beim Schmuggel und Schwarzhandel mit allem möglichen von Wurstpellen über Alkohol bis zu Edelmetallen, auf das engste mit dem MfS verbunden".
Sein Kompagnon in der Firma, die den Strauß-Kontakt anbahnte, ist auch kein kleiner Fisch. In Kohls Kanzleramt kennt man den V-Mann "G. Simon" als "Goldenstein". Sein Klarname: Simon Goldenberg, 1914 in Konstantinopel geboren. Ex-Verfassungsschutzpräsident Richard Meier, in seinen aktiven Tagen vielfach mit Goldenberg befaßt, bezeigt dem DDR-Mann seinen Respekt: "Wir werden mit dem nicht fertig" - ein gewichtiger Profi, von außerordentlicher Liebenswürdigkeit, der es keinem erlaube, wirklichen Durchblick zu gewinnen. Meier: "Der ist so gut, der ist in der Lage, auch das MfS zu bescheißen."
Der Name Goldenberg ist Strauß seit langem bekannt.
Das kam so: Die Gebrüder März wickelten viele Jahre hindurch ihre Schlachtviehimporte aus der DDR über Goldenbergs Firma ab. Nach Angaben Goldenbergs bewegten sich die Geschäfte im Rahmen "bis zu 100 Millionen Mark jährlich".
Goldenberg: "Ich habe die ganze Welt vertreten, wobei die Firma Marox mein kleinster Kunde war." Und stets war es laut Goldenberg so, "daß ich ... für alle Ost-West-Geschäfte der Firma Marox eine Provision erhielt".
Mit der Zeit wuchsen zwischen dem kleinen Kunden im Westen und dem großen Makler im Osten engste Bande. "Ich war Ende 1975 schwer krank", erzählte Goldenberg, "und entschloß mich bei dieser Gelegenheit, meine geschäftliche Tätigkeit, die ja in Ost-Berlin stattfand, zu beenden, um einen westdeutschen Wohnsitz zu nehmen."
Als sei der Wechsel von Deutsch-Ost nach Deutsch-West ein simpler Grenzübertritt, kam Goldenberg 1976 mit seiner Familie in die Bundesrepublik. Er fand Unterschlupf im bayrischen Rosenheim, bei seinen alten Geschäftsfreunden, den Brüdern März. Doch Goldenberg setzte sich keineswegs zur Ruhe. Bald brauchte er einen Steuerberater. Er wandte sich an die Kanzlei "Neubauer und Schlarb" in Rosenheim - eine gute Wahl, wie sich zeigen sollte.
Dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz (BLfV) kam der DDR-Übersiedler spanisch vor. Die Staatsschützer ermittelten und wurden fündig. BLfV-Chef Hans Ziegler hielt den Fall für so brisant, daß er am 8. Juli 1977 unter dem Aktenzeichen "IV A 1-111-P060 470-3/77 VS-Vertr." an seinen Dienstherrn, den damaligen bayrischen Innenminister Alfred Seidl "persönlich", folgenden Brief schrieb:
"Betreff: GOLDENBERG, Simon, geb. 17. 09. 1914 in Konstantinopel, verh. Kaufmann, wohnt in Pang, Wendelsteinstr. 13, LK Rosenheim.
Sehr verehrter Herr Staatsminister, Gestatten Sie mir bitte, Sie unmittelbar mit einem hier über den Genannten entstandenen Vorgang vertraut zu machen. Herr Staatsminister a. D. Dr. Merk und Herr Staatssekretär Kiesl wurden bereits einmal über hier eingegangene Erkenntnisse vorab unterrichtet.
Simon GOLDENBERG wurde am 1. 5. 1976 von Ostberlin kommend mit seiner Familie im Gästehaus der Fa. Gebr. MÄRZ KG, Rosenheim, in
8201 Söchtenau, Ortsteil Spöck, LK Rosenheim, polizeilich angemeldet. Von den Firmeninhabern Andreas und Willi MÄRZ, mit denen Simon GOLDEN-BERG seit über 10 Jahren befreundet sein soll, erhielt er im Firmenhaus in Rosenheim, Kufsteiner Straße 5, Büroräume. Unter dieser Anschrift meldete er im September 1976 das Gewerbe ''Großhandel - Ex- und Import sowie Industrievertretungen'' an. Nach Aufforderung des Gewerbeamtes Rosenheim, nähere Angaben über seine Firma zu machen, ließ Simon GOLDENBERG über seinen Steuerbevollmächtigten im Dezember 1976 mitteilen, daß er ''derzeit noch prüfe, welcher Handelszweig im engeren Sinne ihm die besten Chancen biete''. Seit 20. 07. 1976 lebt die Fam. Simon GOLDENBERG in Pang. Dort bewohnt sie im exklusiven Villenviertel einen Bungalow, der auf den Namen der Ehefrau gekauft wurde.
Wie vom Bundesamt für Verfassungsschutz und einem befreundeten Dienst mitgeteilt wurde, kam Simon GOLDEN-BERG als Staatenloser türkischer Herkunft im Jahre 1921 nach Frankreich. Dort befaßte er sich später mit diversen gewinnträchtigen Handelsgeschäften. Nach Unterschlagungen und Scheckbetrügereien flüchtete er im April 1951 aus Frankreich. Im März 1952 verlor er die 1948 erworbene franz. Staatsangehörigkeit, und im Jahre 1954 wurde gegen ihn ein Aufenthaltsverbot für Frankreich erlassen. Ab April 1951 hielt sich Simon GOLDENBERG kurze Zeit in Westberlin auf. Im Dezember 1953 zog er aus Ostberlin erneut in Westberlin zu und wurde im Jahre 1954 nach unbekannt abgemeldet.
Seit 1956 ist Simon GOLDENBERG als Kontaktperson östlicher Nachrichtendienste und als Inhaber einer Ostberliner Firma bekannt, die sich u. a. mit dem Handel von Embargogütern befaßte. Er gehörte zu den Geschäftspartnern des Ostberliner Schwarzhändlers polnischer Abstammung Hersz LIBERMANN. Ferner ist er Hauptaktionär der ostdeutsch-französischen Ex- und Importfirma TRADIMEX mit Sitz in Paris. In Zusammenarbeit mit der amerikanischen Eisenindustrie-Firma LISSAUER soll Simon GOLDENBERG mehrere Handelsgesellschaften mit Sitz in der Schweiz und in Liechtenstein gegründet haben ...
Simon GOLDENBERG wurde in seinem Büro in Ostberlin und teilweise auch privat von einem MfS-Führungsoffizier und von einem Angehörigen eines sowjetischen Nachrichtendienstes besucht. Die Intensität dieser Verbindungen - gekoppelt mit kommerziellen Interessen - ist schon daraus ersichtlich, daß Simon GOLDENBERG seit 1957 in acht Ermittlungsverfahren des GBA (Generalbundesanwalt, d. Red.) wegen Verdachts verräterischer Beziehungen als ''Geschäftspartner'' und Kontaktperson genannt worden ist. Darüber hinaus lief gegen ihn 1952 über Interpol ein Fahndungsersuchen wegen Beihilfe zur Gefangenenbefreiung von Untersuchungshäftlingen aus einem Westberliner Gefängnis ...
Simon GOLDENBERG genoß das volle Vertrauen der Behörden in Ostberlin. Ihm wurde sogar die Staatsangehörigkeit der DDR zuerkannt. Seine glänzenden geschäftlichen Erfolge, wodurch er sich ein bedeutendes Vermögen geschaffen hat, sind angeblich auf seine Ehe mit Helga, geb. SCHEUFLER, geb. 13. 7. 1935 in Reichenberg, deren Vater eine prominente Person der DDR gewesen sein soll, und auch darauf zurückzuführen, daß er durch großzügige Geschenke an einflußreiche Persönlichkeiten die entsprechenden Beziehungen zu knüpfen wußte. Nach einer schweren Erkrankung im Herbst 1975 stellte Simon GOLDENBERG seine berufliche Tätigkeit in Ostberlin ein. Anfang 1976 konnte er mit Ausreisevisum in Begleitung seiner ganzen Familie die DDR verlassen. Diese Übersiedlung soll, wie eine erst vor kurzem hier eingegangene vertrauliche Mitteilung besagt, nur möglich gewesen sein, weil GOLDENBERG mit Veröffentlichung seiner Erfahrungen aus seiner DDR-Zeit gedroht habe.
Dieser letzte Hinweis und die beim Bayer. Landesamt für Verfassungsschutz vorliegenden Informationen über die Vergangenheit GOLDENBERGS machen in Zusammenhang mit seiner Wohnsitzverlegung nach Bayern und den damit verbundenen Kontakten eine Klärung erforderlich. Darüber hinaus sind das Bundesamt für Verfassungsschutz und auch der BND an einer Befragung GOLDENBERGS wegen seiner engen Zusammenarbeit mit staatlichen Einrichtungen der DDR besonders interessiert.
Im Hinblick auf die Beziehungen des Vorsitzenden der CSU, Herrn Dr. Franz Josef STRAUSS, zu den Gebr. MÄRZ, darf ich Sie, sehr verehrter Herr Staatsminister, um Entscheidung bitten, ob und gegebenenfalls welche weiteren Klärungsmaßnahmen durchgeführt werden können.
Mit vorzüglicher Hochachtung, Ihr sehr ergebener Dr. Ziegler, Präsident"
Seidl leitete das Ziegler-Schreiben sofort an das Büro des CSU-Vorsitzenden Strauß weiter. Und schon bald zeigte sich, wie gut der Verfassungsschützer daran getan hatte, "im Hinblick auf die Beziehungen des Vorsitzenden der CSU, Herrn Dr. Franz Josef Strauß, zu den Gebr. März" mit "weiteren Klärungsmaßnahmen" zurückzuhalten. Die nämlich waren nicht erwünscht.
Ministerialdirigent Hans Langemann, inzwischen wegen seiner Enthüllungsstories _(1977 im Gästehaus der Gebrüder März mit ) _(dem togolesischen Präsidenten Gnassingbe ) _(Eyadema (r. neben Strauß); 2. v. 1.: ) _(Josef März. )
geschaßt, damals noch als Abteilungsleiter im bayrischen Innenministerium für den Verfassungsschutz zuständig, schaltete sich ein. In einer Vorlage an Seidl vom 13. Juli 1977 - Durchschlag ging ans Strauß-Büro - riet er dringend von Schritten gegen Goldenberg ab, angeblich, weil der seinen Geschäftspartner Wischnewsky alias Libermann aus der DDR hatte herauslocken sollen: _____" Goldenberg war zeitweise in eine gefährliche " _____" Gegenspionageoperation eines besonders abgeschotteten " _____" Bereichs des BND und der CIA (joint operation) als " _____" eingewiesener Vermittler in Ost-Berlin einbezogen. Ziel " _____" dieser Operation war die vor allem von CIA begehrte " _____" Herauslösung des im BLfV-Schreiben genannten, in " _____" Menschenraub und andere Gewaltverbrechen, aber auch in " _____" CIA-Sicherheitsfälle verwickelten Herschel (Micha) " _____" Liebermann alias Wischnewsky aus der DDR, was zwar " _____" mißlang, jedoch zur Zerschlagung einer Auslandsresidentur " _____" des KGB und, wegen der Entgegennahme einer nach " _____" Ost-Berlin eingeschleusten Nato-Maschinenpistole, zur " _____" Kompromittierung Libermanns führte. " _____" Goldenberg, der damals Gesprächskontakte zu " _____" Generalleutnant Marcus Wolff (HVA) abschöpfte, geriet " _____" durch diese GS-Operation, deren mit mir in Verbindung " _____" stehender Leitagent heute als abgeschalteter Mitarbeiter " _____" des BND in Frankfurt lebt, wie dieser in " _____" lebensgefährliche Situationen ... Von " _____" nachrichtendienstlichen Maßnahmen darf ich eindringlich " _____" abraten. "
BLfV-Präsident Ziegler fand das gar nicht gut. Am 22. Juli 1977 legte er bei Langemann Beschwerde ein: _____" Die Unterlagen des BLfV über S. Goldenberg gehen auf " _____" Hinweise des BfV, des BND und eines befreundeten " _____" ausländischen Dienstes zurück. Diese Dienste haben " _____" wiederholt ihr Interesse an einer Klärung der jetzigen " _____" Situation des G. und an seiner Befragung bekundet. Letzte " _____" sollte in erster Linie dazu dienen, das Hintergrundwissen " _____" des G. aus seinem langjährigen DDR-Aufenthalt " _____" abzuschöpfen. Das muß angesichts der Feststellungen, die " _____" das Schreiben des BLfV vom 8. 7. 1977 enthält, als " _____" berechtigtes Interesse der Nachrichtendienste gesehen " _____" werden; eine Befragung sollte im übrigen erst nach " _____" Zustimmung durch den Herrn Staatsminister des Innern in " _____" Aussicht genommen werden ... Der BND hat bisher niemals " _____" zu erkennen gegeben, daß er sich des Herrn G. in einer " _____" Gegenspionageoperation bedient habe. Der nunmehr bekannt " _____" gewordene Sachverhalt steht jedoch aus meiner Sicht einer " _____" Befragung nicht schlüssig und zwingend entgegen, weil G. " _____" dadurch keine Nachteile zu befürchten hätte. " _____" Eine Unterrichtung des Bayer. Staatsministeriums des " _____" Innern über den Sachverhalt, der in dem Schreiben vom 8. " _____" 7. 1977 dargelegt worden ist, war nur wegen der " _____" Verbindung des G. zur Firma Gebr. März, Rosenheim, und " _____" deren Kontakte zu dem Landesvorsitzenden der CSU geboten " _____" ... Nach der nunmehr gegebenen Sachlage hat es das BLfV " _____" nicht zu vertreten, wenn durch völliges Absehen von einer " _____" weiteren Klärung gegebenenfalls wichtige Hinweise für die " _____" Sicherheitsinteressen der BRD nicht ausgeschöpft werden " _____" könnten, zumal es selbst nicht primär an diesem Wissen " _____" interessiert ist. "
Goldenberg blieb unbehelligt. Am 14. September 1978 gab Ziegler endgültig auf. "Vom BLfV wird weiteres nicht veranlaßt", so seine Mitteilung an Langemann. In der bayrischen Staatsregierung hatte Goldenberg inzwischen einen neuen Freund.
Franz Neubauer, sein Steuerberater aus Rosenheim, war 1977 ins Münchner Kabinett aufgerückt, erst als Staatssekretär im Justizressort, dann, von 1978 an, als Staatssekretär im Innenministerium, dort zuständig auch für den Verfassungsschutz. So gut standen Goldenberg und Neubauer miteinander, daß der Staatssekretär seinem Ex-Kunden die Ehre gab, als der zur Feier seines 65. Geburtstages lud. Ein leitender Mann des Kölner Bundesamtes für Verfassungsschutz, der von dem Beratungsverhältnis Neubauer/ Goldenberg erst jetzt erfuhr: "Das ist ja ein Ding."
Goldenberg nutzte die ihm gewährten Freiheiten. Er pflegte den Kontakt zu den Brüdern März und blieb so stets auch in Tuchfühlung zu Franz Josef Strauß. Der nämlich kreuzte des öfteren bei den Fleischhändlern auf, etwa wenn es afrikanische Staatsmänner zu feiern galt, in deren Heimat die Firma Marox geschäftliche Interessen hat. Bei solcher Gelegenheit trafen dann auch Goldenberg und der CSU-Chef aufeinander. Er habe, sagt Goldenberg, dabei mit Strauß "sechs Worte gewechselt".
1980 tauchten bei Goldenberg noch einmal Ermittler des Verfassungsschutzes auf. Doch der ehemalige DDR-Bürger bestritt, für das MfS zu arbeiten.
Das war alles. Goldenberg wahrte seine Verbindungen nach drüben, und als es um das Einfädeln des Milliardenkredits ging, da hatte die Firma Gerlach plötzlich die besten Beziehungen zu Franz Josef Strauß.
Goldenberg hat sich Nachfragen entzogen, nach Frankreich, in die Nähe von Nizza. Sein Haus in Pang steht zum Verkauf. Die Bundesanwaltschaft interessiert sich inzwischen für ihn, sie möchte ihn einvernehmen. Seit 1982 nämlich läuft gegen Simon Goldenberg ein mit mäßigem Elan betriebenes Ermittlungsverfahren nach Paragraph 99 des Strafgesetzbuches - wegen des Verdachts nachrichtendienstlicher Beziehungen.
Am 24. Juli in Schloß Hubertusstock am Werbellinsee. 1977 im Gästehaus der Gebrüder März mit dem togolesischen Präsidenten Gnassingbe Eyadema (r. neben Strauß); 2. v. 1.: Josef März.

DER SPIEGEL 47/1983
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