02.01.2016

Vereinigte StaatenKann ein Clown Präsident der USA werden?

Seit Monaten beherrscht der Immobilienmilliardär Donald Trump die Schlagzeilen – egal, wen er beleidigt, ob Latinos oder Schwarze, Frauen oder Muslime, seine republikanischen Rivalen oder die demokratische Spitzenreiterin Hillary Clinton. Längst müsste das Trump-Phänomen ausgebrannt und der Clown von echten Bewerbern verdrängt sein. Es sei absolut ausgeschlossen, hieß es anfangs, dass einer wie Trump eine Chance habe, Präsidentschaftskandidat, geschweige denn Präsident zu werden. Doch seit Monaten liegt Trump in den Umfragen weit vor allen anderen Bewerbern der Republikaner. Eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Morning Consult ergab sogar, dass Trump in anonymen Online-Erhebungen noch mal um rund sechs Prozent besser abschneidet als in Telefonbefragungen. Laut dem Morning-Consult-Chefdemoskopen würden viele ihre Trump-Affinität aus Gründen der politischen Korrektheit verschweigen. Konkurrenzlos poltert Trump so in die ersten Vorwahlen in Iowa und New Hampshire Anfang Februar. Diese werden wichtiger als je zuvor, denn sollte Trump dort gewinnen, hätte er gute Aussichten auf die Nominierung beim Wahlparteitag der Republikaner im Juli. Es wäre ein Albtraum für die Parteispitze: Ein Outsider-Kandidat Trump, so fürchtet sie, würde einen Sieg der Demokraten bei der Wahl im November garantieren. Denn Trump zerstört die mühsam entwickelte Strategie, Frauen und Latinos als Wähler zu ködern. Als Präsidentschaftskandidat würde er nicht nur die Wähler der Mitte abschrecken, ohne die ein Wahlsieg unmöglich ist, sondern auf lange Sicht auch die Chancen republikanischer Kandidaten auf bundesstaat-licher und kommunaler Ebene sabotieren. Was tun? Eine Möglichkeit wäre eine Kampfabstimmung beim Parteitag, mit einem Gegenkandidaten der Republikaner-Führung. Das allerdings könnte die zerrissene Partei in den Abgrund führen. Es ist wahrscheinlicher, dass Donald Trump der Kandidat der Republikaner wird – und Amerika noch das ganze Jahr 2016 über beschäftigt. Dann allerdings dürfte es vorbei sein mit dem Phänomen Trump, schließlich wird am Ende Hillary Clinton gewinnen, da sind sich die Demoskopen, wieder einmal, ganz sicher.
Von Pit

DER SPIEGEL 1/2016
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