02.01.2016

EuroReicht das Geld für die Griechen?

Er wird vielleicht nicht so heißen, aber er wird 2016 kommen, ja kommen müssen: der Schuldenschnitt. Griechenland braucht mehr Einnahmen, mehr Wachstum und mehr Vertrauen, wenn es wieder auf eigenen Füßen stehen soll. Das ist mit einer Schuldenlast von rund 340 Milliarden Euro und einer Verschuldungsquote von etwa 200 Prozent der Wirtschaftsleistung nicht zu schaffen. Die Verschuldung muss nachhaltig reduziert werden, damit die Regierung überhaupt Kredite bedienen kann. Das heißt: Die Gläubiger müssten Forderungen von 150 bis 200 Milliarden Euro abschreiben, das meint zum Beispiel auch der IWF. Alternativ könnte Griechenland mit der Tilgung nicht in knapp zehn Jahren, sondern deutlich später beginnen; und die Laufzeiten könnten von durchschnittlich 30 auf 60 Jahre angehoben werden. Das wäre de facto ein heimlicher Schuldenschnitt, und für den plädiert auch Angela Merkel, wenn sie öffentlich über neuen "Spielraum" für die Griechen philosophiert. Ähnliches meint EZB-Chef Mario Draghi, wenn er ein "Element der Schuldenerleichterung" fordert. Beiden ist klar: Ohne eine Reduzierung der Schuldenlast wird das Land kein Vertrauen bei privaten Investoren finden und kein neues Wachstum produzieren. Kommt zumindest der indirekte Schuldenschnitt 2016, dann könnte das dritte Hilfspaket für Athen das letzte gewesen sein. Kommt er nicht, werden Arbeitslosigkeit und soziale Not kein Ende nehmen, wird sich die Negativspirale weiter fortsetzen – und am Ende ist ein vierter Bailout notwendig. Da kann gespart werden, koste es, was es wolle.
Von Mer

DER SPIEGEL 1/2016
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