02.01.2016

NahostKündigen wir Riad die Freundschaft?

In diesem Jahr wird sich Deutschland entscheiden, auf welchen Partner im Nahen Osten es vor allem setzt: Saudi-Arabien oder Iran. So könnte geschehen, was für das saudische Königshaus ein Albtraum, für die Führung Irans eine enorme Aufwertung wäre: Präsident Hassan Rohani schreitet mit Angela Merkel in Berlin über den roten Teppich. Es wäre die richtige Entscheidung. Denn ohne Iran wird es keine Lösung im Syrienkonflikt geben, keine Stabilität im Irak, keinen Sieg über den IS. Der Nuklearvertrag war trotz aller Mängel ein richtiger Schritt, gerade hat das Land sein angereichertes Uran abgegeben, im Februar könnten die Sanktionen gelockert werden. Zwar unterstützt Teheran weiterhin Radikale wie die Hisbollah und richtet öffentlich Gefangene hin; doch mehr und mehr scheint sich die Führung vom Extremismus zu verabschieden. Und die Gesellschaft ist in Teilen sowieso westlich orientiert. Saudi-Arabien dagegen galt lange als berechenbarer Öllieferant und strategischer Partner des Westens, über dessen Defizite in Sachen Menschenrechte großzügig hinweggesehen wurde – dabei ist das Königshaus Teil des Problems, auch wenn das in Berlin und in Washington nur wenige laut sagen. Mit dem Aufstieg des IS wird nun der schreck-liche Pakt der Sauds mit dem Fundamentalismus offensichtlich. Als Ablasszahlung an die Radikalen fachten die Ölscheichs den Terror im Namen des Islam an – der sich eines vielleicht gar nicht mehr so fernen Tages gegen das Königshaus wenden könnte. Nun muss Saudi-Arabien seine Macht nutzen, um die Konflikte im Nahen Osten einzudämmen. Tut es das nicht, könnte 2016 das Jahr werden, in dem Deutschland den Herrschern von Riad die Partnerschaft aufkündigt.
Von Dbe

DER SPIEGEL 1/2016
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