02.01.2016

GlosseEin ernüchterndes Jahr

Warum gute Vorsätze für eine bessere Ernährung sinnlos sind
Wenn Sie an Orthorexie leiden, sollten Sie nicht weiterlesen. In diesem Fall sind Sie von dem Wunsch nach gesunder Ernährung besessen und bedürfen womöglich psychologischer Hilfe. Alle anderen Menschen hingegen, die unter guten Neujahrsvorsätzen für eine ausgewogene Ernährung ächzen, dürfen aufatmen: 2015 präsentierten Wissenschaftler viele neue Erkenntnisse, die Zweifel an der Selbstkasteiung durch gesunde Kost aufkommen lassen. So entlarvte ein US-Mediziner als unhaltbaren Irrglauben, dass der Konsum von mehreren Litern Wasser täglich lebensverlängernd wirke. Eine Erlanger Ernährungsmedizinerin wiederum wies darauf hin, dass in etlichen Fällen vermeintlicher Gluten-Intoleranz gar nicht das Klebereiweiß schuld ist. Und wer hätte gedacht, dass es eine gesündere Alternative zur frischen Orange gibt: pasteurisierten Saft aus der Flasche, durch den der Körper bestimmte Nährstoffe viel besser aufnimmt. Überraschend auch: Die wegen ihrer Kalorienarmut als Snack beliebte Reiswaffel – speziell Kinder werden damit gern traktiert – weist einen erhöhten Gehalt an krebsauslösenden anorganischen Arsenverbindungen auf, warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung. Ernüchternd für alle Gemüsefreunde war schließlich die folgende Nachricht: Viele Darmkrebstumoren sind genetisch bedingt und lassen sich durch frische Kost nicht verhindern. Dies berichtet die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie. Immerhin gibt es aber auch Missstände, die der Einzelne tatsächlich beeinflussen kann: Ein Forscherteam aus Nürnberg, Berlin und Basel fand heraus, dass Verheiratete mehr wiegen und weniger Sport treiben als alleinstehende Menschen. Hier lässt sich leicht ohne lästige Ernährungsumstellung Abhilfe schaffen. Man muss nur die Scheidung einreichen.
Von Frank Thadeusz

DER SPIEGEL 1/2016
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