02.01.2016

BriefeAnbetung sinnlos

Nr. 53/2015 Vom Himmel hoch – Ist Gott ein Irrtum? Und der Mensch nur ein Zufall?
"Am weitesten in der Erforschung des Universums ist der Rheinländer, der weiß: 'Et kütt, wie et kütt.' Zum Zusammenleben braucht es weder Gott noch Wissenschaft, sondern ein paar Regeln und die Parole: Genießt es! Am letzten Aschermittwoch ist eben alles vorbei."
Udo Potthast, Berlin
Die im Titelbild insinuierte Schlussfolgerung, dass, falls Gott ein Irrtum ist, der Mensch nur Zufall sein kann, ist falsch. Wegen der ungeheuren Vielzahl von Möglichkeiten für die Entstehung von Leben in unserem Universum ist allein aufgrund der Gesetze der Wahrscheinlichkeit der Mensch eher eine Notwendigkeit.
Herbert Räbel, Nürnberg
Entweder es gibt ihn nicht. Oder er kann nach dem Urknall nicht mehr helfen, schaut hilflos dem explodierenden Böller hinterher. Oder er könnte helfen, hat aber keine Lust dazu, lässt Auschwitz und Co. gleichgültig zu. Folge: Anbetung sinnlos.
Wolfgang Klein, Seevetal (Nieders.)
Die Macht des Glaubens hat seit je das Ausblenden der Realität im Gefolge. Da sterben vor wenigen Jahren durch einen Tsunami etwa eine Viertelmillion Menschen, und keine (!) der zu einem persönlichen Gott betenden Glaubensgemeinschaften wagt es, logische Erkenntnisse aus diesem Geschehen zu ziehen. Denn wenn wir uns fragen, warum diese Menschen gestorben sind, gibt es nur eine Antwort: Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort! Das hat mit Gott überhaupt nichts zu tun.
Erich Eickenroth, Mittenwalde (Brandenb.)
Nicht Gott ist der Irrtum, sondern das Bild von Gott, das wir uns geschaffen haben. Weg vom jähzornigen, von uns getrennten Gott, hin zum liebenden, mit dem wir eins sind. Nicht glauben, was wir sehen, sondern sehen, was wir glauben, ist der Schlüssel dazu.
Jensen Fleckenstein, Schaafheim (Hessen)
Die Antwort zu den Fragen gibt John Lennon in seiner Hymne "Imagine": Imagine there's no heaven ... no hell below us ... and no religion too.
Dieter Ludwig, Stapelfeld (Schl.-Holst.)
Da Gott eine menschenerdachte Projektion ist, die ganz offensichtlich ihren Zweck – Unterdrückung der Mitmenschen – erfüllt, ist er sicherlich kein Irrtum. Richtig gestellt müsste die Frage etwa lauten: Wie lange können die Protagonisten dieser Fiktion ihren wahren Zweck noch verschleiern? Da man der Geschichte der Menschwerdung ein Stückchen näher gekommen ist, kann seine Existenz auch nicht auf einem Irrtum beruhen. Richtig gefragt müsste es heißen: Was kommt nach der Weltzerstörung durch diese "Krone der Schöpfung"?
Jens Jacobus, Kiel
Es gibt keinen Gott (oder Allah) und kein Jenseits. Ausgangspunkt dieser Behauptung ist ein wundervoller Satz: "Ich hatte keine Angst, geboren zu werden, also habe ich auch keine Angst zu sterben." Will sagen, man kommt aus der Bewusstlosigkeit und wird beim Tod wieder in diese entlassen. Was zu erforschen wäre, weil nicht erklärbar: Warum bin ich ich und nicht jemand, der, sagen wir mal, mit den Augen einer Frau in das Hamburg des 18. Jahrhunderts blickt?
Wolfgang Luckner, Bonn
Mit Fortschreiten der physikalischen Erkenntnisse stellen wir immer mehr fest, wie wenig wir tatsächlich wissen. Was ist denn eigentlich Dunkle Materie oder Dunkle Energie, aus denen der Großteil des Universums erschaffen ist? Wie sind n-dimensionale Räume und Viele-Welten-Theorien, in denen alles möglich ist, zu begreifen? Wer ist verantwortlich für die Feinabstimmung der Naturkonstanten, ohne die Leben gar nicht möglich wäre? Auch jeder Wissenschaftler sollte erkennen: Da ist genug Raum und Möglichkeit, aber eben kein "Muss" für die Existenz eines unvorstellbar großen und unbegreiflichen Gottes. Ob ich mich diesem als Atheist nur ob seiner Größe unterwerfen will, steht jedoch auf einem anderen Papier.
Bert Wenzlawski, Oer-Erkenschwick (NRW)
"Vom Himmel hoch" ... da kommt er nicht. Der liebe Herrgott ist ein ganz und gar irdisches, von Menschen gemachtes Gebilde. Er ist genau so stark, schwach, schrecklich und wunderbar wie die Menschen selbst. Nicht, weil er sie geschaffen hat, sondern sie ihn. Menschen haben Angst, selbst voll und ganz für ihr Leben verantwortlich zu sein. Sie wollen eine höhere Ordnung, weil sie sonst ja allem, was da ist, allein ausgesetzt wären, ohne jeden Beistand, der mächtiger wäre als sie selbst. Das ist schwer auszuhalten. Die Vorstellung vom Schöpfer ist ein Ergebnis des ruhelosen menschlichen Geistes, fähig, vieles zu verstehen und zu verändern, und doch unfähig, das große Ganze vollständig zu begreifen und zu beherrschen.
Peter Johnen, Hamburg
Sind Religion und Physik unverträglich? Keineswegs! Wenn allerdings ein Physiker davon berichtet, wie durch den Urknall das gesamte Universum mit Milliarden Sternen entstand, dann sei die Frage an ihn gestattet, woher denn plötzlich diese Materie kam. Ob Gott da eine Rolle gespielt hat?
Günter Schumacher, Roetgen (NRW)

DER SPIEGEL 1/2016
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