02.08.1999

NAHOSTHilferufe nach Damaskus

Aufgrund der Vorstöße des neuen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak zur Wiederbelebung des Friedensprozesses sieht sich Palästinenserpräsident Jassir Arafat zu einer ungewohnten Allianz genötigt: Weil er sich von Jerusalem düpiert fühlt, sucht der Autonomieführer den Schulterschluss mit seinem Erzrivalen im arabischen Lager, Syriens Staatschef Hafis el-Assad, von dem es heißt, dass er sich vor Arafats Bruderküssen ekelt. Bei der Begegnung mit dem Palästinenserpräsidenten am vergangenen Dienstag hatte Barak von seinem Gesprächspartner einen Aufschub des israelischen Rückzugs aus dem Westjordanland verlangt. Arafat empfand das als Zumutung und bat über einen Emissär Damaskus um Beistand: Syrien solle die eigenen Verhandlungen mit Jerusalem über die Golanhöhen zurückstellen, bis der von den Israelis im Wye-Abkommen zugesagte Truppenabzug aus dem Westjordanland erfolgt sei. Der Hilferuf kommt Syrien gelegen. Assad misstraut dem israelischen Premier, den er nach dessen Wahl im Mai noch als "ehrlich und aufrichtig" lobte. Über die syrische Staatspresse lässt er ihm nun "Haarspalterei" vorwerfen - wie einst der israelische Premier Jizchak Rabin will angeblich auch Barak nicht über einen Rückzug vom, sondern nur noch auf dem Golan verhandeln. Das aber ist für Assad unakzeptabel. Assad lässt die Zeitungen gegen Barak giften: Der wolle mit seinen Friedensbeteuerungen nur die angeknacksten Beziehungen zu Washington verbessern, um Hilfsgelder und Waffenlieferungen zu erhalten.

DER SPIEGEL 31/1999
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