09.08.1999

TÜRKEINationalisten gegen Kurden-Kompromiss

Mit einer neuen Serie antikurdischer Maßnahmen reagiert das nationalistische Establishment Ankaras auf die jüngsten Friedensaufrufe Abdullah Öcalans und die Bereitschaft der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zum Rückzug "hinter die Grenzen". Dem Abgeordneten Mehmet Fuat Firat von der islamistischen Tugend-Partei (FP) wurde vorigen Donnerstag untersagt, Kurdisch als seine dritte Fremdsprache in die Homepage des türkischen Parlaments einzutragen. Das Kurdische sei "keine Sprache, sondern nur ein Dialekt, ein Akzent", wetterte ein Abgeordneter der ultrarechten Regierungspartei MHP. Auch Harold Koh, Unterstaatssekretär im US-Außenministerium, wird seit Tagen scharf attackiert. Koh hatte vergangene Woche den türkischen Südosten bereist, um die Menschenrechtssituation im Krisengebiet zu prüfen. Der links-nationalistische Politiker Ali Karsilayan empfahl, Koh solle "schleunigst des Landes verwiesen werden". Die türkischen Sicherheitsbehörden rechnen damit, dass Kader der PKK sich in den kommenden Monaten vermehrt ins europäische Ausland absetzen werden, weil die traditionellen Rückzugsbasen im Nordirak und in Iran keine sichere Zuflucht mehr bieten. Syrien, wo Öcalan bis zu seiner Flucht im vergangenen Oktober sein Hauptquartier hatte, begegnet der PKK inzwischen mit offener Feindseligkeit. Der türkische Generalstab, das Innenministerium und der Geheimdienst MIT erwarten deshalb einen Abzug der PKK-Kämpfer über den griechischen Teil Zyperns in die europäischen Nachbarländer der Türkei, vor allem nach Griechenland und Rumänien.

DER SPIEGEL 32/1999
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