16.01.2016

FluchthelferWie befreit man einen Drogenboss, Herr Kudla?

Wolfram Kudla, 56, Professor für Erdbau und Spezialtiefbau, über deutsche Hilfe bei der Tunnelflucht Joaquín Guzmáns, genannt "El Chapo"
SPIEGEL: Herr Kudla, in einem Interview mit Sean Penn sagte der Drogenboss Joaquín Guzmán, er habe für seine Tunnelflucht aus dem Gefängnis seine Ingenieure 2015 für drei Monate nach Deutschland geschickt, um bei Tunnelbauexperten wie Ihnen eine Fortbildung zu machen. Haben Sie etwas mit der Flucht zu tun?
Kudla: Natürlich nicht. Ich bitte Sie! Aber es freut mich zu hören, dass der deutsche Diplomingenieur im Tunnelbau so anerkannt ist, dass sein Ruf bis in die unseriöse Gesellschaft Mexikos vorgedrungen ist.
SPIEGEL: Wirklich keine mexikanischen Austauschstudenten im Kurs gehabt?
Kudla: Portugiesen, Marokkaner, Brasilianer. Aber keine Mexikaner.
SPIEGEL: Der Tunnel war 1,5 Kilometer lang, zehn Meter unter der Erde und endete dennoch exakt unter der Dusche von Guzmán. Deutsche Präzisionsarbeit?
Kudla: Jedenfalls ist Deutschland weltweit bekannt für seine Tunnelbautechnik. Wir haben hier einige der global führenden Tunnelbaufirmen.
SPIEGEL: Was kostet eine dreimonatige Fortbildung bei einem Tunnelbauexperten in Deutschland?
Kudla: An der Universität kosten spezielle Tunnelbaufortbildungsveranstaltungen am Tag zwischen 700 und 1400 Euro pro Person. Wenn Guzmáns Jungs aber ein Semester lang, also drei Monate, eine Tunnelbauvorlesung besucht haben, war es gratis.
SPIEGEL: Guzmáns Tunnel war mit elektrischem Licht, einem Belüftungssystem und einem Motorrad auf Schienen ausgestattet. Wen braucht es, um einen so hochprofessionellen Tunnel zu bauen?
Kudla: Sie benötigen Mineure, die das Gestein ausheben; Vermessungsingenieure; Logistiker. Und Geologen, die den Boden beurteilen.
SPIEGEL: Hätten Sie es mit Ihrem Know-how auch geschafft, Guzmán aus dem Gefängnis zu befreien?
Kudla: Die Antwort ist jetzt nicht so leicht.
SPIEGEL: Keine falsche Bescheidenheit.
Kudla: Prinzipiell ja – meine Auftraggeber sind aber durchgehend seriöser.
Von Red

DER SPIEGEL 3/2016
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