16.01.2016

Handball„Das System ist gescheitert“

Frank Bohmann, 51, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga, über die finanzielle Not beim HSV Handball
SPIEGEL: Der HSV gewann 2013 die Champions League. Nun musste der Klub einen Antrag auf Insolvenz stellen, es droht der Verlust der Lizenz. Ist der Verein an seiner Großmannssucht gescheitert?
Bohmann: Der HSV Handball ist für den Erfolg ein erhebliches unternehmerisches Risiko eingegangen, deshalb waren die Kosten nicht mehr refinanzierbar. Die Rechnung ist bisher nicht aufgegangen.
SPIEGEL: Dem HSV waren die finanziellen Schwierigkeiten seit Jahren bewusst, trotzdem sind niemandem ernsthafte Lösungen gelungen.
Bohmann: Schon 2014 hat der HSV deshalb keine Lizenz von der Liga erhalten. Er hat sich diese vor dem Schiedsgericht erstritten. Im Vergabeverfahren für die laufende Saison erhielt der HSV strenge Auflagen und musste eine hohe Sicherheit beibringen.
SPIEGEL: Waren die Kontrollinstanzen der Bundesliga zu nachlässig?
Bohmann: Im Gegenteil. Unsere Kontrollinstanzen haben gegriffen.
SPIEGEL: Der HSV wurde durch das Privatvermögen seines Mäzens Andreas Rudolph, der seit 2005 bis zu 50 Millionen Euro in den Verein gepumpt haben soll, am Leben gehalten. Eine zu große Abhängigkeit?
Bohmann: Es ist dem Management nicht gelungen, neben Andreas Rudolph weitere große Partner nachhaltig zu gewinnen. Das bestehende System ist gescheitert.
SPIEGEL: Was bedeutet es für die Bundesliga, wenn der HSV keine Lizenz für die kommende Saison erhielte?
Bohmann: Das würden wir bedauern. Wir wollen einen starken HSV. Fakt ist aber: Die Basis der Bundesliga sind wirtschaftlich gesunde Klubs. Deswegen gelten die Regeln für alle Mitglieder. Die übrigen 17 Vereine sind bei steigenden Umsätzen, Zuschauerzahlen und TV-Reichweiten sehr gut aufgestellt.
Von Rab

DER SPIEGEL 3/2016
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