16.01.2016

PersonalienBenebelt

War es clever von Hollywoodstar Sean Penn, 55, ausgerechnet Mexikos berüchtigtsten Drogenhändler Joaquín Guzmán, 58, Spitzname "El Chapo" ("Der Kurze"), zum Interview zu treffen? Ermittler behaupten, Penns Audienz in einem Versteck Guzmáns habe dazu beigetragen, den Chef des mächtigen Sinaloa-Kartells aufzuspüren und am 8. Januar zu verhaften. Ob sich das Kartell nun an Penn rächen will, ist unklar. Sicher ist dagegen, dass der zweifache Oscarpreisträger mit der Aktion seinen Ruf beschädigt hat. Denn der Artikel, den er für die Zeitschrift "Rolling Stone" über El Chapo verfasste, wirkt nicht nur wie die peinliche Verklärung eines Gangsters. Penns Text ist auch ein unfreiwillig komisches Selbstporträt, das Psychogramm eines Narziss. Er beschreibt zum Beispiel, wie er beim Pinkeln über seinen Penis nachdenkt ("dick in hand"), an dem sich Guzmáns Leute mit Messern vergehen könnten. Sogar die Beschaffenheit eines Furzes, der ihm nach einigen Gläsern Tequila in Guzmáns Gegenwart entwichen war, schildert Penn mit einer Detailfreude, als handelte es sich dabei um eine Parfumwolke: "ein feiner Nebel". Vielleicht hätte er sich an einem echten Journalisten ein Beispiel nehmen sollen: Patrick Radden Keefe, Reporter beim Magazin "The New Yorker", war 2014 von einem Guzmán-Anwalt gefragt worden, ob er dem Gangsterboss beim Verfassen seiner Autobiografie helfen wolle. Keefe lehnte ab, "so taktvoll wie möglich".
Von Mwo

DER SPIEGEL 3/2016
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