16.01.2016

BriefeNie da gewesener Affront

Nr. 2/2016 Auf der Kippe – Wie die Silvesternacht Deutschland verändert
"Es ist gleichermaßen naiv und dumm, alle Flüchtlinge als Heilige einzustufen, wie sie alle als Bösewichter zu denunzieren. Was tun? Ganz einfach: nicht in der einen oder anderen Weise naiv sein und die schlimmen Finger auf schnellstem Wege loswerden." Franz Joachim Sahm, Elmshorn (Schl.-Holst.)
Nicht die Silvesternacht verändert Deutschland, sondern die unverantwortliche, realitätsferne und halsstarrige merkelsche Flüchtlingspolitik. Die Konzeptionslosigkeit dieser höchst kostenintensiven Politik vor dem Hintergrund einer allerorts spürbaren Mangelverwaltung in zahlreichen öffentlichen Bereichen hat auch in der Flüchtlingsfrage grundsätzlich wohlmeinende Bürger in die vermeintlich "rechte Ecke" getrieben, weil sie sich von den etablierten Parteien nicht mehr ernst genommen fühlen.
Günther Zeipelt, Fuldabrück (Hessen)
Wo kommen wir hin, wenn sich tausend Männer versammeln und gezielt Frauen angreifen, betatschen und bestehlen? Die Polizei ist machtlos und wird zudem noch von den Agitatoren verlacht. Ich bin ehrenamtlich tätig und versuche so, zur Integration der Flüchtlinge beizutragen. Und es funktioniert. Damit dies so bleibt, müssen Migranten, die straffällig werden, sofort ausgewiesen / abgeschoben werden, und zwar egal, was sie in ihrem Heimatland erwartet. Andernfalls wird die Stimmung in unserem Land schneller kippen, als es uns allen lieb ist.
Britta McLeod, Affalterbach (Bad.-Württ.)
Sozialisation ist ein Prozess von Kindheit an über viele Jahre, er übermittelt Verhaltensweisen, Werthaltungen und Traditionen, die die Persönlichkeit prägen und nicht einmal eben in einer neuen Umgebung abgelegt werden können. Wenn überhaupt, müsste der Kontakt zur ursprünglichen sozialen Bezugsgruppe abgebrochen werden – nur dann bestehen Chancen, so fundamental andere Orientierungen aufzubauen, wie wir sie in Europa einfordern wollen. Wie man aber überall erkennen kann, sind die Migranten dazu nicht bereit, sondern sie suchen vorwiegend den Kontakt zu ihren Landsleuten.
Beate Maier, Steinheim (Bad.-Württ.)
Wir schaffen das nicht, weil trotz besseren Wissens nichts getan wird für die Integration. Gebt den Migranten die Möglichkeit zur Arbeit! Gebt ihnen Unterricht in Deutsch, Landeskunde, Politik, von Anfang an! Beschleunigt die Asylverfahren! Je länger sie in den Heimen sind, desto größer die Probleme.
Susanne Keuter, Berlin
Der Staat ist nicht "auf der Kippe", sondern schon länger gekippt; neu an Köln ist doch nur, dass der Kontrollverlust nun so eklatant geworden ist, dass er sich nicht mehr länger vertuschen lässt: Die Kaiserin steht ohne Kleider da.
Kai Rohrbacher, Hünenberg (Schweiz)
Es handelt sich um eine für Westeuropa neue Form massenhafter Kriminalität, die aus dem arabischen Raum längst bekannt ist – mit "Antanzen" hatte das nichts zu tun. Die Polizei ist in den letzten 15 Jahren um fast 20 000 Stellen heruntergekürzt worden und wird jetzt von der politischen Klasse zum Sündenbock gemacht.
Dr. Hans-Joachim Eberhard, Gütersloh
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Praxis von Verfahrenseinstellungen, richterlichen Ermahnungen und Verwarnungen oder gar die mehrmalige Bewährungsverlängerung nur zu immer stärkerer und aggressiverer Täterschaft geführt hat. Die Polizei ist da machtlos und – natürlich – frustriert, wenn Täter ihr nach der Festnahme und justiziellen Entlassung fröhlich winkend entgegenlaufen. Auch haben viele unserer Täter überhaupt keine Angst vor dem laxen Regelvollzug.
Johannes Küper, Polizeibeamter a. D., Schöppingen (NRW)
Mit ihrer Kritik an "falscher Toleranz hierzulande" spreche Alice Schwarzer die Sprache jener, die meinen, dass sexuelle Gewalt "ein eingewandertes Problem" sei, die "Folge gescheiterter Integration", schreiben Sie. Die jungen Feministinnen hingegen wüssten, dass Gewalt gegen Frauen ein gesamtgesellschaftliches Problem sei. Spiegel, geht's noch? Die ersten Hefte der "Emma" waren dem Thema Gewalt gegen Frauen gewidmet. Es war die Zeit der Gründungen von Frauenhäusern, in die Frauen vor häuslicher Gewalt flüchteten. Schwarzer schrieb ausführlich darüber, und die Täter, die sie im Visier hatte, waren gute Deutsche, Ihre und meine Opas, Väter, Onkel, Brüder. Die Sache mit dem "gesamtgesellschaftlichen Problem" war längst klar, bevor die "jungen Feministinnen" überhaupt geboren waren.
Barbara Sichtermann, Autorin, Berlin
Nach dem Jahr der Willkommenskultur mangelt es an der Ankommenskultur. Der Vergleich mit ähnlichen Vorkommnissen beim Oktoberfest hinkt: Der Bahnhof in Köln ist keine Großdisco und kein Bierzelt, er ist öffentlicher Raum. Insofern ist diese Nacht ein nie da gewesener Affront.
Gabriele Jakob-Stoffel, Weinheim (Bad.-Württ.)
Die Ereignisse in Köln und anderen Städten verheißen nichts Gutes. Unsere Brüder in Allah haben sich nicht geändert, das Frauenbild entspricht nicht gerade dem unseren. Ich kenne es nur zu gut. Bei Einbruch der Dunkelheit konnte ich in den Ländern, in denen ich gelebt habe, nicht mehr auf der Straße sein. Da werden so manche Gutmenschen hier noch Aha-Erlebnisse haben. Und wie reagiert die politische Führung auf die Eskalation? Hilflos.
Mertje Petersen, Minden
Köln könnte sich im Rahmen des noch Möglichen auch als Chance einer Wende zum Guten erweisen – indem es alle in Politik und öffentlicher Meinung für den demokratischen Rechtsstaat Verantwortung Tragenden endlich zwingt, einen Grundkonsens über den Zusammenhang zwischen Migration und innerer Sicherheit zu entwickeln, darüber eine offene und sachliche Debatte zuzulassen und somit dem Polarisierungsdruck von rechts und links außen entgegenzuwirken.
Henriette Eckendorf, Hargarten (Rhld.-Pf.)
Differenzierung und Besonnenheit wären die Gebote der Stunde, aber diese Erwartungshaltung scheint naiv zu sein, denn die sexuelle Gewalt gegen Frauen in Köln und anderswo dürfte die Initialzündung gewesen sein, die wohl nicht nur von rechten Kreisen herbeigesehnt wurde, damit die ungemütliche Stimmung weiter aufgeheizt werden kann. Leidtragende werden integrationswillige Flüchtlinge sein, aber auch Leute mit Migrationsgeschichte, die seit Jahren hier leben und ohne die unser Gemeinwesen nicht mehr funktionieren würde. Letztlich dürften auch die vorbildlich Engagierten nun wohl endgültig als naive Gutmenschen abgestempelt werden.
Günter Pesler, Baesweiler (NRW)

DER SPIEGEL 3/2016
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