13.02.2016

So gesehenSendung mit der Maus

Beatrix von Storch will nicht mehr schießen.
Das mit den Schusswaffen war gar nicht so gemeint, behauptet Beatrix von Storch. Für solche Fälle gibt es in der Politik eine gängige Formel – Politiker benutzen sie, wenn sie etwas gesagt haben, was sie hinterher nicht gesagt haben wollen: "Da bin ich missverstanden worden." Besonders beliebt ist diese Ausrede nach verunglückten Hitler-Vergleichen. Die AfD-Frau hat diese beliebte Formel nicht benutzt, sie fühlte sich nicht missverstanden. Wie auch? Auf die Frage, ob an der deutschen Grenze auf Frauen und Kinder geschossen werden soll, hatte sie bei Facebook mit einem knappen "Ja" geantwortet. Da ist der Interpretationsspielraum extrem gering. Also kein Missverständnis, sondern ein Versehen, ein "technischer Fehler", abgerutscht sei sie auf der Computermaus. So viel Pech muss man erst mal haben: Erst aufs J gefallen, dann aufs A und dann noch auf "Senden". Im Vergleich wirkt Storchs andere schöne Geschichte, wonach Angela Merkel bald nach Chile flüchten wird, ziemlich glaubwürdig. Statt um einen technischen Fehler scheint es sich eher um menschliches Versagen zu handeln. Wer eine so dummdreiste Ausrede bemüht, will gar nicht, dass man sie glaubt. Der tut nur so, als ob er sich distanziert. Denn so versteht jeder: Das war kein Mausrutscher. Storch musste also noch mal nachbessern, sich entschuldigen, einen Fehler eingestehen. Und noch eins drauflegen: nicht schießen, sagt sie jetzt, noch nicht mal "auf Männer". So ist es brav.
Von Christiane Hoffmann

DER SPIEGEL 7/2016
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