13.02.2016

Früher war alles schlechterGuinea-Wurm

Der Guineawurm ist weg – beinahe. Zweiundzwanzig: Das ist die Zahl der weltweit registrierten Fälle der Guineawurm-Krankheit im Jahr 2015. In den Achtzigerjahren waren es noch geschätzte 3,5 Millionen. Das Tier peinigt den Menschen seit Jahrtausenden. Dracunculus medinensis, so der wissenschaftliche Name, ist in ägyptischen Mumien nachgewiesen worden, und es gibt die Theorie, dass auch das Alte Testament von ihm spricht: "Da sandte der Herr feurige Schlangen unter das Volk" (4. Mose 21,6). Aber der Herr hatte nicht mit Jimmy Carter gerechnet, einst US-Präsident, der mit seiner Stiftung 1986 den Kampf gegen den Parasiten aufnahm – mit Aufklärungsarbeit, mit Chemikalien und mit Wasserfiltern. Denn der Wurm gelangt über unreines Trinkwasser in den Körper, wächst zu Meterlänge an, kriecht monatelang zwischen Knochen und Muskeln durch und tritt schließlich meist am Fuß wieder aus. Nur selten sterben Befallene, aber die Schmerzen sind extrem. Guineawürmer werden entfernt, indem man das Tier langsam herauszieht und auf ein Holzstäbchen wickelt, Zentimeter um Zentimeter, was Wochen dauern kann. Nun ist die Krankheit in nur drei Dekaden um "mehr als 99,99 Prozent reduziert worden", sagt die Carter-Stiftung. Bald sind die feurigen Schlangen hinweggefegt vom Angesicht der Erde.
Von Guido Mingels

DER SPIEGEL 7/2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


DER SPIEGEL 7/2016
Titelbild
Der digitale SPIEGEL
Diese Ausgabe jetzt digital lesen

Die digitale Welt der Nachrichten. Mit interaktiven Grafiken, spannenden Videos und beeindruckenden 3-D-Modellen.
Sie lesen die neue Ausgabe noch vor Erscheinen der Print-Ausgabe, schon freitags ab 18 Uhr.
Einmal anmelden, auf jedem Gerät lesen - auch offline. Optimiert für Windows 8, Android, iPad, iPhone, Kindle Fire, BlackBerry Z10 sowie für PC/Mac.

Abo-Angebote

Den SPIEGEL lesen oder verschenken und Vorteile sichern!

Jetzt Abo sichern
Ältere SPIEGEL-Ausgaben

Kostenloses Archiv:
Stöbern Sie im kompletten SPIEGEL-Archiv seit
1947 – bis auf die vergangenen zwölf Monate kostenlos für Sie.

Wollen Sie ältere SPIEGEL-Ausgaben bestellen?
Hier erhalten Sie Ausgaben, die älter als drei Jahre sind.

Artikel als PDF
Artikel als PDF ansehen

Früher war alles schlechter:
Guinea-Wurm

  • Der Mordfall Lübcke: Spurensuche im braunen Netzwerk
  • Hitze in Deutschland: Hier kommt die virtuelle Abkühlung
  • Super-Sandburg in Thailand: Gib mir die Hand, ich bau dir...
  • Schluss mit Dampfen: San Francisco verbietet E-Zigaretten