13.02.2016

Nachgehakt„Was tun bei einem Hungerstreik?“

Joe Bausch, 62, ist Gefängnisarzt in Werl.
SPIEGEL: Michael Heckhoff, einer der gefährlichsten Geiselgangster Deutschlands, ist im Gefängnis Bochum in den Hungerstreik getreten. Was macht da ein Gefängnisarzt?
Bausch: Die Häftlinge werden gewogen, und der Arzt schaut alle ein, zwei Tage bei ihnen vorbei. Man kann bis zu 60 Tage hungern, das wissen wir von den RAF-Gefangenen. Die ersten zehn, zwölf Tage sind schlimm, danach geht es. Gefährlich wird es, wenn sie nicht mehr trinken, das hält ein Mensch nur fünf, sechs Tage aus.
SPIEGEL: Wann handeln Sie?
Bausch: Wenn akute Lebensgefahr besteht. Und die kann man riechen. Als Folge der Stoffwechselveränderung riechen diese Menschen stark nach Aceton.
SPIEGEL: Wie greifen Sie ein?
Bausch: Ein zweiter Arzt muss die lebensbedrohliche Situation bestätigen, dann würden wir über eine Magensonde künstlich ernähren. In meinen 29 Jahren als Gefängnisarzt konnte ich meine Patienten aber immer überzeugen, wieder zu essen.
SPIEGEL: Warum treten Häftlinge in den Hungerstreik?
Bausch: Das ist meistens ein Machtkampf. Es geht um Vergünstigungen, bessere Zellen, mehr Kontakt mit anderen Häftlingen. Heckhoff ist ein gefährlicher Mann, der das Personal für sich einnehmen kann. So kam es 2009 zur Geiselnahme und Flucht. Darum wird er jetzt alle paar Monate verlegt. Das ist nervig. Aber vor Jahren hat er bereits einen Hungerstreik abgebrochen.
Von Bas

DER SPIEGEL 7/2016
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