13.02.2016

KommentarBochumer Theatermurks

Trägt Johan Simons' Konzept fürs Schauspielhaus?
Die spezielle Theaterbegeisterung der Bürger Bochums hat der Regisseur Peter Zadek mal so beschrieben: "Die Leute jubelten. Es war fast egal, was wir ihnen auf der Bühne zeigten." Tatsächlich wird Bochum von vielen Kulturmenschen aus anderen Gegenden der Welt bis heute bewundert für das leidenschaftliche Interesse, das die Menschen dort den Darbietungen im Schauspielhaus entgegenbringen. Nun haben die Bochumer Kulturpolitiker einen Coup verkündet: Der 69-jährige Niederländer Johan Simons, ein international hoch respektierter Theatermacher, wird im Herbst 2018 die Intendanz übernehmen. Simons, Exchef der Münchner Kammerspiele und noch bis 2017 Intendant des renommierten Musik- und Theaterfestivals Ruhrtriennale, ist eine überraschende Wahl – und überraschend ist auch seine Ankündigung, das Bochumer Theater in ein internationales "Haus der Kulturen" zu verwandeln. Konkret plant Simons einen regelmäßigen Austausch von Bühnenarbeiten und Schauspielern mit den Theatern in Rotterdam und Gent – in beiden Häusern wird er gleichfalls Führungsaufgaben bekleiden. Drei Bühnen kooperieren, während ein und derselbe Mann die Strippen zieht: Das ist ein unter finanziellen Aspekten verheißungsvolles Modell, das Sparpolitiker freut. Künstlerisch ist es eine Absage an die Einzigartigkeit des Theaterstandorts Bochum. Er sei ein Mann mit einem "europäischen, mondialen Blick", sagt Simons. Mit seiner Kür haben Bochums Politiker den Mythos vom ganz besonderen Theatergeist ihrer Stadt kaltblütig abgemurkst.
Von Wolfgang Höbel

DER SPIEGEL 7/2016
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