18.08.1980

Schmidts Eckpfeiler

Außenminister Hans-Dietrich Genscher ist verärgert über die Einmischung des Kanzlers in innere Angelegenheiten der FDP. Helmut Schmidt hatte letzte Woche in einem Interview erklärt, er sähe im Falle eines sozialliberalen Wahlsiegs "überhaupt keinen Grund, an den personalen Eckpfeilern dieses Kabinetts etwas zu ändern", soweit sie sich "bewährt" hätten. Von der FDP erwähnte er dabei außer Genscher nur Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, nicht aber Innenminister Gerhart Baum. Intern mokierte der FDP-Chef sich über diese indirekte Zensurenverteilung. Der Kanzler müsse, solange er die absolute Mehrheit nicht habe, die Auswahl ihrer Minister schon der FDP überlassen. Als besonders brüskierend empfanden es die Freidemokraten, daß Schmidt den Innenminister unerwähnt ließ. Taktiker Genscher sah darin eine willkommene Gelegenheit, Kanzler und Genossen eins auszuwischen und zugleich den Eindruck zu korrigieren, er setze im Wahlkampf nur auf den konservativen Lambsdorff (SPIEGEL 33/1980). Nach neuerlichen Angriffen der Union gegen das vermeintliche "Sicherheitsrisiko" Baum ernannte er den Innenminister kurzerhand zum "rechtsstaatlichen Gewissen der Bundesregierung".

DER SPIEGEL 34/1980
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