18.08.1980

„Wobbler“ gegen RAF-Bomben?

Elektronisch gesteuerte Sprengstoffanschläge, wie sie das BKA nach den Funden in der Pariser Terroristenwohnung für möglich hält, lassen sich mit technischen Mitteln vereiteln -- so Siegfried Franz Hübner, 56, international renommierter Fachmann für Waffen- und Munitionsentwicklung. hauptberuflich Ingenieur beim Süddeutschen Rundfunk.
Ein Störgerät, von Fachleuten "Wobbler" genannt, gibt es bereits: Das SMLU-Gerät des Herstellers Rohde & Schwarz erfaßt Frequenzen von 25 bis 1000 Megahertz und damit alle Bereiche, "die zur Fernsteuerung von Bomben in Frage kommen", so Hübner. Mit Sprengstoff beladene Modellflugzeuge könnten mit dem Störsender "außer Kurs gebracht", eine Bombe könnte nicht mehr gezündet werden, weil die Steuerimpulse der Absender von moduliertem "Rauschen" überdeckt wären.
Freilich müßte dann auch in die Wagen aller besonders gefährdeten Personen, vom Bundeskanzler bis zum Generalbundesanwalt, ein derartiger "gewobbelter" Sender (von engl. to wobble = flattern) mit Batteriebetrieb und Rundstrahlantenne eingebaut werden. "Dann würden", weiß Experte Hübner, "alle in einem Umkreis von einigen hundert Metern vorhandenen Funkfernsteuerempfänger für Bomben lahmgelegt."
Störsender gegen Terrorangriffe müßten allerdings rund um die Uhr in Betrieb sein. Und die Bundespost, deren formelle Erlaubnis für solche Anlagen erforderlich ist, müßte zwei Nachteile hinnehmen: Legale Funkfrequenzdienste könnten je nach Fahrstrecke des Prominentenautos zeitweilig ebenso gestört werden wie Modellflugsportler.
Sender-Experte Hübner empfiehlt als probates Mittel gegen "fliegende Minibomber und versteckte Riesenbomben" einen sogenannten Leistungswobbler, einen Störsender, der "breitbandig" einen ganzen Frequenzbereich abtasten und kodierte Steuersignale erfassen kann.

DER SPIEGEL 34/1980
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