20.02.2016

KommentarUnternehmerischer Ungehorsam

Warum Apple sich mit der US-Regierung und dem FBI anlegt
Der lange Brief, den Tim Cook diese Woche an seine Kunden schrieb, enthielt vor allem eine knappe Botschaft an die eigene Regierung: Jetzt reicht's. Der Apple-Chef argumentierte, dass US-Sicherheitsbehörden vorhätten, das Leben aller iPhone-Nutzer künftig unsicherer zu machen, und versprach: "Wir setzen uns dagegen zur Wehr." Zuvor hatte eine US-Richterin angeordnet, Apple müsse dem FBI dabei "assistieren", das iPhone des Attentäters von San Bernadino zu knacken. Der Konzern soll dafür sogar eine Spezialversion seines Betriebssystems programmieren. Cooks öffentliche Absage ist ein besonderer Fall von unternehmerischem Ungehorsam. Sein Wille zur Konfrontation erklärt sich damit, dass die jüngste Anordnung nur die Spitze einer langen Kontroverse ist. Die letzte Welle hatten die Enthüllungen von Edward Snowden ausgelöst. Als die Tech-Giganten aus dem Silicon Valley erfuhren, dass Behörden wie die NSA sich in ihre Systeme hackten, um an Kundendaten zu kommen, führten Firmen wie Apple, Google und WhatsApp neue Verschlüsselungsmechanismen ein. Die Chefs von Geheimdiensten klagen seither, ihre Überwachungssysteme würden zunehmend "blind". Ihr impliziter Vorwurf an Apple & Co. ist so plump wie heftig: Ihr unterstützt Terroristen. Cook kontert mit Argumenten, die IT-Experten seit Jahren anführen: Eine Hintertür für ein iPhone wäre eine Hintertür für alle – und eine staatlich verordnete Sicherheitslücke. Google und WhatsApp pflichteten ihm schon bei. Natürlich fürchten die Tech-Giganten auch Wettbewerbsnachteile und wollen mit ihrem Widerstand bei Kunden punkten. Doch in diesem Kryptokrieg vertreten Cook & Co. mit ihrer harten Haltung nicht nur Konzerninteressen, sondern auch Bürgerrechte.
Von Marcel Rosenbach

DER SPIEGEL 8/2016
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