20.02.2016

AnalyseOptimale Gegner

Ein Strafverfahren gegen Nicolas Sarkozy kommt Frankreichs Präsident Hollande ungelegen.
Wäre Nicolas Sarkozy nicht Nicolas Sarkozy, man könnte ihn wohl einfach abschreiben. Als Präsident wurde er 2012 nach einer Amtszeit abgewählt; er galt so lange als unbeliebtestes Staatsoberhaupt der Fünften Republik, bis ein anderer das Meisterwerk fertigbrachte, ihm diesen Rang abzulaufen: sein Nachfolger François Hollande. Es dauerte eine Weile, bis die Franzosen merkten, dass der Sozialist Hollande, vom Wesen her Sarkozys Gegenpol – eher bräsig als hyperaktiv, eher Fielmann als Ray-Ban –, deshalb nicht automatisch einen guten Präsidenten abgeben muss.
Mittlerweile haben sich die Umfragewerte für beide, für Hollande und Sarkozy, bei etwa 80 Prozent eingependelt. Und zwar bei 80 Prozent Ablehnung: Mehr als drei Viertel der Franzosen wollen weder den amtierenden noch den früheren Präsidenten 2017 antreten sehen. Daran haben sich die beiden bisher aber nicht gestört, unverhohlen verfolgten sie ihre Ambitionen. Jeder für sich überzeugt davon, dass der jeweils andere den optimalen, weil sicher zu besiegenden Widersacher darstellt.
Nun wurde ein Strafverfahren gegen Sarkozy eröffnet. Der Vorwurf: illegale Wahlkampffinanzierung. Und es kann sein, dass damit die Karten neu gemischt werden. Für eine Kandidatur muss Sarkozy im Herbst die Vorwahlen seiner konservativen Partei gewinnen; ein Strafverfahren stört da beträchtlich.
Die Freude über Sarkozys Ungemach dürfte bei Hollande aber äußerst verhalten ausfallen: Wenn Sarkozy scheitert, müsste Hollande nämlich wohl gegen den bei den Franzosen viel beliebteren Alain Juppé antreten. Juppé, 70, Gaullist, früherer Premier und mehrfacher Minister, ist laut Umfragen chancenreicher als Hollande. Und seine Verurteilung wegen einer Affäre um, genau, illegale Parteienfinanzierung liegt mehr als ein Jahrzehnt zurück.
Von Julia Amalia Heyer

DER SPIEGEL 8/2016
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