20.02.2016

PopAnti-Putin-Superstar

In Los Angeles arbeitet die russische Künstlerin und Aktivistin Nadja Tolokonnikowa an einem Leben nach Pussy Riot.
Elf Uhr vormittags auf dem Hollywood Boulevard in Los Angeles. Selbst hier, wo die Namen der großen Stars in den Boden des Gehwegs eingelassen sind und die Frauen der Studiobosse in offenen Bentleys herumfahren, drehen sich die Menschen nach Nadeschda, genannt Nadja, Tolokonnikowa um.

Die Familie, die an einer Ampel steht, der Straßenarbeiter, der gerade Pause macht, das Touristenpaar, das ein Café sucht: Alle schauen Tolokonnikowa mit diesem Die-kenn-ich-doch-Blick an.
Sie hat ihre Augenlider gelb und türkis geschminkt, passend zu den gelben Fingernägeln und der türkisfarbenen Haarsträhne, die sie in ihrem schwarzen Schopf trägt. Es sieht unmöglich aus und gleichzeitig großartig. Auf dem Rücken ihres T-Shirts sind die Comicfiguren Linus, Lucy und Charlie Brown zu sehen. Sie haben eine Strumpfmaske über dem Kopf. Die Peanuts-Version von Pussy Riot.
Als das schöne Gesicht dieser russischen Punkband war Nadja Tolokonnikowa vor fast vier Jahren einen Augenblick lang weltberühmt. Sie war die Frau, die für eine Kunstaktion ins Straflager gesteckt wurde. Das Mädchen im Glaskäfig eines Moskauer Gerichts. Die Frau, die sich in ihrer Verteidigungsrede auf die Freiheit der Kunst berief und sich mit Solschenizyn und Dostojewski in eine Reihe stellte.
Aber was nun? Wie geht es weiter?
Als die Sowjetunion noch existierte, gab es für Leute wie Tolokonnikowa einen vorgezeichneten Weg: die Ausreise in den Westen und ein Leben als Mahner gegen den Totalitarismus. Diese Zeiten sind vorbei, den Systemgegensatz, der dies möglich machte, gibt es nicht mehr. Die alten Dissidenten traten auch nicht mit Strumpfmaske über dem Kopf in russischen Kirchen auf wie Pussy Riot – und die Sowjetunion war nicht an die weltweiten Medien- und Kommunikationsnetzwerke angeschlossen.
All das ist heute anders. Abgesehen davon will Nadja Tolokonnikowa auch gar nicht im Westen bleiben. Ihren Plan, Russland zu verändern, hat sie nicht aufgegeben. Es ist nur nicht mehr der einzige Plan. Deshalb ist sie in Los Angeles. Tolokonnikowa ist hier, um eine Platte aufzunehmen.
Eine Popplatte soll es werden, mit englischen Lyrics. Dafür arbeitet sie mit verschiedenen Produzenten zusammen, große Namen sind darunter. Die Songs sollen das haben, was man in der Musikindustrie Crossover-Potenzial nennt. Eine richtige Platte: das, was Pussy Riot nie gemacht haben – aller Berühmtheit zum Trotz gibt es bis heute keine Platte und keinen Download von ihnen zu kaufen.
Tolokonnikowa hat außerdem ein Buch geschrieben, "Anleitung für eine Revolution"(*). Es geht um ihre Zeit im Straflager, um Feminismus, Aktionskunst und ihre Hoffnung auf ein anderes Russland und eine bessere Welt. Es erscheint erst einmal nur auf Deutsch. Danach auf Französisch.
Und sie hat gerade einen Videoclip veröffentlicht, "Tschaika" heißt er, es geht um Wladimir Putin als korrupt geltenden Generalstaatsanwalt Jurij Tschaika und ist ein Frontalangriff auf das russische Regime. Der Song beschreibt ein Land, in dem die Elite straflos plündern und morden kann. Das Lied ist auf Russisch, das Publikum in Russland. Auch deshalb ist es bestimmt keine schlechte Idee, für ein paar Wochen das Land zu verlassen: Tolokonnikowa ist in Russland schon auf der Straße angegriffen worden. In Amerika dagegen fühlt sie sich sicher.
Sie möchte nach Chinatown, um dort etwas zu essen.
Die Ironie sehe sie durchaus, sagt sie im Auto, dass sie, die Kapitalismuskritikerin, die aus dem Straflager einen Briefwechsel mit dem linken slowenischen Philosophen Slavoj Žižek geführt hat, den Putinismus ausgerechnet gegen die USA eingetauscht hat.
"Ich wohne aber in keinem teuren Hotel, ich lebe nicht das Leben der reichen Kapitalisten", sagt sie. "Ich sehe die Probleme der USA, die Obdachlosen, die mangelnde Gesundheitsversorgung, die Verteilung des Wohlstands. Ich habe Gefängnisse besucht. Ich unterstütze Bernie Sanders. Was soll ich noch machen?"
Das Gespräch kommt auf Pussy Riot. "Natürlich öffnet mir meine Vergangenheit eine Menge Türen. Leute wollen mit mir zusammenarbeiten, weil sie Pussy Riot kennen und das Anliegen wichtig finden", sagt sie.
"Aber Pussy Riot war inspiriert vom Arabischen Frühling. Wir waren Teil des Überschwangs der Proteste gegen Putins Wiederwahl. Und jetzt? Die Wirtschaftskrise in Russland. Die Menschen verarmen. Die Kriege in der Ukraine und in Syrien. Hunderttausende Menschen sind gestorben, Millionen vertrieben worden. Wir leben in einer anderen Zeit."
Tolokonnikowa kommt aus Norilsk, einer Bergbaustadt in Westsibirien. In der Stalinzeit gab es dort vor allem zwei Gruppen von Menschen: die Häftlinge des Gulag und die Aufseher. Tolokonnikowas Großvater war Aufseher. Ihr Vater wiederum ein Rebell, der, als seine Tochter klein war, die Familie verließ und nach Moskau ging. Nadja folgte ihm, als sie 16 Jahre alt wurde. Sie ging, um in Moskau Philosophie zu studieren.
Dort lernte sie ihren Mann Pjotr kennen, der Teil von Woina ("Krieg") war, einer radikalen Performance-Kunst-Gruppe. Für ihre wohl bekannteste Aktion trafen sich die Mitglieder zum regierungskritischen Sex im Biologischen Museum von Moskau. Aus Woina entstand Pussy Riot. Um sich der Übermacht der Männer zu entledigen, die die Moskauer Avantgardekunst-Szene dominierten, aber auch um ein fröhliches Widerstandsprojekt zu starten.
Am Anfang war Pussy Riot nur eine Behauptung: Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch, die später ebenfalls für den Auftritt in der Kirche angeklagt wurde (aber nur eine Bewährungsstrafe bekam), sollten bei einem Oppositionstreffen einen Vortrag über die Riot-Grrrls-Bewegung, den aggressiven US-amerikanischen Punk-Feminismus der Neunziger, halten. Sie merkten, dass es in Russland nichts Entsprechendes gab. Also dachten sie sich Pussy Riot aus und nahmen am Abend vor dem Vortrag den ersten Song auf.
Tatsächlich gab es nur ein paar Pussy-Riot-Aktionen. Sie waren sorgfältig vorbereitet und liefen immer gleich ab: Eine Gruppe junger Frauen in bunten Kleidern und mit bunter Strickmaske über dem Kopf stürmte einen öffentlichen Ort, oft Baugerüste, baute blitzschnell eine Musikanlage auf, spielte ein putinkritisches Lied, packte zusammen und verschwand wieder. Immer illegal und unangemeldet. Man kann sich die Aufzeichnungen der Aktionen im Internet anschauen, alle zusammen sind nicht länger als ein paar Minuten. Zeitweilig hatte das Kollektiv ein Dutzend Mitglieder.
Außerhalb Moskaus bekam kaum jemand etwas davon mit. Berühmt wurden Pussy Riot erst, als alles vorbei war. Mit dem Prozess, der auf ihre letzte Aktion folgte, das sogenannte Punk-Gebet in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale. Und wahrscheinlich war dieser Prozess auch der größte Moment von Pussy Riot. Drei junge Frauen gegen einen korrupten Staat. Nicht mal die kommunistische Vergangenheit war vor ihnen sicher – zur Urteilsverkündung kam Nadja Tolokonnikowa in einem blauen T-Shirt, auf dem "No Pasarán" geschrieben stand, die alte Antifaschistenparole aus dem Spanischen Bürgerkrieg, und sie reckte die Faust zum kommunistischen Gruß.
Dann kam sie ins Lager.
Es hat etwas Surreales, auf der Terrasse eines chinesischen Restaurants in der kalifornischen Sonne über ein russisches Straflager zu sprechen. Über die Zwangsarbeit, über Tausende Polizeihosen, die Tolokonnikowa an einer Maschine nähen musste, die immer wieder kaputtging und für die es keine Ersatzteile gab, über die Herrschaft des allumfassenden Reglements, die Kälte, die Disziplin.
"Ich habe im Lager gelernt, mich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren", sagt sie.
Nichts hatte sie allerdings auf den Wirbelwind vorbereitet, der sie in den Monaten danach durch die Welt trug. Während andere Stars Jahre haben, um sich auf den Wahnsinn des Lebens im Ruhm vorzubereiten, auf die Erwartungen, die Menschen an einen herantragen, die gleichzeitige Intensität und Oberflächlichkeit von Begegnungen, das Publikum, den Beifall und die Leere danach, wurden Tolokonnikowa und ihre Mitstreiterin Marija Aljochina direkt aus dem Straflager zu Berühmtheiten.
Sie trafen Hillary Clinton und diskutierten mit dem Chef des "New Yorker" auf einem Podium über Politik, liefen bei ungezählten Awards über den roten Teppich, wurden von Musikern hofiert, Schauspielern, Bürgerrechtlern. In der dritten Staffel der Fernsehserie "House of Cards" spielten sie sich selbst, wie sie den russischen Präsidenten beleidigen.
In New York trafen sie den Bürgermeister, besuchten das Gefängnis Rikers Island, gingen auf eine Kunstmesse. Später lud sie Madonna zum Essen ein.
Wie war es, so kurz nach der Entlassung aus dem Lager wieder ein Gefängnis zu betreten?
"Ich war froh, dass ich wieder rauskonnte. Der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio hatte es vermittelt, wir waren zweimal da. Das erste Mal war sehr offiziell, das zweite Mal mussten wir ganz normal in der Schlange stehen. Das war deprimierend. Wir waren die einzigen Weißen zwischen all den Latinos und Schwarzen, die ihre Angehörigen besuchen wollten."
Werden Sie traurig, wenn Sie heute Gefängnismauern sehen?
"Das ist doch privilegierter Quatsch. Traurig zu sein bringt niemandem was. Das, was zählt, ist das, was man tut, um Gefangenen zu helfen."
Und wie war es mit Madonna?
"Sie hat uns in New York in ein italienisches Restaurant eingeladen. Meinen Mann Pjotr, Marija und mich."
Haben Sie mir ihr gesprochen?
"Mein Englisch war damals noch so schlecht. Ich konnte meine Gedanken nicht richtig formulieren. Also habe ich nur dagesessen."
Wie haben Sie all das durchgehalten?
"Ich habe mir gesagt: Du musst nüchtern bleiben. Es geht nicht um dich. Ich habe versucht, mich auf das zu konzentrieren, was wir zu sagen haben."
Noch im Lager hatte sie zusammen mit Marija Aljochina beschlossen, etwas zur Unterstützung Gefangener in Russland zu tun. Sofort nach ihrer Begnadigung gründeten sie "Sona Prawa" (Zone des Rechts), eine NGO, die den Kontakt zu Gefangenen hält, sich um kranke Häftlinge kümmert und Anwälte bereitstellt. Später kam noch das Nachrichtenportal "Media Sona" dazu, das sich der gleichgeschalteten russischen Presse entgegenstemmt. Insgesamt arbeiten um die 17 Leute für die beiden Organisationen. Wirklich wenig im Vergleich zu den riesigen Propagandafabriken der russischen Medien, aber umso wichtiger.
Die Pussy-Riot-Frauen subventionieren die NGOs mit dem Geld, das sie für ihre Auftritte bekommen. Verrückte Zeiten, wenn Dissidenten gleichzeitig Popstars und Popstars Dissidenten sind.
"Es bringt nichts, mit Politikern zu reden", sagt Tolokonnikowa. "Das habe ich gelernt. Aber ich kann Politiker beeinflussen, wenn ich politische Kunst mache. Politische Kunst hat größeren Einfluss als das direkte Gespräch."
Zwei Wochen vorher in Moskau. Kalter Wind fegt durch die Straßen, als sich Nadja Tolokonnikowa noch einmal für ein paar Stunden in den Moskauer Untergrund begibt. Sie hat sich eine Möwenmaske aufgesetzt und steigt die Holzstufen hinab in einen Kellerklub, in dem sich Bohemiens und Oppositionelle treffen. Mädchen mit grün gefärbten Haaren, junge Männer mit Piercing und schwarzem Kapuzenpullover. Putins oberster Strafverfolger heißt Tschaika, übersetzt "Möwe", deshalb die Maske.
Der Abend ist der Solidarität mit den politischen Gefangenen gewidmet, in einer durchsichtigen Spendenbox sammeln die Veranstalter Geld für Häftlinge. Auf der Vorderseite der Box sind vier von ihnen abgebildet. Der bekannteste: der Performance-Künstler Pjotr Pawlenski.
Er hatte sich seinen Hodensack auf den Roten Platz genagelt und sich aus Solidarität mit Pussy Riot den Mund zugenäht. Nachdem er für eine Kunstaktion die Eingangstür des russischen Inlandsgeheimdienstes angezündet hatte, wurde er verhaftet und vor Gericht gestellt. Er macht da weiter, wo Pussy Riot aufgehört haben.
Tolokonnikowa zählt Pawlenski zur "neuen russischen Avantgarde", jener Gegenwelt zum Putinismus, welche die Kraft habe, "Russland wieder zu einem Zentrum der Weltkultur zu machen, statt im Hinterhof der Zivilisation zu verharren und zu versuchen, alles mit Waffengewalt zu erobern, wie Putin es tut", so sagt sie.
Darum geht es ihr an diesem Abend, obwohl sich in der Zwölf-Millionen-Metropole Moskau gerade einmal 150 Gäste eingefunden haben. Sie sind der letzte Rest der immer kleiner werdenden Schar einer aktiven Anti-Kreml-Opposition. Dezimiert durch das Trommelfeuer aus chauvinistischer Propaganda und repressiven Gesetzen, aber auch durch eigene Arroganz und Weltfremdheit. "Als ich jung war, habe ich mich geweigert, mit Putin-Anhängern überhaupt nur zu sprechen", sagt Tolokonnikowa später. "Heute versuche ich eher, sie für unsere Sache zu gewinnen."
Auch das ist eine Lektion, die das Gefängnis sie gelehrt hat. "Dort fanden die meisten Putin toll. Zusammen mit ihnen Wäsche waschen, den Fußboden schrubben, ihnen helfen, eine Klage vorzubereiten, das war mein Weg, ihre Einstellung zu ändern", sagt sie. "Die Menschen brauchen keine Schocktherapie durch die Opposition. Wir müssen uns Zeit nehmen und sie Schritt für Schritt aufklären."
Tolokonnikowa ist der Star des Abends. Irgendwann nimmt sie die Maske ab und setzt sich an einen Synthesizer. Sie trägt einen eleganten, schwarzen, tief ausgeschnittenen Hosenanzug, ihre Lippen sind rot geschminkt.
"Alle erwarten, dass eine Frau, die so angezogen ist, eine russische Romanze, ein Liebeslied singt", sagt sie später. Stattdessen singt sie von Ehemännern, die den Namen ihrer Frau annehmen, von Nazis, die zu Feministinnen werden, und Fleischfressern, die zu Veganern mutieren.
Es ist kein Punk, sondern ein politisches Chanson. "Man muss gegen die Erwartung des Publikums handeln", sagt sie. "Wenn alle denken, dass ich nur mit einer Wollmaske auf dem Gesicht Gitarre spiele, dann darf ich das auf keinen Fall tun."
Marija Aljochina, die zweite Pussy-Riot-Frau, die mit Lagerhaft bestraft worden war, ist auch gekommen. Aljochina steht zwei Meter von Tolokonnikowa entfernt. Die beiden Frauen würdigen sich keines Blickes.
Eigentlich wollten Tolokonnikowa und Aljochina das Buch zusammen schreiben, das nun erscheint, es sollte ein Pussy-Riot-Buch werden. Aber auch daraus wurde nichts. "Es war eine blöde Idee", sagt Tolokonnikowa.
So ist "Anleitung für eine Revolution" geworden wie seine Autorin. Schnell, mutig, intelligent, feministisch, aufgeregt. Ein 200-Punkte-Plan für ein aktivistisches Leben – ein Manifest, ein Buch über das Lager und die anderen Gefangenen, mit denen Tolokonnikowa zusammen saß.
Die Passagen, die von ihrer Zeit im Lager handeln, sind anrührend. Wenn sie von der jungen Frau erzählt, die ziemlich männlich auftritt, sich aber, je näher ihre Entlassung kommt, wieder weiblicher gibt und das Lager auf High Heels verlässt.
Sie habe das Buch in den Wochen nach der Ermordung des Oppositionspolitikers Boris Nemzow geschrieben, sagt sie. "Ich kann mich noch genau erinnern, wie die Nachricht von seinem Tod kam, ich saß mit ein paar Freunden zusammen, und wir dachten: Wer ist als Nächster dran? Dann dachte ich: Und wenn ich das wäre? Habe ich gesagt, was ich sagen will? Also habe ich angefangen, das Buch zu schreiben."
Zurück in Los Angeles. Tolokonnikowa ist bei einem jungen, aufstrebenden Produzenten namens Ricky Reed im Studio, der in den Pausen der Aufnahmesessions am Telefon hängt und über seine Gästelistenplätze bei den Grammys verhandelt. Reed ist für einen Award nominiert. Er hat Bomba Estéreo produziert, eine Latin-Rock-Band. Das Studio ist in Echo Park, einer ruhigen Wohngegend am Rand von Los Angeles. Sie arbeiten an einem Stück, für das sie versuchen, Dance-Beats und feministische Parolen zusammenzubringen.
Die Überraschung: Es funktioniert. Nicht nur, weil der Beat wirklich gut ist. Tolokonnikowa versucht nicht zu singen oder zu rappen, sondern ruft ihre Zeilen, als wären es Parolen. Und das Stück ist wie sie. Lustig, intelligent, kurzweilig.
Reed schlägt Rapper vor, die sie für das Stück als Gäste einladen könnte, die ganz großen Namen sind dabei, er ist sicher, dass sie Interesse haben. "Wir müssen ihnen aber sagen, dass wir nicht viel Geld zahlen können, sie können nur mitmachen, wenn sie an die Sache glauben", sagt Tolokonnikowa.
Beim Rausgehen zeigt sie einen Film auf ihrem Telefon, sie hat ihn am vergangenen Nachmittag aufgenommen, nach einer anderen Session in einem anderen Studio. Zwei ziemlich wild aussehende, gepiercte schwarze Punkrocker hören sich Tolokonnikowas Musik an und rauchen dazu einen Joint. Sie schauen ziemlich ratlos. Der Song heißt "Straight Outta Vagina".
Vielleicht klappt es ja wirklich mit dem Leben nach Pussy Riot.

Verrückte Zeiten, wenn Dissidenten gleichzeitig Popstars und Popstars Dissidenten sind.

Über den Autor

Tobias Rapp, Jahrgang 1971, ist Popredakteur des SPIEGEL. Das Punk-Kollektiv Pussy Riot kam ihm immer vor wie der popkulturelle Idealfall: schnell, mutig, sofort erkennbar, politisch. Dass man keine Platte von der Band kaufen konnte, fand er modern. Aber Pop heißt, niemals stehen zu bleiben. Deshalb freut er sich auch über Nadja Tolokonnikowas Aufnahmen.
* Nadja Tolokonnikowa: "Anleitung für eine Revolution". Aus dem Russischen von Friederike Meltendorf und Jennie Seitz. Hanser Berlin; 224 Seiten; 17,90 Euro.
Von Tobias Rapp und Matthias Schepp

DER SPIEGEL 8/2016
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