31.03.1980

„Feldherr bin ich wider willen“

Adolf Hitlers Monologe im Führerhauptquartier (IV) Der ungekürzte Text ist soeben unter dem Titel „Adolf Hitler Monologe im Führerhauptquartier 1941--1944“ (496 Seiten; 39,80 Mark) erschienen. 1980 Albrecht Knaus Verlag, Hamburg.
6. 8. 1942, mittags
Wie kommt einem jetzt Deutschland so klein vor] Der Engländer, aber auch der Russe haben das Selbstbewußtsein, das von den großen Räumen kommt. Ich hoffe, wir kriegen das jetzt] Man müßte demnächst einmal ein Buch schreiben: der Idealstaat der Zukunft, ein Zucht- und Ernährungsproblem. Der normale Bürger wird, damit man ihn leicht regieren kann, mit Gras gefüttert]
Sicher ist, daß die Tuberkulose bei Vieh, das im Stall steht, weit mehr verbreitet ist als bei Vieh auf der Weide. In meiner Heimat bilden sich die alten Bauern ein: ja keine großen Fenster, kein Licht, sonst bekommt man weniger Milch] In Norddeutschland, wo das Vieh vollkommen im Freien lebt, gibt es nahezu keine Tuberkulose]
Wir haben in Deutschland einige Gebiete, die sind schon ganz jämmerlich: ein Teil des Bayerischen Waldes, die Rhön, das Waldviertel, ein Teil der Rauhen Alb. Wenn man sich vorstellt, wie sich die Bauern dort abquälen müssen] Wenn man die Arbeitskraft, die dort aufgewandt wird, hier aufwenden wollte, man bekäme das Fünffache]
Wir haben nur ein der Ukraine ähnliches Gebiet im Deutschen Reich, die Mährische Mulde, nördlich von Wien, östlich von Brünn, südöstlich von Olmütz: ein unglaublich fruchtbares Land.
Als die großen Lebensräume abgesteckt wurden, war Deutschland in Glaubenskämpfen befangen. Katastrophal für Europa war der Moment, in dem Peter der Große St. Petersburg gründete. Deshalb muß St. Petersburg vollständig vom Erdboden verschwinden. Moskau genauso. Erst dann werden sie sich nach Sibirien zurückziehen.
Nicht dadurch, daß wir in die alten russischen Kaffs hereingehen, erschließen wir uns den Lebensraum, der Deutsche muß rein siedlungsmäßig auf einer höheren Stufe stehen. In einen leeren Raum sind wir nie gestoßen.
Lächerliche 100 Millionen Slawen werden wir absorbieren oder verdrängen. Wenn einer hier von Betreuen spricht, den muß man gleich ins KZ stecken.
Zur Erntezeit wird man in jedem größeren Flecken einen Markt einrichten, wohin wir unsere Ramschware bringen. Auf dem gleichen Markt werden Getreide und Früchte verkauft. Hat einer etwas verkauft, so kann er gleich einkaufen.
Für unser Produkt wird ein Gegenwert erzielt, der beträchtlich über unseren Gestehungskosten liegt. Die Differenz muß dem Reich zugute kommen, S.179 um auf diese Weise die Kriegskosten hereinzuholen.
Die landwirtschaftliche Maschinenfabrik, andere Spezialindustrien, die Verkehrsindustrie, die Gebrauchsgüterindustrie erhalten einen gewaltigen Auftrieb. Der billigste und bunteste Kattun ist hier wunderbar. Warum soll ich ihrer Farbenfreude Abbruch tun?
Ich habe große Angst, daß das Ostministerium die Ukrainerinnen zivilisieren will. Sie bringen uns einen gesunden Ausgleich, wenn sie in uns aufgehen. Da sind noch riesige germanische Volkssplitter. Woher sonst die blauäugigen und blonden Kinder? Was brauchbar ist, wird bei uns nach und nach umgezüchtet. Das andere bleibt hier.
8. 8. 1942, abends
Die Goten haben sich am längsten auf der Krim gehalten. Im 18. Jahrhundert gab es doch noch eine Gerichtsverhandlung, in der Menschen auftraten, die nichts anderes sprechen konnten als Gotisch. Keine Macht der Welt bringt uns mehr da heraus]
Wir haben Heeresgruppen, die sind rein landwirtschaftliche Genossenschaftsunternehmen: Sie versorgen sich mit allem Lebensnotwendigen selbst]
Mit den Partisanen gibt es hier einen Kampf wie in den Indianerkämpfen in Nordamerika. Die stärkere Rasse wird siegen, und das sind wir. Unter allen Umständen werden wir da Ordnung kriegen.
Ich kann mir folgendes vorstellen: Das jetzige Geld dürfen wir nicht gelten lassen für längere Zeit. Einmal müssen wir ein neues Geld hier verwenden. Im Herbst müssen wir bei einer Bahnstation auf der einen Seite einen Markt machen, wie ein deutscher Jahrmarkt, und nebenan eine Ablieferungsstelle einrichten für Getreide.
Es muß da alles geben an Tand, was es auch bei uns auf dem Lande gibt. Sachsen wird einen Aufschwung in der Industrie erleben wie noch nie. Wir kriegen eine Exportindustrie.
Da kann sich ihr Erfindergeist wieder einmal betätigen. Die sächsische Industrie hat die Kolonien beliefert, sie hat den billigen Tand gemacht, während aus Thüringen die Spielwaren kamen.
Die Bauern kriegen wir vollständig. Sie werden aufatmen] Zum erstenmal bezahlt ihnen einer etwas] Es ist auch ein zum großen Teil vorzügliches Volkstum. Wo sind denn die alten Goten-Reste hingekommen? Sprachen können sich verlieren, aber das Blut muß ja irgendwo bleiben]
Die Amerikaner sind immer noch glücklich, wenn sie Gold kriegen, und merken dabei gar nicht, daß die Geschichte schon vollkommen wertlos ist.
9. 8. 1942, abends
Wäre im Oktober damals (1941) nicht der Schlamm gekommen, wir wären nach Moskau hereingerutscht wie nichts] Heute sind wir so klug, sofort alles halten zu lassen, sobald der Regen beginnt. Wenn der Krieg zu Ende ist, hat die deutsche Nation keine Sorge, was sie für die nächsten 50 Jahre zu tun hat]
Wir werden, einschließlich Baumwolle, der autarkste Staat, den es gibt. Das einzige, was wir nicht haben werden, wird der Kaffee sein; aber eine Kaffeekolonie werden wir schon irgendwo zusammenkratzen.
Holz haben wir genügend, Eisen unbegrenzt, S.182 die größten Manganerzvorkommen der Welt, Öl, da schwimmt alles] Die deutsche Arbeitskraft hier angesetzt ... ach, du lieber Gott] Der Bauer sieht doch letzten Endes im Boden alles. Landschaftliche Schönheit? Wenn es aus der Erde wie Fett quillt] Es muß ja eine Freude sein, in der Zukunft überhaupt zu arbeiten.
11. 8. 1942, abends
Die deutsche Reichsmark muß eine unangreifbare eiserne Währung haben, die stabilste Währung der Welt. Hier im Osten gibt es in Wirklichkeit nur eine Naturalienwährung. Wir werden eine eigene Ost-Mark haben. Ist der Umrechnungssatz 1:5, so bekommt einer, wenn er hier herüberreist mit 100 Reichsmark, dafür 100 Ost-Mark, die Differenz nimmt das Reich.
Von den 100 Ost-Mark hat er hier so viel, wie er im Reich mit 100 Reichsmark erhält. Die Preise sind verschieden, und sie müssen immer ganz verschieden bleiben, damit wir die Preisniveaus zugunsten des Reiches ausnutzen und auf diesem Wege unsere Kriegsschulden tilgen können.
Das Ziel muß sein, pro Jahr mindestens 10 bis 20 Milliarden Kriegsschuld wegzubringen, so daß wir -- als einzige der Nationen dieses Krieges -nach zehn Jahren schuldenfrei sind und unsere Mittel in großem Umfange auf die Kolonisierung konzentrieren können.
Eine Bezahlung der Kriegsschuld durch den Gegner kann ich nicht erzwingen. Ich glaube nicht, daß wir von den Engländern etwas kriegen. Wenn der Engländer morgen kommen würde, er möchte jetzt Frieden schließen auf der Basis, jeder trägt seine Kosten, da würde ich wahrscheinlich sagen: Gut. Eigentlich sind wir bezahlt]
Der Nutznießer dieses Krieges werden wir sein. Dick und fett werden wir aus diesem Krieg hervorgehen. Hergeben tun wir nichts mehr; wir nehmen alles, was wir brauchen können.
Wenn die anderen protestieren, das ist mir gänzlich wurscht. Wir haben die rentabelste Kolonie der Welt. Erstens liegt sie dicht daran, zweitens ist es ein gesundes Volk, drittens: Wir haben dort alles -- bis auf den Kaffee. In fünf oder zehn Jahren sind die Kolonien der anderen entwertet] Das billigste für uns ist der Frieden]
16. 8. 1942, abends
Churchill und Genossen haben in ein paar Schlössern einige Jahre vor 1939 den Krieg gegen uns beschlossen] Meine Quelle: die Lady Mitford (Unity Walkyrie, eine der sechs Töchter des britischen Lords Redesdale). Sie und die Schwestern wußten vieles aufgrund ihrer Verwandtschaft mit maßgebenden Leuten.
Die eine platzte eines Tages heraus, in ganz London seien nur drei Abwehrkanonen, worauf ihre Schwester sie erstarrt anblickte. Sie sagte mir: Ich weiß nicht, ob Mosley (britischer Faschistenführer, Schwager von Unity Mitford) der Mann ist und ob er in der Lage ist, einen Krieg zwischen Deutschland und England zu verhindern]
In dem Moment, wo England die allgemeine Wehrpflicht einführte, waren die Würfel gegen uns gefallen] Wenn die Geschichte noch drei oder vier Jahre gedauert hätte, würden sie eine Armee von 25 bis 40 Divisionen gehabt haben, die sie auf den Kontinent hätten schicken können]
Ich habe -- Aufrüstung -- immer nur für ein Jahr gekämpft, der Mensch wächst mit seinen höheren Zwecken] Im ersten Jahr, 1933 auf 1934, sind drei Milliarden an die Wehrmacht gegeben worden, 1934 stieg der Betrag auf über fünf Milliarden, und bevor der Krieg angegangen ist, waren 92 Milliarden für den Krieg ausgegeben worden] Das ist überhaupt noch nie dagewesen. Der Wehrbeitrag vor dem (Ersten) Weltkrieg war eine Milliarde]
Niemals konnte mir einer sagen, er wollte etwas schaffen, er habe aber die Gelder nicht bekommen. Das gab es überhaupt nicht, daß je der Reichstag sich dazu geäußert hätte. Entscheidend war, ob ich es wollte oder nicht wollte]
In dem Moment, in dem ich mich entschlossen hatte, die Goldwährung zu beseitigen, spielten die Mittel keine Rolle, sofern ich noch Arbeitslose besaß. Ich mußte sieben Millionen Erwerbslose bezahlen und vier Millionen Kurzarbeiter, dafür mußte man über fünf Milliarden ausgeben]
Milliarden an Devisen hätten wir eingespart, hätte sich die Wehrmacht gleich auf Ersatzstoffe eingestellt, statt auf der Lieferung ausländischer Materialien zu bestehen. Wenn ich sagte, wir müssen uns auf Krieg umstellen: Die Wehrmachtsteile haben erst unter der Härte des Krieges den Weg beschritten]
Mit was für Mitteln man gearbeitet S.184 hat, mich kleinzukriegen: Das 1,8fache der gesamten Jahresproduktion an Kupfer der Erde hat man gefordert, als ich den Bau von Kriegsschiffen verlangte] Im Weltkrieg war eine durch 30 Jahre angesammelte Grundlage da, wir haben nichts gehabt]
Was habe ich mich in den Jahren geärgert, daß nur das ausgeführt wurde, was ich gewollt habe] Das war ein Kampf, den ich mit dem guten (Heeres-Oberbefehlshaber) Fritsch noch am Tag der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht hatte. Es werden 36 Divisionen gemacht] Da soll man sich ja nicht darauf herausreden, die Mittel seien nicht bewilligt worden]
Es sind der Wehrmacht mehr Mittel bewilligt worden, als sie damals überhaupt brauchen konnte] Wie oft habe ich Krach geschlagen, warum man das und das nicht bestellt hat] Woche um Woche gab es Zusammenstöße] Die Wehrmacht wollte es nicht]
Da waren Leute, die hinter meinem Rücken gearbeitet haben] Auch ein Überziehen des Etats hätte gar nichts bedeutet] Die Luftwaffe hat jedes Jahr den Etat um zwei Milliarden überzogen] Die Krisis konnte kommen, wenn ich keine Arbeitslosen mehr hatte. Das ist erst 1937 auf 1938 geschehen. Bis dahin gab es nur Devisenschwierigkeiten]
Auf meine Frage sagte mir (Reichswirtschaftsminister) Schacht, wir hätten mindestens 1500 Millionen Devisen im Ausland. Darauf habe ich den Vierjahresplan eingerichtet. Nie gab es einen Kampf um die Mittel, der Reichsmarschall hat ja auch alle Mittel] Auch heute scheitert nichts an Geld] Ich habe nur protestiert gegen die homöopathischen Dosen, in denen die Wehrmacht ihre Bestellungen aufgab.
Die Industrie kam zu mir: Wir werden verrückt mit diesen Bestellungen] Heute zehn Haubitzen, morgen zwei Mörser und so weiter in diesem Stil] Wo doch die Produktion eine Anlaufzeit von vier bis acht Monaten benötigt] Ich bin auf Serienaufträge übergegangen und das unbegrenzt.
Niemals hat die Marine Forderungen gestellt, sondern alle Forderungen habe ich gestellt, und von der Marine sind sie beschnitten worden. Nie hat das Heer an mich eine Forderung gestellt, sondern die Forderungen wurden von mir gestellt, und das Heer hat in der Ausführung gezögert] Es ging so weit: Ich mußte dem Heer eine Sache wegnehmen, damit sie überhaupt gemacht wurde] Das war der Westwall]
Ich habe vor ein paar Tagen gehört: Jedes Gesetz, das eingebracht wird, wird von drei Leuten abgelehnt, Schacht, "Stanislaus" (vermutlich: Schwerin von Krosigk) und Neurath. Alle anderen Minister bejahen es.
Die drei geht gar keine Sache an, weil sie im Kabinett nichts zu tun haben. S.185 Endlich wird eine Sache zwischen drei oder vier Ministern reif, daß es keine Pistolenschießerei gibt. Da tritt der eine für den Rechtsstaat ein, der andere für die Finanztheorie. Ich muß aus der Haut fahren]
Ich habe einmal einem dieser Herren gesagt: Die deutsche Nation hat die Völkerwanderung, die Römischen Kriege, die Einfälle der Hunnen, Magyaren und Mongolen überstanden, den Dreißigjährigen Krieg, die friderizianischen und Napoleonischen Kriege -- es wird auch mich überstehen]
20. 8. 1942, mittags
Ich habe da gelesen, ein Mann hat drei Monate Gefängnis wegen Tierquälerei bekommen, weil er ein fremdes Huhn, das in seinen Garten gekommen war, durch einen Schlag verletzt hatte.
Ich finde das nicht richtig. Ich finde, daß eine Hasenjagd demgegenüber eine maßlose Grausamkeit ist. Meines Erachtens müßte man jeden Jäger, der ein Tier anschießt, ohne es zu töten, dann genauso behandeln. Wenn man sich vorstellt, daß die Leute mit Halali begrüßt werden, während der andere drei Monate Gefängnis bekommt, da habe ich das Empfinden, das Volk wird es nicht verstehen.
Der Jäger drängt sich dazu, das Wild umzubringen, um seiner Mordlust zu frönen, der andere erwehrt sich einer Störung, ohne daß er das Tier töten will. Daß einen ein Hendl, das da immer hereinkommt, wahnsinnig ärgern kann, das weiß ich.
Einer hat einen Hasen geschossen, der hat drei Jahre Gefängnis bekommen. Ich hätte den Mann genommen und in eine Wildschützenkompanie der SS geschickt. Ich bin nicht ein tiefer Verehrer der Wildschützen, ich lebe vegetarisch, aber ich sehe in ihnen ein romantisches Element der Jägerei.
Ich hätte manche Ortsgruppe überhaupt nicht, wenn ich die Wildschützen ausschalten würde. Auf der anderen Seite sehe ich ein, wir wollen den Wald nicht zerstören lassen.
Es ist sehr interessant, daß im allgemeinen das Volk, vom Kind angefangen, eine sehr gesunde Einstellung hat zu der Frage, ob eine Maßnahme zur Erhaltung des Gemeinwohls erforderlich ist. Wenn heute eine Frau ihrem Mann etwas herausschickt -- dreimal -- und das wird gestohlen, die Frau sagt sofort: Der Saukerl, den muß man umbringen] Das ist ein primitives Gefühl. Sie spart sich das ab, da geht so ein Bazi her und nimmt es ihr] Das ist gesundes Volksempfinden.
20. 8. 1942, abends
Der Spruch, daß der liebe Gott bei dem stärkeren Bataillon ist, hat seine Bedeutung. Ganz ohne eine gewisse Zahl kommt man nicht durch. Alles andere ist der Versuch, aus der Not eine Tugend zu machen; sonst wäre es ja auch nicht so gewesen, daß kleine Völker auf die Dauer unterdrückt worden sind.
Hätte Rußland seine ganze Kraft gegen die Finnen geworfen, so wären sie erdrückt worden. Nur in der Erwartung, daß im Westen der Krieg ausbricht, haben die Russen Finnland aufgegeben. Sie wollten rasch noch die baltischen Länder in ihre Hand bringen.
Die Kriegsgeschichte zeigt kein Beispiel, wo trotz eines krassen Mißverhältnisses in der Kräfteverteilung letztlich der Sieg bei der kleinen Zahl war. Friedrich S.186 der Große hatte immer das Glück, daß wir uns durch Europa so durchmogelten.
Da ginge ein Schrecken durch die Menschheit, wenn es plötzlich hieße, in Amerika sei ein Weltraumschiff gelandet] Der Krieg wäre sofort zu Ende] Amerika ist eine rein mechanisierte Kultur. Verschwindet das, so zerfällt Amerika schneller als Indien. Eigentlich ist in Amerika der Europäer wieder zum Nomaden geworden.
Es ist schade, daß der Film "Der Kaiser von Amerika" (gemeint ist "Der Kaiser von Kalifornien") so ganz ohne Ethik und Moral abschließt. (Der Filmregisseur Luis) Trenker hat zwei Filme gemacht, die in ihrer Art großartig sind, "Berge in Flammen" und "Der Rebell". Da brauchte er keine Konzessionen zu machen. Alle seine anderen Filme sind wurmstichig, weitgehend von der Katholischen Aktion bezahlt]
Es ist jetzt wieder eine Frage an mich herangebracht: Der Bismarck-Film, kann man ihn herausbringen? Eine schärfere Kritik als die Erinnerungen von Bismarck selbst im 3. Band kann es nicht geben] Wie ich den gelesen habe, war ich erschüttert. Das Vernichtendste sind die eigenen Reden des Kaisers]
Der letzte Kaiser hat alles getan, um durch taktlos dumme Reden die einzelnen deutschen Fürsten zu verstimmen, ohne daß er daraus Konsequenzen gezogen hätte. Es ist einfach dumm, daß er als verhältnismäßig junger Monarch von ihnen als von seinen Vasallen spricht. Das ist, wie wenn ich heute von (Ungarns Reichsverweser) Horthy und (dem slowakischen Staatspräsidenten) Tiso als von Vasallen sprechen wollte.
"Der Herrscher des Atlantik dem Beherrscher des Stillen Ozean"] Ich würde doch von mir nicht sagen: der Beherrscher Europas] Das ist doch Wahnsinn] Ein Herrscher von Format und Taktgefühl, ein Mann von der Veranlagung seines Großvaters, der hätte Bismarck immer herangezogen] Er hätte die Liebe der ganzen deutschen Nation bekommen. Unmöglich, daß die Sozialdemokratie die Stellung im Deutschen Reich erhalten hätte]
Der Abgang vom Bismarck hat ohne Zweifel die Nation erschüttert. Die ganze Art der Behandlung] Letzten Endes war Bismarck der Reichsschmied] Dieser Jüngling, die Art des Sichgehenlassens] An dem Abend, an dem Bismarck entlassen wurde, hat er (Kaiser Wilhelm II.) einen Tanz gegeben]
Sein jüdisches Bluterbe ist da wieder durchgeschlagen in der ganzen zynischen Haltlosigkeit, die er hatte. Großsprecherisch und doch feige in jedem Entschluß, der Säbelrassler, der niemals den Säbel gezogen hat, und welche Gelegenheiten gab es, loszuschlagen] Dieser größte Bramarbaseur]
Ich werde niemals jemand als Geschenk ein Flugzeug geben, nie] Flugzeug ist Flugzeug] Ich hasse alle diese Leute, die plötzlich sportlich sich betätigen. Ein normaler Mensch tritt ja auch nicht plötzlich als Sänger auf.
Alle Leute, die Bravourstücke machen] Auch der Duce, das ist doch lächerlich, das kann er doch gar nicht] Wenn mich die Leute fragen: Warum treiben Sie keinen Sport? Ja, weil ich jedenfalls eine lächerliche Figur abgeben würde]
Eines Tages fällt plötzlich Furtwängler ein, er müsse Ski fahren. Der Mann, der Hunderttausende von Frauen als Dirigent fasziniert, der will imponieren dadurch, daß er Ski fährt. Das ist genau so, wie wenn ich auf einmal dirigieren wollte]
Er muß einen Slalom-Lauf machen, bums, liegt er da] Wenn Leute sehr berühmt sind, dann erwartet man etwas von ihnen. Bismarck sagte auf das Ansinnen, baden zu gehen: Ich glaube, ich könnte es tun, aber ich finde, es wäre nicht richtig, man würde Anforderungen stellen, denen ich nicht genügen würde.
Der Duce sollte das auch nicht tun] Mir wird ganz anders, wenn er da rausgeht. Er soll sein Italien steuern] Wenn ich denke, was wir für Leute da verloren S.187 haben] Die anderen, die ihr ganzes Leben mit so was zubringen, wären dann ja Trottel]
21. 8. 1942, mittags
Es hat sich gezeigt, daß ein gewisser Journalismus notwendig ist. Der richtige journalistische Stil kam, ich glaube 1932, mit unseren Wahlreisen in den V(ölkischen) B(eobachter). (VB-Chef Alfred) Rosenberg fürchtete ein kolossales Absteigen. Ich bin überzeugt, er ist damals an der Menschheit verzweifelt.
Seine Menschenverachtung hat das vertieft, daß trotz der Verflachung die Zeitung zugenommen hat. Die Generalüberschrift hätte heißen müssen: Münchner Beobachter, baltische Ausgabe.
Der VB stand auf einer Höhe damals, daß er selbst von mir schwer begriffen worden ist. Ich habe nicht eine Frau kennengelernt, die den VB gelesen hätte. Der Rosenberg wollte ihn erst auf die notwendige Höhe bringen. Da, wo heute der Leitartikel steht, kamen Philosophen zu Wort, hauptsächlich über Innerasien und Ostasien.
Wie der Reichstag abgebrannt war, komme ich zum VB; erst hat es eine halbe Stunde gedauert, bis man hereingelassen wurde, dann waren ein paar Arbeiter da, und endlich kam ein verschlafener Redakteur an, der verstand mich gar nicht: Um diese Zeit sei keine Dienststunde mehr]
Ich sagte ihm: Herr, sind Sie verrückt, ein Ereignis, ein ungeheures] Ich habe mit Goebbels gearbeitet bis in der Früh, um den VB zu redigieren.
Mit baltischen Familien habe ich vielfach Schwierigkeiten gehabt. Sie S.188 haben so etwas Negatives und grundsätzlich Überlegenes, wie ich das in meinem Leben sonst nicht kennengelernt habe, vor allem die Fähigkeit, alles zu können.
Es ist eigenartig, Sauckel (der Generalbevollmächtigte für den Arbeitseinsatz) hat mir erzählt: Die Mädel, die von mir aus dem Osten geholt werden, werden alle ärztlich untersucht. Es hat sich herausgestellt, daß 25 Prozent gänzlich unberührt sind] Das würde in Oberbayern nicht der Fall sein.
Es ist falsch, wenn man sich einbildet, daß eine unberührt besonders gesucht ist. Da heißt es höchstens: Da kann schon nicht viel dran sein] Wenn da eine noch christliche Jungfrau ist, so sagen sie -- ich kann das jetzt gar nicht ausdrücken]
Das Köstliche ist, wenn von der Kanzel verlesen wird, daß die christliche Jungfrau Kreszentia in den heiligen Ehestand getreten ist, dann feixen sich unten fünf, sechs Burschen an, die die christliche Jungfrau in- und auswendig kennen.
Es erklärt sich das so: Wenn bei jungen Leuten keine Kinder kommen, dann ist das dort eine Katastrophe. Die Güter sind derart, daß man sich fremde Dienstboten nicht halten kann. Die zwölf- bis 13jährigen Buben müssen schon arbeiten wie Knechte. Es heißt: Er geht auf die Probier] Nur wenn einer zu lange probiert, wird er schief angesehen. Man erwartet von ihm, daß er das Mädel dann auch heiratet.
Nie habe ich in Bayern einen Vorwurf darüber gehört, daß ein Pfarrer etwas mit seiner Kathl hat. Die ganze Gemeinde war saufroh, daß er seine Triebe so abreagiert. Na ja, der Herr Kaplan ist ja a no jung, aus dem G''hirn kann er''s a net rausschwitzn] Deshalb wäre es auch verfehlt gewesen, hätten wir den Umgang der geistlichen Herren mit ihren Kocherln als Argument im politischen Kampf verwendet; das Volk findet nichts dabei, im Gegenteil]
22. 8. 1942, abends
Wenn Rosenberg auf eine Erhöhung der Kultur durch echte Holzkunst ausgeht: Ich möchte ihm zeigen, was in meiner Heimat an Wallfahrtsorten verkauft wird]
Da soll man nicht sagen: so etwas Geschmackloses] Die sächsische Industrie will auch leben. Ich habe eine sächsische Dame gekannt, die hat in Sachsen ein Taschentuch vertrieben, auf dem man in der einen Ecke Hindenburg, in der anderen Ludendorff, in der dritten mich und in der vierten ihren Mann sah]
Ich ärgere mich schon, wenn ich in den (Vereinigten) Deutschen Werkstätten oben die billigen Zimmereinrichtungen sehe.
Erstens ist das ein Schwindel: Da steht RM 800. Auf einmal höre ich dann: Die Bank gehört nicht dazu, der Vorhang auch nicht, auch das Bild nicht] Zweitens, nun kommt das Tolle: Der ganze Schmarren soll ein werksgerechter Kulturausdruck sein]
Die Leute wollen das nicht] Die wollen für 1200 Mark was Schönes haben] Ob ein Nagel mit einer Maschine eingetrieben ist oder mit der Hand, ist dem Käufer gleich. Was heißt werksgerecht? S.189 Da pfeifen die Leute drauf] Warum mit Rohholz etwas nehmen, wenn ich es anderswo poliert kriege? Ich muß ehrlich sagen, ich habe beim Stortz drin Sachen gesehen, die sind absolut schön.
Die kleinen Leute freuen sich, wenn sie ein schönes Büfett haben. Werksgerecht: alles Quatsch]
24. 8. 1942, abends
Stalin hätte mit der Zeit eine ungeheuer industrialisierte Welt aufgerichtet, unter gänzlicher Mißachtung der breiten Masse, aber mit einer gewissen Phraseologie und unter Hebung des Lebensstandards seiner Unterführer. Das Endziel wäre eine Bolschewisierung Europas gewesen.
Er ist eine Bestie, aber immerhin von Format. Die Juden hat er benutzt, um die Intelligenz der Ukraine zu beseitigen. Dann hat er Züge von Juden nach Sibirien geschickt. Ich halte es für möglich, daß er eines Tages nach China geht, wenn ihm kein anderer Ausweg bleibt]
Von allen Engländern hat auf mich den größten Eindruck (Premierminister) Lloyd George gemacht. Während (Kriegs- und Außenminister) Eden ein widerliches Englisch spricht, klingt sein Englisch wunderbar. Er ist schon ein Mann von Format]
Seine Denkschrift anläßlich des Friedensvertrages war klassisch] Er schreibt: Dieser Friedensvertrag wird zum Krieg führen. Die Idee, ein Volk wie das deutsche vernichten zu können, ist eine Wahnsinnsidee. Für England kann es sich nur darum handeln, mit Deutschland in Freundschaft zu kommen.
Daß es damals anders kam, verdanken wir nur eigentlich in erster Linie dem Zentrum. Die Sozialdemokraten wollten das nicht, daher auch die voreilige Äußerung (Reichskanzler) Scheidemanns (der Vertrag von Versailles sei unannehmbar).
26. 8. 1942, abends
Wenn wir heute mit den Franzosen Frieden schließen würden, so wäre das zwecklos. So klein können wir die französische Armee nicht halten, daß sie nicht innerhalb dreier Jahre die Italiener zu Paaren triebe. Die Pariser Polizei genügte dazu]
Wir müßten immer zur Seite stehen] Was der Polenfeldzug, Norwegen, Frankreich, der Osten und der Wüstenkrieg nicht fertiggebracht haben, bringen die Italiener fertig: Sie ruinieren die Nerven unserer Leute]
Die größten Siege der Weltgeschichte waren ein Hängen und Würgen. Das Leben besteht in der Überwindung von lauter Krisen; nur der eine wird fertig damit, und der andere wird nicht fertig] 1918 stand der Sieg uns genauso S.190 nah wie den anderen. Es ist eine absolute Nervenprobe. Niemand hat eine Anweisung auf den Erfolg.
Ein Staat wie die Schweiz, der nichts anderes ist wie eine Eiterbeule an Europa, so etwas kann man nicht einfach gehen lassen] Die Empfindlichkeit der Italiener ist die Empfindlichkeit desjenigen, der einen Minderwertigkeitskomplex, ein schlechtes Gewissen hat. Geographisch werden wir das Mittelmeer nie beherrschen, aber auch die Franzosen werden nach dem Friedensvertrag wenig beherrschen können. Ich hoffe, daß wir einmal die totale Hegemonie kriegen.
Ein Lausestaat wie Schweden, der muß weggefegt werden, wie 1848 die Dänen. Aber wir dürfen auch nicht zuviel machen, sonst legen sich unsere Nachkommen ins Bett und fangen an zu schlafen. Wir müssen ungelöste Probleme zurücklassen, eine größte Wehrmacht, eine größte Luftwaffe; die Wehrmacht muß so erzogen werden, daß sie, wenn je einmal ein feiges politisches Gezüchte kommt, ähnlich wie in Japan treibende Kraft ist.
Grundsätzlich glaube ich, daß ein längerer Friede wie 25 Jahre jeder Nation schadet. Die Völker brauchen einen Blutverlust zu ihrer Regeneration wie der einzelne Mensch.
Wenn Stalin noch 10 bis 15 Jahre an der Arbeit geblieben wäre, wäre Sowjetrußland der gewaltigste Staat der Erde geworden, da können 150, 200, 300 Jahre vergehen; das ist so eine einmalige Erscheinung] Daß der allgemeine Lebensstandard sich gehoben hat, daran ist kein Zweifel.
Alles in allem gesehen, muß man sagen: Die haben Fabriken hier gebaut, wo vor zwei Jahren noch unbekannte Bauerndörfer waren, Fabriken, die die Größe der Hermann-Göring-Werke haben. Sie haben Eisenbahnen, die sind gar nicht eingezeichnet auf der Karte. Bei uns streitet man sich um die Tarife, bevor die Bahn gebaut ist.
Ich habe ein Buch über Stalin; man muß sagen: Das ist eine ungeheure Persönlichkeit, ein richtiger Asket, der mit einer eisernen Faust dieses Riesenreich zusammengefaßt hat. Nur, wenn einer sagt, das ist ein sozialer Staat, das ist dann ein ungeheurer Schwindel]
Das ist ein staatskapitalistischer Staat: 200 Millionen Menschen, Eisen, Mangan, Nickel, Öl, Petroleum und was man will -- unbegrenzt. An der Spitze ein Mensch, der sagte: Finden Sie den Verlust von 13 Millionen Menschen zu viel für eine große Idee?
28. 8. 1942, mittags
Ciano (Italiens Außenminister) ist jetzt wieder zur Jagd eingeladen. Ich muß meine jagdlichen Ansichten etwas S.191 zurückstellen. So etwas Leichtlebiges, ein glückliches Völkchen] Wenn sie Prügel kriegen, in drei Tagen haben sie das vergessen; wenn sie Siege erringen, merken sie sich das ewig.
Das ist die glücklichste Veranlagung, die man sich denken kann: Vergessen jeder Niederlage und Vergrößerung jedes Erfolges.
Die Amerikaner sind ein unberechenbares Pack. Wenn es hart auf hart geht, sind die Engländer viel tapferer als die Amerikaner. Gar kein Vergleich] Wie kommen die Amerikaner dazu, den Engländern etwas vorzuwerfen?
Im übrigen, wenn man von den Russen spricht: Es ist eine Widerstandskraft ohnegleichen gewesen, auch im russisch-japanischen Krieg. Es ist nicht so, daß sie jetzt besondere Eigenschaften entwickeln. Wenn dem Stalin etwas passiert, bricht das asiatische Großreich zusammen. Genauso, wie es entstanden ist, wird es zerfallen.
In der deutschen Geschichte hat einen unglaublich zähen Krieg das Reich unter Habsburger Führung gegen die Türken gekämpft. Fast 300 Jahre lang hat das gedauert. Die Türken wären aus Europa herausgeworfen worden, wenn nicht die Russen für sie eingetreten wären.
Wir müssen uns das zur Lehre nehmen: Wenn wir nicht ganz fertig werden S.194 im Osten, muß jede Generation erneut antreten. Auch dumme Rassen können am Ende unter einem Führer gewisse Leistungen vollbringen; die organisatorische Leistung von Dschingis Khan war einmalig.
30. 8. 1942, abends
Hier kommt jetzt erst der Ur-Kommunismus: Wir werden eine Razzia machen müssen, Quadratmeter um Quadratmeter, und immer aufknüpfen] Das wird ein richtiger Indianerkrieg werden.
Aber, das muß man wissen: Wenn man nicht das Judentum ausrottet -im Judentum haben sie die Telephonstrippe --, dann nützt das alles nichts] Es ist interessant, wie so ein katholisches Priesterchen -- (der slowakische Staatspräsident) Tiso -- uns die Juden zuschickt]
Daß hinten etwas los ist: Für die Etappe ist das wunderbar] Der arme Teufel vorn muß sonst in einem Dreckloch liegen, während die mit den russischen Frauen leben]
Im Grunde genommen steckt in der russischen Haltung gegen die Bordelle eine Moral: Man gibt sich zu so etwas nicht her] Aber bei uns ist das geheiligt, weil die Bischöfe und Erzbischöfe früher den Hurenpfennig erhoben haben; S.195 das Fürsterzbistum Mainz hat wesentlich von diesen Gelüsten gelebt]
Daß die Bolschewiken zugelassen haben, daß eine Frau mit verschiedenen Männern Kinder hat, ich glaube, das war die Absicht, ihre verschiedenen Rassen zu einer Einheit zu verschmelzen. Es ist eigenartig, daß die Untersuchung hier ergeben hat: Die Mädchen bis zu 25 Jahren sind zu 80 bis 90 Prozent unberührt und alle gesund.
1. 9. 1942, abends
Schirach (Wiener Reichsstatthalter), heute zwei Jahre in Wien, ist vollständig von der Wiener Atmosphäre eingefangen. Ich bin dem Zauber von Wien nicht erlegen, weil ich sehr hart war in meiner deutschen Gesinnung] In Wien gab es vor dem Weltkrieg unermeßlichen Reichtum, aber es hat alles das gefehlt, was in Berlin das Protzentum war]
Das Wiener Essen war sehr schmackhaft: Zum Frühstück hat man nichts gegessen. Ich glaube, daß in Wien 1909/10 alle Mädel im Kaffeehaus Mittag gegessen haben, eine Tasse Kaffee und zwei Semmeln] Der Kaffee war in den kleinen Kaffeehäusern genauso gut wie in den berühmten]
Auch in den feinen Restaurants gab es nichts anderes als Suppe, Hauptgericht S.196 und Nachspeise, keine Vorspeise] Eine französische Speisekarte? Das hat es nicht gegeben]
Wie ich zum ersten Mal nach Berlin komme, wird mir meine Einladung in Französisch vorgelegt] Noch 1933 war das, in der Reichskanzlei] Ich habe das augenblicklich abgeschafft]
Nach dem Kriege war der Durchschnittswiener bettelarm. 1922 kam ich in die Oper. Die Oper war vor dem Weltkrieg etwas Wunderbares] Auch da war eine Kultur drin, unerhört] Die Frauen mit ihren Diademen, eine einzige Pracht]
Nun saß da an der gleichen Stelle ein Judenpöbel] Die Jüdinnen haben ihre Hände herabhängen lassen, damit man ihren Schmuck sieht; es war furchtbar] Die Kaiserloge hatte ich nie besetzt gesehen. Der Kaiser war wohl unmusikalisch. Ich bin der größte Feind der Habsburger, aber das hat mich maßlos geärgert. Da saß jetzt dieses Pack, etwas Widerwärtiges]
Jetzt bin ich wieder in Wien gewesen, das Dreckzeug ist weg, aber es ist eine arme Stadt geworden] Vor dem Krieg, wenn man durch die Innenstadt ging, die Straßen waren größtenteils mit Holz gepflastert, die eleganten Equipagen] Das Verhältnis zwischen den großen Herrschaften und ihren Kutschern war ein sehr freundlich-loyales.
In Deutschland gab es vielleicht nur eine Stadt, in der die sozialen Unterschiede auch so gering waren: München] Ich verdenke es keinem Wiener, wenn er Wien jetzt nachtrauert. Ich sehe es bei meiner eigenen jüngeren Schwester.
Natürlich, Berlin ist eine pulsierende Stadt, sie ist jung, sie muß erst erzogen werden. Das alte Berlin war einfach und vornehm, dann kam die Zeit der 19 Gänge, das Fressen dabei miserabel, die Zeit Wilhelms II., geschmackloser Stil, protzige Lebenshaltung, dazu noch dieses bewußte Hofieren dieser Saugesellschaft]
Die Frau eines deutschen Generals wie Litzmann konnte nicht eingeladen werden, aber irgendeine Jüdin, eine Amerikanerin, Schweinekönige von Chicago, die waren hoffähig? Der alte Wilhelm war ein Grandseigneur, Wilhelm II. in seiner ganzen Haltung ein charakterloser Schwächling]
Jeder Brief von Bismarck ist mehr wert als das ganze Lebenswerk von diesem Kaiser] Das Parlament aufgedonnert, aber dafür in Gips] In der Halle Gips und Triestiner Marmor. Jetzt müssen wir auf der einen Seite die Weltstadt repräsentieren und im übrigen geschmackvoll sein: nicht die Auswüchse im Essen und Trinken, aber schönes Wohnen]
6. 9. 1942, mittags
Die Russen haben einen Fehler gemacht: Sie haben sich auf Stalingrad geworfen] Man kann einen Krieg immer nur gewinnen, wenn der andere mehr Fehler als man selber macht] Die Überzeugung muß man absolut haben. Wäre das nicht Stalingrad, so wären sie anders vorgegangen.
Der Name ist eben doch oft mehr als leerer Schall und Rauch. Haben wir auch Leningrad noch, so ist das ein böses Omen. Daher werde ich nie erlauben, daß man gefährdete Dinge mit meinem Namen oder dem Namen eines meiner Mitarbeiter bezeichnet. S.197
Gerade in Kriegszeiten ist das Volk abergläubisch. Auch die alten Römer waren es, einschließlich Julius Cäsar. Vielleicht ist der Aberglaube bei einem Mann wie Cäsar gar kein Aberglaube gewesen, sondern die Erkenntnis dessen, daß das Volk abergläubisch ist.
An einem 13. würde ich nicht angreifen lassen. Nicht weil ich abergläubisch bin, sondern weil ich weiß, andere sind es. In meinem Leben spielen Daten keine Rolle. Ich habe an ganz schlechten Tagen schon größere Erfolge erzielt und bin an anderen auf die Nase gefallen.
Die Holländer sind eine wunderschöne Rasse. Die Mädel sehen phantastisch aus. Wenn die gekapert werden, da kann ich nur sagen: ja] Für die Verbindung mit den Malaien war wohl bestimmend die sexuelle Not in den holländischen Kolonien. Auch in Deutschland selber war das Grundprinzip das: Katholiken zum Beispiel dürfen eine Negerin heiraten, wenn sie Katholikin ist, aber keine Deutsche, die Protestantin ist.
Monatelang redet der Pfaffe, wenn eine Katholikin einen Protestanten heiraten will. In Bauerndörfern wurde bis vor kurzem eine Mischehe noch als eine Schande von der Kanzel verlesen.
Ob aber Bastarde kommen, die Farbe, das war ganz egal. Bei den Engländern ist es umgekehrt. Die englische Kirche ist eben letzten Endes eine politische Einrichtung]
Was ich da oft zur Unterschrift vorgelegt bekomme: bildschöne Jungs von uns und geradezu Mistkäfer auf der anderen Seite]
Ende
S.177 Der ungekürzte Text ist soeben unter dem Titel "Adolf Hitler Monologe im Führerhauptquartier 1941--1944" (496 Seiten; 39,80 Mark) erschienen. * S.185 Bosch-Direktor Raßbach, Robert Bosch. 2. v. l.: NSKK-Führer Hühnlein. * S.190 Bau des Dnepr-Kraftwerks. *

DER SPIEGEL 14/1980
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


  • Portrait über Jürgen Grässlin: Warum deutsche Rüstungskonzerne einen Lehrer fürchten
  • Zwischenfall in der NFL: Pyromaschine fängt Feuer
  • Toyota-Solarauto: Prototyp produziert Strom während der Fahrt
  • Videoreportage zu Mobbing: "Ganz oft haben welche zu mir 'Fette' gesagt"