18.02.1980

Scotland Yard: Raub, Betrug, Bestechung

Wie die berühmteste Polizeitruppe der Welt ins Zwielicht geriet Die legendäre Polizei von London ist viel schlechter als ihr Ruf: Bobbys aller Dienstgrade erpressen, kassieren Bestechungsgelder, helfen Kriminellen, vertuschen Verbrechen. Das Beweismaterial gegen die Polizisten der britischen Hauptstadt, von einer Sonderkommission aus Provinzpolizisten zusammengetragen, ist erdrückend. Doch die Regierung und die Spitze von Scotland Yard tun - noch - nichts. Sie fürchten einen Skandal.
Es war warm, und der Mond schien, als James Kelly, 53, Arbeiter aus Liverpool, am 20. Juni 1979 gegen elf Uhr abends betrunken, aber glücklich seine Stammkneipe "The Oak Tree" (Zur Eiche) verließ.
Laut singend wankte er heim, quer über ein unbebautes Grundstück. Aus den umliegenden Häusern beobachteten fünf Augenzeugen unabhängig voneinander, was dann geschah:
Ein Einsatzwagen der Polizei fuhr langsam hinter James Kelly her, stieß ihn schließlich sanft an, so daß er hinfiel. Die beiden Polizisten stiegen aus, einer hielt den Betrunkenen von hinten fest, der andere begann, systematisch auf ihn einzuschlagen. Ins Gesicht. In die Nieren. Zwischen die Beine.
Dann brachten die beiden Polizisten ihr Opfer zur Revierwache von Huyton, kurz darauf ins Whiston Hospital. Als Kelly dort eingeliefert wurde, war er tot -- gestorben, so die Polizei, an Herzschlag.
Die Angehörigen von Kelly wollten sich mit dieser "Todesursache" nicht abfinden. Sie ließen, auf eigene Kosten, ein pathologisches Gutachten anfertigen -- und das ergab, daß der fröhliche Zecher, der unmittelbar vor seiner Festnahme immerhin noch singen konnte, einen doppelten Kieferbruch und 30 schwere, zum Teil innere Verletzungen erlitten hatte.
Der örtliche Unterhausabgeordnete und frühere Labour-Premier Sir Harold Wilson, die Presse und eine Bürgerinitiative fordern seither eine unabhängige Untersuchung des mysteriösen Todesfalls -- vergebens. Das Innenministerium lehnt ab, denn der Fall Kelly ist kein Einzelfall:
Von 1970 bis 1979 sind 245 Engländer und Waliser in Polizeigewahrsam gestorben, 143 von ihnen eines unnatürlichen Todes und weit über die Hälfte in den Revierwachen und Zellen von Londons legendärem Scotland Yard.
Dennoch kam es in keinem dieser Fälle zu einem Gerichtsverfahren gegen Polizisten, noch nicht einmal zu einem Ermittlungsverfahren.
Zynisch konstatierte Mitte Januar die konservative Wochenzeitschrift "The Spectator": "Wir halten unsere Polizei für wunderbar -- aber noch schöner wäre es, wenn mehr Menschen lebend ihre Zellen verließen."
Ratlos, ungläubig, bitter, ja sarkastisch reagieren die Briten auf eine Flut von Meldungen, die ihnen nach allem, was sie schon durchgemacht haben, vom Verlust des Empire bis zum wirtschaftlichen Niedergang, nun auch noch die vertraute und seit Generationen liebgewordene Vorstellung zu zerstören droht, daß wenigstens und noch immer die englische Polizei "die beste in der Welt ist", wie der "Economist" noch im Dezember vorigen Jahres stolz verkündete.
Mahnend und voller Unbehagen hatte das angesehene Blatt aber schon damals hinzugefügt: "Es häufen sich beunruhigende Hinweise darauf, daß gewisse Elemente innerhalb der Polizei mit harten Bandagen umgehen, auf Straßen und Hinterhöfen, und daß sie beginnen, gewisse Teile der Bevölkerung nicht als schutzwürdige Bürger, sondern als Freiwild zu betrachten."
Als Freiwild, mit dem gut Beute machen ist.
Tony Castro hielt sich genau an die Sicherheitsvorschriften, als er am 31. S.164 Mai 1978 zusammen mit einem Kollegen seinen gepanzerten Geldtransporter der "Security Express"-Agentur in die Lagerhalle im Erdgeschoß des "Daily Mirror" fuhr.
In seinem Fahrzeug befanden sich 800 000 Mark Lohngelder. Tony Castro wartete, bis sich das gewaltige Sicherheitstor geschlossen hatte und verriegelt war, bevor er die Ladetür seines Fahrzeuges öffnete, um das Geld herauszuholen.
Dabei achtete er nicht auf die beiden vermeintlichen Drucker in der Nähe der Laderampe -- bis die plötzlich zum Tor rannten, das Vorhängeschloß zertrümmerten und die Tür beiseite schoben. Von draußen raste ein Komplize der beiden mit einem gestohlenen Mercedes in die Halle, sprang heraus, und zu dritt rissen die Gangster das Geld an sich, das Castro und sein Kollege mittlerweile auf einen kleinen Handkarren verladen hatten.
Tony Castro wehrte sich -- und starb eines entsetzlichen Todes. Einer der drei Verbrecher verschoß aus wenigen Zentimetern Entfernung mit einem umgebauten Armeerevolver großkalibrige Schrotkugeln, die Castros Bauch unterhalb des Herzens aufrissen. Er verblutete auf der Stelle. Die Räuber entkamen.
Ein Verbrechen, gut geplant, brutal ausgeführt, wie es beinahe täglich in jeder Großstadt der Welt geschehen könnte -- und doch war der Überfall auf die Lohngelder des "Daily Mirror", war der Mord an Tony Castro ein Verbrechen besonderer Art: Er fand statt mit dem Wissen, dem erkauften Schweigen der Londoner Polizei.
Dies jedenfalls ist die Erkenntnis einer Sondertruppe auswärtiger, nicht aus London stammender Polizeibeamter, die seit 18 Monaten schwere Vorwürfe gegen die Polizei von London untersucht. Und der Überfall, bei dem Tony Castro ermordet wurde, war eines von drei Verbrechen, die zur Bildung der Sondertruppe führten.
Zunächst aber hatte ein Zufall geholfen: Nur wenige Meilen nördlich von London, in der Grafschaft Hertfordshire, verhörten Mitte 1978 die Mitglieder der örtlichen Kriminalpolizei Tag und Nacht sogenannte "Supergrasses" -"Superflüsterer", Kriminelle von Rang, die gegen Zusicherung von erheblichem Strafnachlaß bereit waren, ehemalige und noch aktive Standeskollegen zu "verpfeifen".
Aus Angst vor den Erzählungen hatte die Unterwelt Kopfprämien auf die "Flüsterer" ausgesetzt, die deshalb zu ihrer eigenen Sicherheit an einem geheimen Ort außerhalb Londons versteckt gehalten -- und dort eben nicht von Londoner, sondern von Provinzpolizisten verhört wurden.
Und die erfuhren Erstaunliches: Die "Supergrasses" nannten Namen, Daten, Zahlen, durch die Londons Polizisten gleich dutzendweise krimineller Vergehen beschuldigt wurden, von kleineren Bestechungen bis hin zur Verwicklung in schwere Verbrechen.
Die verblüfften Landpolizisten wandten sich an das "Generalinspektorat der Polizei", und das beschloß, die Vorwürfe gegen die Londoner Kollegen untersuchen zu lassen.
Von den Anschuldigungen waren die beiden voneinander unabhängigen Londoner Polizeiorganisationen, nämlich die kleine "City of London Police", die innerhalb der "Quadratmeile des Geldes" für Recht und Ordnung sorgen soll und nur 900 Beamte hat, und die unter dem Namen ihres Hauptquartiers "Scotland Yard" berühmt gewordene "Metropolitan Police" mit ihren 22 766 Beamten gleichermaßen betroffen. Das Inspektorat beschloß deshalb, einen Polizisten vom Lande zum Chef der Untersuchung zu machen, und nannte das Unternehmen denn auch gleich "Operation Countryman", "Operation Landmann".
Zum obersten "Landmann" wurde Leonard Burt ernannt, bis dahin stellvertretender Polizeichef von Dorset. Im August 1978 nahm er mit einem kleinen Team von zwölf Kriminalbeamten im Südlondoner Polizeirevier Camberwell seine Ermittlungen auf.
Schon nach wenigen Wochen erkannte Burt, daß größere Geheimhaltung nötig war, daß er -- so Peter Chippendale, Polizeireporter der kommerziellen Fernsehreihe "The London Programme" -- "das gesamte Gebiet S.165 der Londoner Polizei als Feindesland behandeln müßte".
Burt zog mit seinem kleinen Stab in die Londoner Schlaf-Vorstadt Godalming in der südenglischen Grafschaft Surrey um -- und verstärkte seine Truppe auf mittlerweile 80 Kriminalbeamte und 40 Büroangestellte, allesamt handverlesen, kein einziger aus London.
Nach dem bisherigen Erkenntnisstand der bei Scotland Yard von Anfang an verhaßten "Landmänner" haben sich die Anschuldigungen gegen eine große Anzahl der Londoner Polizisten zu dem begründeten Verdacht verdichtet, daß "ein organisiertes System der Korruption und des Verbrechens von den untersten Kriminalrängen bis zu den höchsten Tieren besteht" (so Reporter Chippendale).
Demnach haben Detektive der City-Polizei und Scotland Yards
* Raubüberfälle geplant;
* Verbrechern Tips für erfolgversprechende Überfälle gegeben;
* bei Überfällen dafür gesorgt, daß sich keine Polizeifahrzeuge in Tatortnähe aufhielten;
* beschlagnahmte Waffen von Kriminellen an die Unterwelt zurückverkauft;
* befreundete Verbrecher dadurch gedeckt, daß sie deren Tatwaffen etwa Vorbestraften unterschoben und so die Falschen vor Gericht brachten.
Als Gegenleistung sollen die korrupten Polizisten mit insgesamt mehreren hunderttausend Pfund Sterling bestochen worden sein, vom "billigen Fünfziger" (200 Mark) über mehrere tausend Pfund bis hin zu einem Fall von über 300 000 Mark "Prämie" nach einem geglückten Raubüberfall.
Zwar wurden in den vergangenen Wochen aufgrund des überwältigenden Beweismaterials insgesamt neun Beamte vom Dienst suspendiert; gegen vier von ihnen wurde Anklage erhoben.
Gleichwohl scheint das "Unternehmen Landmann" in eine Sackgasse geraten zu sein: Aus Angst vor einem Skandal ungeahnten Ausmaßes scheuen das Innenministerium, dem Scotland Yard untersteht, und, natürlich, die Führung des Yard selbst vor einem kompromißlosen Selbstreinigungsversuch zurück, der zwangsläufig in den Gerichten und damit vor den Augen der Öffentlichkeit stattfinden müßte.
Dazu John Shirley, Mitautor des Buches "Der Niedergang von Scotland Yard": "Das Hauptproblem scheint mir die Frage des Vertrauens der Öffentlichkeit in die Polizei zu sein. Einerseits erhält man sich dieses Vertrauen, indem man allen Beschuldigungen nachgeht -- aber es kommt eben auch der Punkt, wo die Beschuldigungen so zahlreich werden, daß das Vertrauen der Öffentlichkeit schon allein dadurch zerstört wird."
Dieser Punkt ist ganz offenkundig erreicht. Und wie weit das Vertrauen bereits zerstört ist, illustrierte die Wochenschrift "New Statesman" im Januar mit einem Titelbild (siehe Photo Seite 162), das einen uniformierten Polizisten mit Strumpfmaske und abgesägter Schrotflinte zeigt. Text: "Eine Polizei ist dann gut, wenn sie mehr Verbrecher fängt, als bei ihr angestellt sind."
Probleme mit korrupten, betrügerischen und brutalen Beamten hat die S.166 Londoner Polizei schon seit dem Tag ihrer Gründung.
Als am 29. September 1829, einem Dienstag, um sechs Uhr abends die ersten 600 Beamten der "New Police" in die Straßen von London ausschwärmten -- mit einreihigen blauen Jacken, weißen Knöpfen, schwarzen Zylinderhüten --, da hatte Innenminister Sir Robert ("Bobby") Peel der Welt zwar die erste schlagkräftige Großstadtpolizei beschert. Doch schon am ersten Tage wurden drei seiner Männer wegen Diebstahls gefeuert -- einer, weil er seine Uniform verkauft hatte.
Mehrere europäische Länder bauten ihre hauptstädtischen Polizeistreitkräfte nach dem Londoner Vorbild auf: Madrid 1845, Berlin 1848, Paris 1852. Die Londoner selbst aber hatten nur wenig Freude an ihren Polizisten, die sie anfangs verächtlich als "blaue Teufel" oder "brutale Greifer" bezeichneten und erst später, nach Sir Robert, "Bobbys" nannten.
Vom Ansehen der damaligen Truppe, deren Mitglieder die üble Angewohnheit hatten, Bürgern in Bedrängnis ihre Uhren und Ketten "bzunehmen, zeugt ein Spottvers aus den Gründerjahren Every " " policeman in the force has a watch and chain, of course. (Bei " " der Polizei hat jedermann eine Uhr mit Kette dran.) "
Das "Criminal Investigation Department", die Abteilung für Kriminalistische Untersuchungen, war für die satirische Zeitschrift "Punch" jahrelang einfach das "Criminal Instigation Department", die Abteilung für Anstiftung zur Kriminalität. Und Scotland Yards Detektive wurden allgemein nur als "Defektive" bezeichnet.
Kaum hatte einer ihrer wenigen Bewunderer, der große Charles Dickens, in einem Zeitungsartikel ihre "moderne Wissenschaft des Diebesfangs" gerühmt, da folgte der nächste Rückschlag: 1877 wurden drei der vier Chefinspektoren und ein Inspektor von Scotland Yard der fortgesetzten passiven Bestechung durch einen betrügerischen Buchmacherring überführt. Der "Prozeß der Detektive" im Kriminalgericht "Old Bailey" wurde zum nationalen Skandal.
Und während Kriminalschriftsteller wie Edgar Wallace mit übertriebenen Berichten von angeblichen und tatsächlichen Erfolgen der Scotland-Yard-Detektive den Ruhm der Londoner Bobbys weltweit begründeten, regten sich die Londoner selbst eher über deren Faulheit und Erfolglosigkeit auf.
Als einmal eine aufgebrachte Menschenmenge einen Bobby tötete, wurden die Beteiligten nicht nur freigesprochen; die Jury, die sie freigesprochen hatte, wurde von einer dankbaren Öffentlichkeit auch noch mit Silberpokalen beschenkt.
Sogar Ihre Majestät Queen Victoria verlieh ihren Zweifeln an der Leistungskraft von Scotland Yard schriftlich Ausdruck. Als es der Polizei 1888 nicht gelang, den berühmten Frauenmörder "Jack the Ripper" zu fangen, der innerhalb von wenigen Tagen auf eng begrenztem Gebiet fünf Frauen umgebracht und grausam verstümmelt hatte, schrieb sie dem Polizeichef einen Brief voller praktischer Tips, vor allem aber dies: "Ich fürchte, daß das Kriminaldepartment nicht so effizient ist, wie es sein sollte."
92 Jahre später jagt Scotland Yard, nachdem es sich zunächst monatelang über die Erfolglosigkeit der zuständigen Provinzpolizei lustig gemacht hatte, wieder -- bislang vergebens -- nach einem Frauenmörder, dem "Yorkshire Ripper", der bislang zwölf Frauen getötet hat (SPIEGEL 45/1979).
Das anfängliche Mißverhältnis von innerenglischer Kritik und weltweitem Lob für Scotland Yard wurde erst um die Jahrhundertwende behoben, als der Yard tatsächlich einige sensationelle Erfolge vorweisen konnte, so etwa die Festnahme des Gattenmörders Dr. Hawley Crippen. Journalisten, Krimi-Autoren, Drehbuchschreiber zeichneten nun auch in England zunehmend ein idealisiertes Bild von Scotland Yard.
In Deutschland wurden die Gruselromane von Edgar Wallace, die allesamt dem Ruhm Scotland Yards dienten, geradezu serienweise verfilmt. Hansjörg Felmy, das blasse Gesicht Dieter Borsches, Elisabeth Flickenschildt, London im Nebel, der nächtliche Schrei einer Eule -- Scotland Yard S.169 garantierte volle Kassen und eine Gänsehaut ganz besonderer Art.
Eine Gänsehaut lief freilich auch all jenen über den Rücken, die sich in der jüngsten Vergangenheit mit "Scotland Yard intern" befaßten -- so etwa Sir Robert Mark, der zwischen 1972 und 1977 als Chef von Scotland Yard versuchte, die Korruption in seiner Behörde auszumerzen.
Als Mark, ebenfalls ein Polizist von außerhalb, im April 1972 sein Amt übernahm, schauderte es ihn angesichts der Verhältnisse, und er klagte über seine Detektive: "Ich weiß nicht, was sie mit dem Feind anstellen -- aber bei Gott, mir flößen sie Angst ein."
Mark setzte Untersuchungskommissionen ein, die insbesondere das Rauschgiftdezernat und die Sittenpolizei überprüften. Dutzende von Beamten wurden verurteilt, kleine Detektive ebenso wie der ehemalige Chef des fliegenden Einsatzkommandos, Kenneth Drury.
Um den immer noch leidlich guten Ruf des Unternehmens nicht vollends zu ruinieren, ging Mark aber nur in den seltensten Fällen vor Gericht; er versuchte die Behörde von kriminellen Elementen zu befreien, indem er insgesamt rund 500 seiner 3500 Detektive mit sanftem Zwang dazu überredete, den Dienst vorzeitig zu quittieren.
Doch Scotland Yard war damit, wie die "Operation Landmann" zeigt, noch keineswegs gesäubert. "Mark", so erklärte jetzt dessen einstiger Chef, der frühere Labour-Innenminister Merlyn Rees, "hat Hervorragendes geleistet, aber kein Polizeichef konnte auf sich allein gestellt das ganze Krebsgeschwür entfernen, das sich bei Scotland Yard ausgebreitet hatte. Kein Zweifel, daß viel übrigblieb, als er aufhörte."
Nun versuchen erst einmal Polizisten, Polizisten zu fangen -- mit allen Tricks, die dieser einfallsreiche Berufszweig kennt. Die Beamten der "Operation Landmann" dürfen neuerdings sogar private und dienstliche Telephongespräche verdächtiger Standeskollegen abhören und aufzeichnen.
Aber auch diese Vollmacht verschafft den Briten wenig Erleichterung und Freude, seit vor zwei Wochen enthüllt wurde, daß nicht nur korruptionsverdächtige Polizisten, sondern auch unbescholtene Bürger, Journalisten, die Botschaften befreundeter Staaten und sogar Parlamentsabgeordnete im großen Stil telephonisch überwacht werden.
Eine computergesteuerte Anlage im Londoner Stadtteil Chelsea ermöglicht angeblich das gleichzeitige Abhören und Auswerten von tausend Telephonleitungen. Der "Sunday Times"-Reporter Barry Penrose ermittelte, daß sogar eine frühere Ministerin, die jetzige Abgeordnete des Europa-Parlaments Barbara Castle, abgehört wurde. Penrose: "Big Brother hört nicht nur zu, er hat auch riesige Ohren."
Davon profitiert zwar auch die "Operation Countryman"; doch im Kampf gegen die korrupten Kollegen aus der Metropole London verringert das die Schwierigkeiten der Landmänner kaum.
"Einige Polizeichefs", klagt der Labour-Abgeordnete und frühere Innenstaatssekretär Alexander Lyon, "beginnen zu glauben, daß sie über dem Gesetz stehen. Mich beunruhigen Meldungen, die darauf hindeuten, daß die Korruption der Polizei nie voll aufgedeckt wird."
Noch deutlicher wird der Londoner Strafverteidiger James Saunders, der bereits mehrere Klienten verteidigt hat, denen von korrupten Scotland-Yard-Beamten Tatwerkzeuge von Einbrüchen untergeschoben wurden, an denen sie nicht beteiligt waren.
Saunders: "Wenn die ''Operation Countryman'' nicht zu bedeutenden Prozessen führt, dann wird das verheerende Folgen haben -- denn dann weiß die ''Firma'', daß sie relativ immun ist, und wird innerhalb von Tagen oder Wochen wieder voll im Geschäft sein."
S.166
Every policeman in the force has a watch and chain, of course. (Bei
der Polizei hat jedermann eine Uhr mit Kette dran.)
*
S.166 Links: Aus "Punch" um 1880, rechts: "Konzert für eine Pistole". *

DER SPIEGEL 8/1980
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