01.09.1980

GESTORBENRosa Albach-Retty

Rosa Albach-Retty, 105. Sie ärgerte sich darüber, als "Romy Schneiders Großmutter" abgewertet zu werden. Die Doyenne der Wiener Burg war längst Theatergeschichte. "Ich glaube, man muß Schluß machen, bevor die Leute sagen: 'Warum spielt die Alte noch?'", verkündete die Schauspielerin 1958. Damals spielte sie, als ihr letztes Stück, Oscar Wildes "Frau ohne Bedeutung". 67 Jahre zuvor, 1891, hatte Rosa Clara Franziska Helene Retty am Deutschen Theater in Berlin debütiert. Mühelos und immer erfolgreich schaffte sie in ihrer fast siebzigjährigen Theaterkarriere den Wechsel von der munteren Soubrette zur eleganten Salondame und später zur alten Frau. Als Greisin, schon über hundert Jahre alt, schrieb die Staatsschauspielerin ihre Memoiren (Titel: "So kurz sind hundert Jahre"). Kurzweilig plauderte sie über ihre Begegnungen mit Reichskanzler Bismarck, der einen "milchweißen fast mädchenhaft zarten Teint und eine sehr hohe Stimme" gehabt habe, Kaiser Franz Joseph, mit dem sie in der Wiener Hofburg Worte wechselte. Die Doyenne lebte mit diesen Erinnerungen, ihr hohes Alter und ihre letzten Jahre im Künstlerheim in Baden bei Wien empfand sie eher als Last ("Die Insassen sind nett, aber es sterben zu viel"). Letzten Dienstag starb dort Rosa Albach-Retty.

DER SPIEGEL 36/1980
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