18.02.1980

AUTOMOBILEGebändigtes Übel

Der schwedische Autohersteller Saab hat eine Kraftstoff-Automatik entwickelt, die erstmals Benzin unterschiedlichster Güte für Motoren verträglich macht.
Ihre mollig-rundlichen Autos wirkten von jeher ein wenig verschroben, so als sei das vielgelästerte britische Plumpudding-Styling nach Schweden emigriert. Auf dem deutschen Markt rangierten sie meist unter "Sonstige": Nur 2821 Personenwagen konnte die schwedische Autofirma Saab 1979 an Deutsche verkaufen, das entspricht einem Marktanteil von 0,1 Prozent.
Doch Kenner haben die hochbordigen Fronttriebler allerorts geschätzt, weil die Saab-Techniker auf den Gebieten der Sicherheit und des Komforts manchen Maßstab gesetzt haben. So entwickelten sie als erste diagonal gekoppelte Zweikreis-Bremsen und heizbare Sitze.
Nun hat das schwedische Aschenputtel wieder erfolgreich getüftelt. Saab ersann als erster Autohersteller der Welt ein Automatik-System, das ermöglicht, den Motor ohne jedes Risiko mit Benzin jeder Qualität zu füttern. Die "APC" (Automatic Performance Control) genannte Apparatur, durch einige Patente abgesichert und letzte Woche in Nizza erstmals Autotestern vorgeführt, soll binnen Jahresfrist in die Serienproduktion turbogeladener Saab-Motoren eingeführt werden.
"Wir haben einige Jahre lang intensive Entwicklungsarbeit betrieben", erläuterte Saab-Triebwerkingenieur Bengt Gadefelt, ehe die Techniker "diese Probleme in den Griff bekamen".
Die Schwierigkeiten für Motorhersteller und Autofahrer erwachsen aus unterschiedlichen gesetzlichen Normen und aus schwankenden Qualitäten der Kraftstoffe. Besonders heimtückisch ist das meist kaum wahrnehmbare "Hochgeschwindigkeitsklopfen". Die mit ihm verbundenen Vorgänge können einen Motor ebenso ruinieren wie das "Beschleunigungsklingeln". Solche Phänomene treten auf, wenn sich das Gemisch zu früh und unkontrolliert entzündet. Bisher erprobte Kontrollsysteme, mit denen die Autohersteller derartigen Übeln zu entgehen suchten, erwiesen sich als zu störanfällig.
In Saabs neuer Kontroll-Automatik dagegen überwacht eine elektronische Steuereinheit den Motor, ein besonderes Magnetventil und den Ladedruck des Turboladers. Sie reguliere den Motor laut Saab "innerhalb von Sekundenbruchteilen" ein.
Der so ausgerüstete Saab 900 Turbo -- erster Turbowagen der Welt für Normalbenzin -- beschleunigt nach Angabe des Herstellers besser als der bisherige Turbo und spare dabei sogar noch bis zu acht Prozent Kraftstoff.
Das Sparen war nicht Sache des Saab 92, Urvaters aller bisherigen Saab-Modelle. 1947 hatte die Flugzeugfabrik Saab den ungewöhnlich strömungsgünstigen Wagen vorgestellt, der mit voller Absicht der Techniker "einem Flugzeug ähnelte".
Sein Motor war nach einem Prinzip gebaut, an dem die Autofabrik Saab bis 1967 festhielt und an dem sie beinahe zerbrochen wäre. Es war ein Zweitakter, unter den Verbrennungsmaschinen einer der größten Energieverschwender.
Als letzter Abkömmling des Veteranen wurde letzten Monat der Saab 96 (Bauauflage: 730 607) vom Fließband genommen: Ende der zweitältesten Karosserielinie hinter dem VW-Käfer.

DER SPIEGEL 8/1980
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