21.04.1980

Von schwarzen und roten Zahlen

Die Bundesbanker führen die Auslandskonten der Nation
Verkauft ein Stuttgarter Unternehmen Maschinen an eine französische Firma, gibt ein deutscher Tourist in Italien Geld aus oder überweist Ford Dividenden an die US-Muttergesellschaft -- alle Geschäfte, bei denen Waren oder Dienstleistungen, Geld, Forderungen oder Eigentumsrechte von Deutschen auf Ausländer oder von Ausländern auf Deutsche übergehen, werden von der Notenbank in der Zahlungsbilanz erfaßt.
Ihre Zahlungsbilanz erstellen die amtlichen Währungsbuchhalter aus mehreren Unterkonten. Die Exporte und Importe von Waren registrieren sie in der Handelsbilanz. Seit 1952 kann die exportstarke Bundesrepublik in dieser Teilbilanz mit einem Aktiv-Saldo, einen Überschuß der Ausfuhren gegenüber den Einfuhren, abschließen.
Wegen der drastisch verteuerten Importe von Öl und anderen Rohstoffen schrumpfte der Exportüberschuß 1979 allerdings auf 23,2 Milliarden Mark -- nach einem Super-Überschuß von 43,3 Milliarden Mark im Jahre 1978.
In der Dienstleistungsbilanz halten die Bundesbanker vor allem die Einnahmen und Ausgaben im Reiseverkehr sowie die von Ausländern überwiesenen oder empfangenen Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden, Gewinne) fest. Insbesondere wegen des Urlauber-Drangs ins Ausland wies diese Teilbilanz 1979 ein Defizit von 12,1 Milliarden Mark aus.
Die Übertragungsbilanz enthält neben den Zahlungen des Bundes für internationale Organisationen (vor allem die EG) als zweiten großen Posten die Überweisungen ausländischer Arbeitskräfte in deren Heimatländer (1979: 6,1 Milliarden Mark). Die Bundes- und Gastarbeiter-Zahlungen brachten die Übertragungsbilanz 1979 mit insgesamt 20,1 Milliarden Mark ins Minus.
Die Handels-, Dienstleistungs- und Übertragungsbilanz werden bei der Bundesbank zur Leistungsbilanz zusammengefaßt. Schwarze Zahlen am Schluß dieser Rechnung zeigen an, daß Forderungen gegenüber dem Ausland erhöht oder Schulden abgebaut werden.
Von 1966 bis 1978 gelang es den Bundesdeutschen stets, die Defizite in der Dienstleistungs- und Übertragungsbilanz durch Handelsbilanz-Überschüsse mehr als auszugleichen. 1979 jedoch geriet die Leistungsbilanz mit neun Milliarden Mark erstmals in die roten Zahlen.
Um neben dem Waren- und Dienstleistungsverkehr auch alle Finanzbeziehungen (Direktinvestitionen, Wertpapierkäufe, Bank- und Lieferantenkredite, Entwicklungshilfe) mit dem Ausland zu erfassen, stellen die Notenbanker überdies eine Kapitalbilanz auf. 1979 schloß der gesamte Kapitalverkehr mit einem Plus-Saldo von 7,3 Milliarden Mark. Der Bundesrepublik floß also mehr Kapital zu, als sie exportierte.
Für 1980 erwartet Präsident Pöhl neben einem Leistungsbilanz-Defizit auch ein Minus in der Kapitalbilanz.
S.42 Munition für die Vereinigten Arabischen Emirate wird am Nürnberger Flughafen verladen. *

DER SPIEGEL 17/1980
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