21.04.1980

Fehlspekulation der Rentenkäufer?

Das Startsignal kam aus den USA. Der New Yorker Geld-Multi Chase Manhattan senkte den Zinssatz für große Industrie-Kunden, Amerikas prominentester Zinsprophet, Henry Kaufmann, verkündete die Zinswende nach unten. Auf einmal waren damit für bundesdeutsche Geldmanager auch die heimischen Rentenpapiere, die sie monatelang gemieden hatten, wieder höchst attraktiv. Letzten Donnerstag stürzten sich die Finanzmanager von Banken, Versicherungen und Investmentfonds so ungestüm auf die hochprozentigen Papiere, daß die Nachfrage nicht annähernd befriedigt werden konnte. Den beispiellosen Run auf die Renten kritisierte Commerzbank-Chef Robert Dhom als "übertriebene Reaktionen auf die vorausgegangene Anleihen-Baisse". Der Massenkauf könnte sich als Fehlspekulation erweisen. Die Rentenkäufer setzen darauf, daß die Frankfurter Bundesbank die Leitzinsen nicht noch weiter anhebt. Doch die Notenbanker sind fest entschlossen, ihre Hochzinspolitik durchzuhalten. Nur mit hohen Zinsen und knappem Geld glauben die amtlichen Währungsmanager die Teuerung in Grenzen halten zu können. Schon auf den beiden letzten Sitzungen des Zentralbankrats machte sich eine starke Fraktion für eine Anhebung der Leitzinsen stark. Ein Bundesbanker: "Ein Zinsrückgang paßt nicht in die Landschaft."

DER SPIEGEL 17/1980
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