21.04.1980

Dreißigjähriger Flugblatt-Krieg

Wenn der bayrische Bär den Pfälzer Löwen in den Hintern beißt, dann ist keine FJS-Attacke auf den Schwarzen Riesen gemeint, und kein bundesdeutscher Karikaturist hat den spitzen Stift geführt. Die Tierszene ist vielmehr das Werk eines anonymen Radierers, der die militärische Lage zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges schildert. Stimmungsmache mit polemischen Bildern und Texten kam damals groß in Schwung -- das belegt jetzt eine didaktische Graphik-Schau im Braunschweiger Herzog-Anton-Ulrich-Museum: Meist anonym herausgegebene Flugblätter, die auch bereits im 17. Jahrhundert gesammelt wurden, geißelten beispielsweise lutherische Kriegsgewinnler, Hochmut des Papstes oder katholisch-"pfäffische Weinsuchts-Lust". Vieles mutet aktuell oder gar prophetisch an: Zu den Kriegszielen, die (so ein Blatt zum Ruhm der Schweden) "aus Gefängnuß und Trangsal sind erlediget worden", zählt der Ort Gorleben.

DER SPIEGEL 17/1980
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