07.07.1980

LUFTVERKEHRWillkommen in China

Selten hat die Eröffnung einer Luftlinie soviel Kopfzerbrechen bereitet wie die neue Route nach Peking.
Der chinesische Gesandte in Berlin war zur Stelle, als zwei Lufthansa-Maschinen von ihrem ersten China-Flug zurückkehrten. Auf dem Flughafen Tempelhof wünschte der Diplomat den Deutschen "alles Gute für eine regelmäßige Luftverkehrslinie von Berlin nach Peking".
Er selbst werde -- kündigte der Chinese an -- bei seiner Rückkehr in die Heimat wahrscheinlich eines der "bewährten Großflugzeuge" benutzen. Das war ein wenig voreilig.
Denn nach der Rückkehr der beiden Junkers G 24 aus Peking -- am 26. September 1929 -- passierte zunächst nichts. Erst 51 Jahre später fliegt nun die deutsche Luftlinie einmal pro Woche nach Peking und zurück.
Am 7. April dieses Jahres startete eine Lufthansa DC-10 in Frankfurt zum ersten Linienflug der neuen Asien-Route. Offiziell gilt die Route gar erst ab Montag dieser Woche als eröffnet.
So lange hat es wohl noch nie gedauert, bis eine geplante Verbindung endlich funktionierte. Und noch nie drohte ein Flugplan so oft zu scheitern wie in diesem Fall.
Zunächst sollte der Eröffnungsflug bereits im Sommer des vergangenen Jahres starten. Doch das war technisch nicht zu schaffen.
Die Chinesen ließen wissen, daß sie die Passagiere der Lufthansa DC-10 in ihrem alten Flughafengebäude nicht abfertigen könnten. Das neue Gebäude aber könne erst am 30. Jahrestag der Volksrepublik China (1. Oktober 1979) in Betrieb genommen werden.
Daraufhin setzten die Lufthansa-Planer den 1. November 1979 als neuen Termin für den Erstflug fest. Die Ehrengäste hatten zum Teil die Einladung schon dankend angenommen, da wurde der Termin erneut verschoben.
Die Chinesen teilten mit, erst im April 1980 stünden die erforderlichen Abfertigungsanlagen in Peking bereit. Vorher sei es unmöglich, ein Großraumflugzeug, das immerhin 265 Passagiere an Bord hat, innerhalb einer Stunde abzufertigen.
Die Lufthansa-Maschine sollte aber nach höchstens einer Stunde Aufenthalt in Peking wieder starten, weil sonst die Mannschaft zu lange im Einsatz sei. Neuer Starttermin also: 7. April.
Dann erbaten die Chinesen einen neuen Aufschub: Gepäckbeförderung, Flugzeugtreppen und andere Service-Geräte seien immer noch nicht voll einsatzfähig.
Die Lufthansa-Leute bestanden auf dem 7. April. Da kabelten die Chinesen zurück: "Willkommen in China, Peking-Abfertigung DC-10 gemäß Flugplan nicht möglich. Umkehrzeit mehr als zwei Stunden."
In langen Verhandlungen gelang es der Lufthansa schließlich, die Zeit für das Ent- und Beladen ihrer Maschinen auf 90 Minuten zu reduzieren. "Trotz erheblicher Bedenken", beschloß der Vorstand, "wird der geplante Erstflugtermin aufrechterhalten."
Doch nun tauchten Schwierigkeiten von ganz anderer Seite auf. Die thailändische Regierung verweigerte der Lufthansa die in Bangkok geplante Zwischenlandung. Die Thais ließen sich schließlich eine Sondergenehmigung für den Erstflug abhandeln.
Die Freude der Deutschen über den lang ersehnten Premieren-Flug hielt allerdings nicht lange an. Drei Tage nach der Landung in Peking untersagten die Vietnamesen den Deutschen, weiterhin über Vietnam zu fliegen.
Aber Aufgeben zählt nicht. Nun macht die Lufthansa nur noch in Karatschi einen Zwischenstopp und umfliegt Vietnam.
Die Flugzeit wird dadurch länger, aber die Mannschaft lernt Peking kennen: Die Crew legt einen vollen Ruhetag in der chinesischen Hauptstadt ein.
Inzwischen haben die Chinesen alles so perfekt organisiert, daß es den Deutschen an nichts fehlen wird. Sie stellten sogar 13 Fahrräder als Nahverkehrsmittel zur Verfügung.

DER SPIEGEL 28/1980
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