28.04.1980

GESTORBENAugust von Finck

August von Finck, 81. Er hatte eine eigene Eisenbahn und fuhr am liebsten VW-Käfer. Er feilschte beim Friseur ums Trinkgeld und besaß eine feine Jagd im Karwendel, ein altes Schloß in der Schweiz, 4000 Hektar Felder, Wiesen und Wälder im Bayrischen. August Georg Heinrich von Finck war einer der reichsten Männer der Republik. Mit einem zehnstelligen Markbetrag wurde sein Vermögen zuletzt bewertet. Auch in den hektischen Zeiten vor, zwischen und nach zwei Weltkriegen konnte man soviel nicht erwerben -nur erben. Vater Wilhelm war denn auch das eigentliche Genie der Familie und der Gründerjahre. Als Sohn August das Erbe 1924 übernahm, konnte er auf ein krisenfestes Imperium aus Sachwerten bauen. Besonders wertträchtig erwiesen sich dabei die ausgedehnten Latifundien im Osten von München, die sich wie eine Sperr-Majorität um die expandierende Stadt legten. Der Grund und Boden wurde durch den Bauboom der Bayernmetropole immer ertragreicher. Der Sozialdemokrat und spätere Münchner Oberbürgermeister Kronawitter übte öffentlich Schelte: "Der Herr von Finck hat jeden Morgen, wenn er aufwacht, schon eine Million verdient." Der Bauer und Bankier (in dieser Reihenfolge) brachte den erregten SPD-Mann durch ebenso langwierige wie kostspielige Prozesse mit Erfolg zum Schweigen. Auch unliebsame Berichte im Fernsehen konterte er mit mehrseitigen Anzeigensalven in den größten überregionalen Zeitungen -- ein paar hunderttausend Mark Kosten spielten da keine Rolle. Privat, auf seinem Gut Möschenfeld oder als Prinzipal in seinem Bankhaus in München, mochte er so spendabel nicht sein. Den dreihundert Angestellten versagte er lange die Armlehnen an den Stühlen, denn "die haben doch beim Arbeiten die Hände auf dem Tisch". Mit solch ehernem Arbeitsethos wahrte und mehrte der Protestant das ererbte Vermögen -über den Tod hinaus: Seine beiden Söhne aus erster Ehe -- zwei von insgesamt vier -- sind durch ausgeklügelte Verträge unausweichlich an die Familien-Holding "Agricola" gefesselt. Bei seinen öffentlichen Widersachern aber rächte er sich bitter: Fincks wertvolle Kunstsammlungen vermachte er nicht der Stadt München, sondern einer Schweizer Stiftung. Letzten Dienstag starb August von Finck auf seinem Gut bei München.

DER SPIEGEL 18/1980
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