22.09.1980

Jenseits der Grenze

Ein italienischer Neofaschist ist seit vier Jahren bemerkenswert aktives Mitglied der CDU: Bruno Zoratto, 34, kandidierte 1978 auf Platz 14 des neofaschistischen "Movimento Sociale Italiano -- Destra Nazionale" (MSI-DN) für das Europaparlament. In der zentralen Mitgliederkartei der CDU im Bonner Konrad-Adenauer-Haus wird Zoratto, Mitgliedsnummer 04033, als "Fachjournalist" geführt, weil er in Stuttgart die Zeitung "Oltreconfine" ("Jenseits der Grenze") herausgibt. Das Blatt liegt stramm auf dem Kurs des MSI-Chefs Giorgio Almirante. Außerdem betreibt der CDU-Mann von ganz rechtsaußen eine Organisation für Gastarbeiter. Und die, so Zoratto, arbeitet mit dem Christlichen Gewerkschaftsbund (CGB) "vertrauensvoll und eigentlich reibungslos" zusammen.
Dem CGB sitzt der CDU-Bundestagsabgeordnete Günter Volmer vor.
Im Wahlkampf engagiert sich Zoratto für Franz Josef Strauß: Der Neofaschist gehört zu den Unterzeichnern eines "Appells in gemeinsamer europäischer Verantwortlichkeit", den der Pro-Strauß-Verein "Ausländerinitiative für den CSU/CDU-Kanzler" verbreitet. Hinter der Initiative steht Zorattos ultrarechte "Oltreconfine".

DER SPIEGEL 39/1980
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