22.09.1980

Nonsens im Leitz-Ordner

Von der "Sehr geehrten Bundesregierung" wollte Martin Schley wissen, ob man nicht für morgens die Normal- und für nachmittags die Sommerzeit einführen könnte -- unter Geschäftszeichen VI 6 -135 501 II wies ihm ein Beamter im Innenministerium sorgfältig nach, daß dann der Zeitraum von 0 bis 12 Uhr "nur elf und der Zeitraum von 12 bis 24 Uhr stets 13 Stunden" betrage: Beispiel aus "Die deutsche Akte", die der Mannheimer Sozialpädagoge und Kleinkünstler Schley beim Heidelberger Ketchup/Burkert Müller-Verlag herausbrachte. Das 158-Blatt-Werk im Leitz-Ordner (12,80 Mark), deutlich inspiriert vom "Schweizerbuch" des Eidgenossen Robert Käppeli, enthält Schley-Korrespondenzen aus 19 Jahren, unter anderem mit Papst Johannes XXIII., Joseph Beuys oder der DKP. CDU-Politiker Kurt Biedenkopf erklärt tapfer, vom Strauß-Wort "Dem Bürscherl hätte man rechtzeitig Kunstdünger in die Schuhe schütten müssen" nie gehört zu haben. Für seinen Herrn, den bayrischen Ministerpräsidenten, versichert Kanzlei-Leiter Wilhelm Knittel: "Die mit Herrn Strauß zusammenarbeitenden Politiker sind weder 'Masochisten' noch 'Schwachköpfe'."

DER SPIEGEL 39/1980
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