14.07.1980

GESTORBENHans-Joachim Schoeps

Hans-Joachim Schoeps, 71. Er war ein ungewöhnlicher Farbfleck auf der grauen Palette deutscher Universitäten: der einzige Professor für Religions- und Geistesgeschichte, ein preußischer Jude, für den das Preußentum eine moralische Haltung und das Judentum Religion, nicht Rasse war. Der Sohn eines Oberstabsarztes aus Berlin verkörperte den Typ des assimilierten Juden, der so sehr Deutscher war, daß er sogar das drohende Unheil des Nationalsozialismus nicht sehen wollte. 1938 floh er nach Schweden, seine Eltern wurden von den Nazis ermordet. 1946 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde Professor in Erlangen. In der schwedischen Emigration hatte er sich mit der vorchristlichen Essener-Gemeinde beschäftigt. Seine Studien wurden 1947 durch die Funde am Toten Meer bestätigt. Als er 1951 in der Erlanger Universität einen Festakt zum 250. Geburtstag Preußens inszenierte, blieben seine Kollegen demonstrativ fern. Ihnen galt er als vorgestriger Konservativer, der sogar Bismarck das Konservative absprach. Letzten Dienstag starb Schoeps in Erlangen.

DER SPIEGEL 29/1980
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