24.08.1981

Bonn verhinderte Truppeneinsatz

Nach zweimonatigen Verhandlungen mit Vertretern der kurdischen Widerstandsbewegung erreichte die Bundesregierung vergangene Woche die Freilassung von fünf Deutschen, die im Frühsommer von kurdischen Guerilleros entführt worden waren. Die Techniker, vier von der Stuttgarter Baufirma Ed. Züblin AG zum Aufbau einer Fliesenfabrik im nordirakischen Kirkuk entsandt, trafen Ende letzter Woche in Frankfurt ein.
Die Geiselnehmer mußten mit einem Teilerfolg zufrieden sein. Bonn lehnte die ursprünglichen Forderungen der für die Tat verantwortlichen Patriotischen Union Kurdistans (PUK) ab -- vor allem Lösegeld und Abbruch der Wirtschaftsbeziehungen mit dem Irak.
Statt dessen sagte die Bundesregierung humanitäre Hilfe zu: An die kurdische Bevölkerung werden demnächst Arzneimittel verteilt. Für den glücklichen Abschluß des bislang größten Entführungscoups gegen Bundesbürger bedankte sich Bonn demonstrativ artig: "Damit sind die Kurden den Sympathien gerecht geworden, die sie in der deutschen Bevölkerung genießen."
Die Regierung in Bagdad war von den Bonner Unterhändlern, unter ihnen Vertreter verschiedener Ministerien sowie Beamte des Bundeskriminalamtes, des Bundesnachrichtendienstes und des Verfassungsschutzes, ständig über den Stand der Verhandlungen auf dem laufenden gehalten worden. Ein gewaltsames Befreiungsmanöver durch Truppen, zeitweise ernsthaft erwogen, konnten die Deutschen den Irakern ausreden.
Die linke Patriotische Union versteht sich als "frontähnlicher Rahmen für alle in Kurdistan aktiven Parteien und Organisationen" und streitet für die Autonomie der Kurden. Jahrelang unterstützte der Iran die Bewegung mit Waffen und Geld im Kampf gegen die Regierung in Bagdad.
Die Hilfe endete nur vorübergehend, nachdem sich Iran und Irak auf der Opec-Konferenz in Algier 1975 auf Kosten der Kurden einigten. Teheran stellte die Militärlieferungen ein, der Irak trat dafür einen Landstreifen in der Grenzregion am Schatt el-Arab an Teheran ab.
Pikant: Bonn organisierte die Abreise der freigelassenen Geiseln über Teheran, der Hauptstadt des Feindeslandes. Zwist mit den Irakern über diese Aktion vermieden die Bonner. Ein Diplomat: "Wir haben sie nicht gefragt."

DER SPIEGEL 35/1981
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