24.08.1981

FRISBEEWie Wolf und Bumerang

Das Flugspiel mit Frisbee-Scheiben hat sich zum Sport mit Rekorden und Weltmeisterschaften entwickelt - und zum Millionengeschäft.
Als ein Kirchendiener ihm den Teller für die Kollekte zureichte, packte den Yale-Studenten Elihu Frisbee der Zorn. Er wirbelte die Silberplatte weit über die Köpfe der Gemeinde.
Daraus sei, so die älteste Entstehungsgeschichte, das Frisbee-Spiel entstanden, das sich längst über die Welt verbreitet hat. Glaubhaft klingt eher die Anekdote aus der Yale-Universität: Deren Kantine bezog von der "Frisbee Pie Company" Apfelkuchen auf dünnen Zinntellern. Statt sie gegen Pfand abzuliefern, hätten die Studenten damit geworfen.
Fest steht, daß ein Frederick Morrison 1948 die Idee der fliegenden Teller aufgriff, sich das Copyright für den Namen Frisbee sicherte, Wurfscheiben aus Plastik fertigte und sie am Strand verscherbelte. Später verkaufte er eine Lizenz an die "Wham-O-Company", die zuvor den Hula-Hoop-Reifen auf den Markt gebracht hatte. "Es war ein Millionen-Dollar-Geschäft", erinnerte sich Wham-O-Vizepräsident Ed Headrick.
Inzwischen wirbelte das Werk schon mehr als 100 Millionen fliegende Suppenteller über die Welt. Die unterschiedlich großen Frisbee sausen mit 150 km/h Anfangsgeschwindigkeit durch die Luft. Konzerne wie Coca-Cola oder McDonald's verbreiteten sie als Werbegeschenke.
Durch Tests im Windkanal haben die Hersteller die Flugeigenschaften verbessert. An der Universität von Sacramento hielt Frisbee-Profi Bill Schneider schon Vorlesungen über "Frisbee-Aeronautics". Sogar die US-Marine testete, ob sie zur Nachrichten-Übermittlung verwendbar seien.
Die Frisbee-Werke heuerten Artisten an, die mit den erschwinglichen Scheiben (bis zu acht Dollar für Wettkampfmarken) etwa bei einem Freiluft-Konzert der Rolling Stones oder in der Pause bei Sportwettkämpfen vorführten, wozu das Wurfspielzeug taugt.
"It's my life and it's my wife", es bedeutet Leben und Liebe für ihn, versicherte überschwenglich John Kirkland, einer von mittlerweile etwa 70 Profis. Sie leben von Vorführungen, von der Ausbildung und von Preis-Turnieren. Kirkland tingelte mit den Basketball-Profis Harlem Globetrotters um die Welt.
Mit Frisbee-Scheiben vergnügen sich schon Millionen. Auch in der Bundesrepublik zählen sie zu den gebräuchlichsten Trimmgeräten. Aber längst hat sich daraus ein Leistungssport entwickelt. Seit drei Jahren finden deutsche Meisterschaften statt. In den USA gibt es allein 100 000 organisierte Frisbee-Fans.
Die erfolgreichsten Spieler tragen am kommenden Sonntag in Pasadena bei Los Angeles Weltmeisterschaften aus. Um das Preisgeld (50 000 Dollar), das der japanische Sponsor Mazda aussetzte, bewerben sich 150 Teilnehmer aus 13 Ländern einschließlich der Bundesrepublik. Jeder Zuschauer, und die Organisatoren rechnen mit 35 000, bekommt eine Frisbee-Scheibe.
Um Titel und Prämien geht es in fünf Disziplinen: Im Weitwurf steht der Weltrekord bei 140,50 Meter. Im Wurf- und Fangwettbewerb muß die Scheibe wie ein Bumerang wieder eingefangen werden. Beim Frisbee-Golf gilt es, die Scheibe über verschiedene Spielbahnen zu treiben und schließlich in Löcher zu bugsieren.
In der Freistil-Kür versuchen Spieler wie US-Weltmeister Victor Malafronte Kunstwürfe aus der Hocke oder im Sprung. Schließlich bekämpfen sich zwei Konkurrenten, von denen derjenige gewinnt, dem es glückt, beide Spielscheiben im gegnerischen Feld anzulanden. Alle Disziplinen werden nach Punkten bewertet. Der Spieler mit der höchsten Gesamtpunktzahl gewinnt die Kombination.
Um die Weltmeisterschaft kämpfen nicht nur Männer und Frauen. In einer dritten Klasse spielen Hunde mit: Sie müssen die fliegenden Teller meterhoch aus der Luft schnappen.

DER SPIEGEL 35/1981
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