29.06.1981

Steigt Burda bei Springer ein?

Großverleger Axel Springer will Anteile seines Presseimperiums verkaufen. Derzeit verhandeln Springer-Manager mit Vertretern des im badischen Offenburg beheimateten Burda Verlags über eine Beteiligung an dem mit "Bild" und "BamS", "Welt" und "WamS", "Hamburger Abendblatt", "Berliner Morgenpost" und "BZ" größten westdeutschen Zeitungshaus.
Vorgesehen ist im Herbst eine Transaktion von 25 Prozent, mit der Perspektive, sie später auf einen Anteil Burdas an Springer von 51 Prozent zu erhöhen.
Bislang ungeklärt sind die mit dem Handel verbundenen kartellrechtlichen Fragen. Fachleute halten jedoch den Burda Verlag ("Bunte") im Vergleich zu "anderen in Frage kommenden Bewerbern noch für am wenigsten problematisch".
Im Spätsommer 1980 waren Verhandlungen Springers mit dem Hamburger Heinrich Bauer Verlag unter anderem gescheitert, weil beide Häuser je zwei große Programmzeitschriften herausbringen: Springer die "Hörzu" und die "Funk Uhr", Bauer die "TV Hören und Sehen" und die "Fernsehwoche". Burda besitzt mit der "Bild + Funk" ebenfalls ein Programmblatt.
Schwierigkeiten dürfte es bei einem erfolgreichen Abschluß auch bei den Frauenzeitschriften geben. So scheint ausgeschlossen, daß Springers "Journal für die Frau" mit Burdas "freundin" und "burda moden" verflochten werden darf. Zudem könnte das Bundeskartellamt den Handel wegen der Gesamtgröße beider Unternehmen verbieten.
Eine "formelle Anmeldung" liegt der Berliner Behörde bislang noch nicht vor, Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff soll aber bereits über den Plan informiert worden sein.
Ungewiß müßte bei einem solchen Verbund von Springer und Burda das Schicksal der rechtslastigen "Welt" sein. Die Offenburger könnten das stark defizitäre Renommier-Blatt des Springer-Konzerns (Umsatz jährlich fast zwei Milliarden Mark) schwerlich S.15 übernehmen wollen. Allein kann Springer aber den jährlichen "Welt"-Verlust von rund 35 Millionen Mark kaum verkraften, selbst wenn er es wollte.
Springer-Finanzchef Christian Kracht spielt die Kontakte zu Burda noch herunter. Kracht zum SPIEGEL: "Konkrete Überlegungen, die reif wären, sie Ihnen zu sagen, gibt es nicht."
Daß der 69jährige Springer an Verkauf denkt, ist offenkundig. Schon 1974 hatte er einer Bankengruppe eine 25-Prozent-Beteiligung angeboten. Die offerierten 175 Millionen Mark waren ihm allerdings zuwenig.
Besonders nach dem Selbstmord von Springers ältestem Sohn Axel Anfang letzten Jahres kommen "laufend Gesprächsangebote aus dem In- und Ausland", wie ein hochrangiger Springer-Mitarbeiter weiß.
Der Geschäftskontakt zu den Burdas habe sich, so kolportierten Branchenkenner, aus der Begegnung Springers mit dem Kondolenzbesucher Franz Burda junior bei der Beerdigung von Axel Springer junior am 9. Januar 1980 ergeben.
Verlagsgründer Franz Burda senior, 78, hat sein Haus bereits bestellt. Geschäftsführende Gesellschafter der Burda GmbH sind seine Söhne Franz, Frieder und Hubert. Die von Hubert geleitete "Bunte" ist, ganz im Sinne Springers, strikt konservativ, soweit sie Politik enthält.
Ob die Burdas die künftigen Springer-Teilhaber sind -- "bis zur Stunde", so Manager Kracht, "kann ich Ihnen diese Frage nur mit nein beantworten".

DER SPIEGEL 27/1981
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