29.06.1981

GESTORBENWilli Bleicher

Willi Bleicher, 73. Er wütete auf Streikversammlungen mit Klassenkampfparolen gegen das Kapital und weinte während harter Lohnverhandlungen, wenn er sich vom Tarifpartner in die Enge getrieben fühlte. Dreizehn Jahre lang, von 1959 bis 1972, führte der Gewerkschafter den Tarifbezirk Nordwürttemberg-Nordbaden der IG Metall an und setzte etliche Tarifabschlüsse durch, die für das ganze Bundesgebiet maßgeblich waren. Den Arbeitgebern galt der ehemalige Kommunist, der einst von den Nazis ins KZ gebracht worden war, als Scharfmacher, der ohne Not Streiks provozierte, als Radikalinski, Schauspieler und verhinderter Revolutionär. Aber die Tarifpartner, allen voran Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer, schätzten den Stuttgarter auch als Pragmatiker, der als einziger seiner Zunft die Basis wirklich noch im Griff hatte. "Er konnte überzeugen, weil er überzeugt war", sagte IG-Metall-Chef Eugen Loderer über den Lohnkämpfer. Als Bleicher 1972 in den Ruhestand trat, wurde Franz Steinkühler sein Nachfolger. Letzten Dienstag starb Willi Bleicher in Stuttgart.

DER SPIEGEL 27/1981
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