09.08.1982

„Gaddafis Nonnen der Revolution“

SPIEGEL-Redakteurin Swantje Strieder über die libyschen Soldatinnen und ihre Militärakademie
Macht sie nieder, Schwestern", johlen die Zuschauer, "zeigt''s ihnen, sie sollen zittern, wenn sie euch sehen." Libysche Soldatinnen marschieren. In strammer Haltung, den rechten Arm zum Gruß angewinkelt, ziehen sie ins Stadtstadion von Tripolis ein - eng anliegender Kampfanzug, Knotenschlips, Koppel.
Der Jubel am Rande des Exerzierfeldes mischt sich mit den schrillen Tönen des libyschen Dudelsackregiments, musikalisches Erbe der britischen Besatzung in den vierziger Jahren.
Doch das martialische Bild der Amazonen hat Sprünge: Unter dem grünen Barett oder dem roten Käppi tragen die jungen Libyerinnen lange offene Haare oder dicke schwarze Zöpfe, die im Takt zur Marschmusik wippen. Einige Mädchen staksen gar auf hochhackigen Sandalen durch den Sand, nicht ohne hin und wieder umzuknicken. "Der Feind wird wohl eher vor Lust zittern", höhnt ein älterer libyscher Zuschauer über die weiblichen Milizionäre, die meisten noch im Schulalter.
Nach dem Aufmarsch, der von strammen Offizierinnen angeführt wird, beginnt das Exerzieren. Mit gellen Schreien stürzen sich die ehrgeizigsten und schnellsten der jungen Soldatinnen an die Maschinenpistolen. In Sekunden haben sie die "Kalaschnikows" in Einzelteile zerlegt und wieder zusammengebaut, schneller als ihre männlichen Konkurrenten beim militärischen Wettbewerb der Tripolitaner Schulen.
"Schwester, was du hier siehst, ist der Beginn der Frauenrevolution", hebt Ali, libyscher Begleiter für die Ausländer, pathetisch an. Da läßt der hagere, grauhaarige Militärausbilder mit dem Alec-Guinness-Gesicht sein Offiziersstöckchen sinken und starrt zu den Raketenfahrzeugen: Eines der Mädchen, die am Steuer der schweren Militärlaster sitzen, hat vor Aufregung Gas gegeben. Der Mehrtonner macht einen Satz und rast auf die kreischende Menschenmenge am Rande des Feldes zu. Im allerletzten Moment findet die Soldatin die Bremse.
"Autofahren muß gelernt sein", skandiert ein boshafter Männerchor von der Tribüne. Auch in Ali, eben noch ein glühender Verteidiger der Frauenbefreiung, siegt nun wieder der arabische Macho: "Hoffentlich drücken die nicht auf den falschen Knopf", meint er skeptisch beim Betrachten einiger Soldatinnen, die auf einer großen Abwehrrakete herumturnen, "sonst sprengen die Schwestern noch unser schönes Tripolis in die Luft!"
Bilanz der Militärübung: ein vom Lastwagen leicht verletzter Zuschauer und eine Schar grüner Mädchen, die weinend zusammengesunken sind, weil sie fürchten, sich lächerlich gemacht zu haben - eine Blamage für Gaddafis Soldier girls, eine der ersten modernen weiblichen Truppen Afrikas.
Die Mädchen scheinen wirklich zu leiden, denn für sie sind diese militärischen Übungen mehr als Kriegsspiel, ihre Bedeutung geht weit über die Grenzen des staubigen Exerzierfeldes hinaus: Der Aufmarsch zeigt das Vordringen der Frau in einer seit biblischen Zeiten frauenfeindlich orientierten Gesellschaft, und das auf einem Gebiet, dem Kriegshandwerk, das gerade die Araber als spezifisch männlich ansehen.
Jeder zehnte Offizier in Libyen ist heute eine Frau. Frauen lassen Männer strammstehen, die noch vor 20 Jahren ganz selbstverständlich von ihnen verlangt hätten, daß sie nur zweimal im Leben das Haus verlassen dürften - das Haus des Vaters im Brautkleid, das Haus des Mannes im Totenhemd. S.107
Es ist ein systemwidriger Kraftakt für eine islamische Gesellschaft, ein unerhörter Versuch, den das Land nur wagte, weil der Befehl dazu von ganz oben kam: Ausgerechnet der arabische Exzentriker Muammar el-Gaddafi, der sich auf seine Frömmigkeit als Moslem viel zugute hält, will als Held der libyschen Frauenemanzipation in die Geschichte eingehen.
Und er hat sich eine für Allahs Anhänger ungewohnte Lehre zurechtgelegt: "Die Zeiten, wo der Mann die Frau beherrschte, nur weil sie eine Frau war, müssen ein für allemal vorbei sein", mahnt Gaddafi, denn, so steht es in seinem Grünen Buch, "die Frau liebt und haßt so wie ein Mann ... Die Frau denkt, lernt und versteht wie ein Mann ... Die Frau lebt und stirbt so, wie der Mann lebt und stirbt."
Doch hinter seiner neuen islamischen Gleichheitsidee stehen auch höchst weltliche Interessen: Im Ernstfall will Gaddafi eine Million Libyer unter Waffen haben, ein Kunststück bei den nur drei Millionen Einwohnern des nordafrikanischen Wüstenlands, das dazu siebenmal so groß ist wie die Bundesrepublik. Spätestens seit dem libysch-amerikanischen Luftzwischenfall im vergangenen Sommer über der Großen Syrte fühlt sich Mittelmeeranrainer Gaddafi bedroht: "Reagan ist ein Wolf. Also müssen wir noch wölfischer sein", sagt einer seiner Offiziere.
So hat Gaddafi denn - ganz wie der Todfeind Israel - die einstige Männerdomäne Militär den Frauen geöffnet. Alle Mädchen müssen schon in der Oberschule ran an die Gewehre und eine Grundausbildung in der Miliz (eine Art Volkssturm) machen. Die besten von ihnen dürfen, wenn sie nicht Ärztin, Lehrerin oder Ingenieurin werden wollen, Gaddafis Lieblingseinrichtung besuchen, die einzigartig in der Welt ist:
"Militärakademie für Frauen" steht in arabischer Schönschrift über dem Tor des unauffälligen, grauen, zweistöckigen Gebäudes, das zwischen den Geschäftshäusern und Wohnblöcken an der Omarel-Muchtar-Straße, der Hauptverkehrsader von Tripolis, liegt. Die Pforte wird bewacht - von Männern. Doch wenn eines der Mädchen passiert, pfeift keiner durch die Zähne, denn schon morgen könnte sie sein Chef sein. Und an der Muchtar-Straße wird nicht gespaßt.
Für die 1800 Offiziersanwärterinnen ist der Drill so hart wie in irgendeiner anderen Männerarmee der Welt, die Moral so streng wie in einem Schweizer Mädchenpensionat um die Jahrhundertwende: Um sechs Uhr wird geweckt, das Bett gebaut, die Stube gefegt. Schminke und Make-up sind im Dienst unerwünscht.
Alkohol oder Drogen im Spind werden in Gaddafis puristischem Land noch strenger geahndet als anderswo. "Sind wir denn Amerikaner?" sagt der Akademieleiter, ein "Bruder Major", der seinen Namen wie ein Militärgeheimnis hütet - und natürlich auch keine Frau ist.
Wenn um 6.30 Uhr die grüne libysche Revolutionsfahne im stachelverdrahteten Hof gehißt ist, beginnt der Unterricht. Die Mädchen, Abiturientinnen um die 18 Jahre, deren Mütter oft nicht lesen und schreiben können, studieren Clausewitz und den Jom-Kippur-Krieg, vertiefen sich in Lehrbücher für die Bedienung von Panzern und Raketen, über Mechanik, Ballistik und Physik.
Die Ausbilder in Klassenzimmer und Kasernenhof sind Männer. Am Nachmittag hetzen sie die Mädchen über die Aschenbahn im benachbarten Stadion, lassen sie bis kurz vor dem physischen Zusammenbruch Runden drehen. Da keuchen die Amazonen beim Liegestütz, robben ächzend über den Sand und legen danach, gleichsam zur Erholung, auf Sandsäcke an.
Nachtmärsche mit Orientierung an den Sternen, Überlebenstraining in der Wüste, wo sie sich von Heuschrecken und ähnlichem Getier ernähren, großer Ernteeinsatz in den Oasen oder auf den Olivenfeldern - "Bruder Major" erspart seinen Zöglingen nichts.
Für die "Nonnen der Revolution", wie Gaddafi die Kriegsschülerinnen nennt, ist auch nach Dienstschluß noch nicht Feierabend. Nur wer sein Elternhaus in Tripolis hat, kann um 16 Uhr nach Hause gehen. Die anderen müssen den Abend in der Kaserne mit Politausbildung und Diskussion bestreiten. Das Grüne Buch des allmächtigen Obristen geben alle vor zu kennen.
Trotz des harten Soldatenlebens kann der Akademieleiter nicht über mangelnden Zulauf klagen: Mädchen aus allen Schichten, sagt er, Töchter von Beduinen, Bauern, Beamten und Basarhändlern bewerben sich, denn die Mutter Armee bietet - für Millionen arabischer Frauen nur ein Traum - gleiche Rechte, gleichen Lohn, gleiche Arbeitszeiten wie S.108 für Männer sowie einen krisenfesten Job bis zur Pensionierung.
Wichtiger noch: Die Mädchen können hier schnell Karriere machen. "Als ich vor drei Jahren zum Militär wollte, hielt mich mein Vater für verrückt", sagt Leutnant Kamilla Abd el-Atif, 19: "Heute hat er sich daran gewöhnt und findet es sogar gut."
Kamilla gehört zu den ersten Absolventinnen der Militärakademie, den Pionierinnen, die damals auf offener Straße wie Fabelwesen angestarrt wurden. Die Muftis waren wütend, aber Gaddafi konnte sich durchsetzen. "Und schließlich haben wir Frauen schon vor Jahrhunderten mit dem Krummschwert für den Islam gekämpft", meint Kamilla.
Heute bildet sie schon selbst Oberschülerinnen für die Miliz aus. Langhaarig, mit massivgoldenen Ohrringen, in eng geschnittener Uniform, sitzt sie in ihrem Büro. Ein Mann klopft, nimmt Haltung an und serviert auf einen Blick von Frau Leutnant den Tee und süße arabische Törtchen. Dann verschwindet er, respektvoll rückwärts gehend, durch die Tür.
Was passiert, wenn Schwester Leutnant mal Männer so richtig "zusammenscheißt"? Maulen sie nicht, wenn Kamilla etwa einer Transporteinheit Kommandos gibt? Befehlsverweigerung? Die männlichen Offiziere im Raum gucken sich an. "Überhaupt kein Problem", behauptet einer, "wirklich nicht." Alle schütteln die Köpfe, ein bißchen zögernd.
Sie schauen auf Kamilla, die leicht zusammengezuckt ist: "Ich spüre, daß wir Frauen für sie noch immer die zarten lieben Wesen sind", sagt sie vorsichtig, dann aber entschlossener: "Ich hoffe, sie kriegen es eines Tages in ihre Köpfe, daß wir dasselbe leisten können oder sogar mehr."
Gaddafi geht es ums Prinzip: "Ihr seid die ersten Botschafter für die Befreiung der unterdrückten Frau", lobte er kürzlich die Offiziersanwärterinnen, "ihr seid der beste Beweis dafür, daß die Araberin in der Lage ist, sich von der Harems- und Sklavenmentalität zu befreien."
Auf diesem Weg hat Gaddafi wohl schon einiges erreicht, das müssen ihm auch die Feinde des als Weltterrorist verschrienen Obersten zubilligen. Auch sein Erfolg bei der Emanzipation der Frau hängt, so weiß Gaddafi, von seinem Ölreichtum ab: Erst Wohlstand und Konsum, Autos, Fernsehen und Kassettendecks haben den Männern den Verzicht aufs Paschadasein versüßt.
Geld allein jedoch macht die Frauen noch nicht freier, lehrt das Beispiel der Ölscheichtümer am Golf. Gaddafis Engagement entschied die Richtung: "Liebe Brüder, die Frau muß endlich als Mensch leben und ihren Weg selbst bestimmen, ihre Würde muß respektiert werden", mit solchen Sätzen verstörte Gaddafi seine Landsleute, die noch nach dem Koranspruch leben, daß das Wort eines Mannes doppelt soviel gilt wie das einer Frau.
Ganz im Gegensatz zum Ajatollah Chomeini, der den Perserinnen im Namen Allahs wieder den schwarzen Tschador aufzwang, legten die jungen Libyerinnen - ebenfalls im Namen Allahs - die weißen Schleier ihrer Mütter ab. Seither kleiden sie sich in Rock und Bluse, mit einem Geschmack, der an den Chic der Römerin erinnert - letztes Relikt der Kolonialmacht Italien.
Die Entschleierung war ein Signal, dem Reformen folgten. Gaddafi, selbst einmal geschieden und wieder verheiratet, hat die Vielehe abgeschafft. Kein Libyer kann heute mehr seiner Frau erklären: "Dein Gesicht ist mir wie dein Rücken" und sie verstoßen, weil sie die Suppe dreimal versalzen hat oder keinen Sohn zur Welt bringt. Beide, Mann und Frau, können die Scheidung beantragen.
"Früher hat der Vater, den Stock in der Hand, die Haare der Tochter mit der anderen gepackt und so lange auf ihr herumgedroschen, bis sie in die ihr vorbestimmte Ehe eingewilligt hatte", erzählt Nihmet Bahri von der libyschen Frauenvereinigung. Heute kann die Libyerin - im Gegensatz zu den Frauen in den meisten arabischen Ländern - selbst entscheiden, wen sie heiratet und wen nicht. S.109
Auch in der Ehe geht es nicht mehr unbedingt nach alter Herrensitte zu. Während der Koran offenbart, "Eure Frauen sind Euch ein Acker; so naht Eurem Acker, wann und wie Ihr wollt" (Sure El-Bakarah 224), fordert Nihmet Bahri, was nicht einmal im Westen durchweg anerkannt ist: "Wir wollen keine Lustobjekte mehr sein und nicht wie Möbelstücke behandelt werden." Von der Wand in ihrem Büro lächelt der Staatschef zustimmend im Vierfarbendruck.
"Schauen Sie mal durchs Fenster", fordert Nihmet auf. Draußen kurven Libyerinnen selbstbewußt im Mittelklassewagen herum. "Saudische und selbst ägyptische Muftis zweifeln noch, ob geistig niedrigstehende Wesen wie Frauen überhaupt einen Führerschein machen dürfen."
An libyschen Universitäten hätten die Fundamentalisten noch mehr Grund zum Entsetzen. Dort studieren Jungen und Mädchen gemeinsam, und die Zahl der weiblichen Studenten steigt. Während 1951, als Libyen unabhängig wurde, mehr als 90 Prozent der Frauen weder lesen noch schreiben konnten, stellen sie heute schon ein Drittel aller Studenten, so wie in der Bundesrepublik.
Welche Kräfte er bei denen auslöste, die seit Jahrhunderten "Gefangene der rasselnden goldenen Armbänder ihres Mannes" waren (so der syrische Soziologe Sadik el-Asm), hat Gaddafi das überschaut? Wie im arabischen Märchen ist der Geist nun aus der Flasche und läßt sich so leicht nicht mehr einfangen.
Von radikaler Emanzipation nach westlicher Art, von freier Liebe und sexueller Revolution hält Gaddafi dagegen nichts. Im Westen, so glaubt er, werde die zarte Natur der Frau durch falsch verstandene Gleichheit verstümmelt. "In der Industriegesellschaft wurde die Frau zum Mann, um die Rechte des Mannes zu erwerben", doziert er, "in der libyschen Gesellschaft dagegen soll sie die Rechte eines Mannes bekommen, aber die Pflichten einer Frau erfüllen."
Und die erste Pflicht der Frau, so glaubt auch der Libyer, besteht immer noch im Gebären. "Männeraufgaben verhüllen die Schönheit des weiblichen Wesens, das wie eine Blüte dazu beschaffen ist, mit Pollen bestäubt zu werden und eine neue Frucht zu erzeugen". Gaddafi, der islamische Visionär, stellt sich an die Spitze der libyschen Frauenbewegung, um sich doch gleichzeitig vor ihr querzulegen.
Soldatenleben, Kinder, Küche und Koran - wie das alles zusammenpassen soll, müssen die jungen Libyerinnen und auch ihr Gönner selbst erst noch herausfinden. Leutnant Kamilla ist da optimistisch. "Wenn ich mal heirate, bleibe ich beim Militär." Und auch ihre Kinder will sie in der Kaserne gebären - Soldatin mit Mutterschutz.
Da fühlen sich jedoch die alten Haudegen, die weder Tod noch Reagan fürchten, überfordert. Das gehe an die Disziplin der Truppe. "Bauchschmerzen, Kinderkriegen, Babys stillen", grummelt ein hoher Militär, "soll der Feind da jedesmal warten, bis sie wieder fit sind?"
Leutnant Kamilla greift sich ein Gewehr und wirft es der Besucherin aus Deutschland zu: "Schwester, willst du nicht zu mir in die Ausbildung kommen?"
Kann sie sich vorstellen, daß sie wirklich tötet, den Feind einfach abknallt? "Wenn sie kommen, klar", sagt sie. Die Antwort klingt wie einstudiert.
Den Ernstfall hat es für sie noch nicht gegeben, und die Frauen sollen auch bei Gaddafi vor allem Versorgungs- und Transporteinheiten anführen, die U-Boot- und Raketenwartung überwachen, aber auch Raketen abschußfertig machen - abfeuern tut sie dann ein Mann. "Technisches Verständnis und Verantwortung, das ist für uns Frauen in diesem traditionellen Land doch schon ein Riesenfortschritt", meint Kamilla.
So ganz gleich sind die weiblichen Soldaten ihren männlichen Waffenbrüdern nämlich doch nicht. Es gibt noch keine Libyerin im Cockpit einer MiG, "eine Pilotenausbildung ist für Frauen nicht drin", sagt Oberleutnant Abdallah Mansur kategorisch, "die halten das knallharte Training nicht durch". Mit männlicher Logik fügt er hinzu: "Warum sollten wir da besser sein als eure Lufthansa? Die wird schon wissen, weshalb sie bisher keine Frauen in die Kanzel ließ."
Kamilla mit der einfachen Litze an der Uniform wirft dem Oberleutnant Abdallah mit der Doppellitze einen bösen Blick zu. In einem Hollywood-Film wären sie und der lockenköpfige Leutnant ein Traumpaar, für eine Romanze vorbestimmt. In Libyen geht das nicht. Wehe der Rekrutin, die mit dem Rekruten Händchen halten würde oder mit dem Spieß bei der Fahrstunde flirtet. "Schlechte Frauen", wie es in Libyen heißt, fliegen raus und bringen obendrein noch Schande über ihre Familie.
Gaddafi scheint unbegrenztes Vertrauen in seine Offizierinnen zu haben: Auf seinen persönlichen Wunsch soll der Anteil der Frauen im Heer sogar noch gesteigert werden, auch wenn''s teurer ist. Denn die Ausbildung einer Frau verschlingt "anderthalb mal soviel wie die eines Mannes", so der "Bruder Major". Wieso? "Ihre Vorkenntnisse sind halt geringer, meine Dame."
Gaddafi verfolgt die Ausbildung an der Mädchen-Akademie persönlich. Läßt der Oberst seine Offiziere oft tagelang auf Audienzen warten, für die Soldatinnen findet er Zeit, ihre Schulhefte korrigiert er manchmal eigenhändig.
Von der Militärakademie holt er sich die schmucke weibliche Leibgarde, die ihn zum Schutz vor Attentaten auf Staatsbesuchen begleitet - eine Marotte, wie konservative arabische Politiker meinen.
"Wie die Prinzengarde im rheinischen Karneval", spottete jüngst ein Diplomat beim Auftritt der Gaddafi-Girls. Im Hintergrund aber fehlen die Männer mit den kalten Augen und den ausgebeulten Jacketts nicht. Man weiß ja nie.
S.106 Bei den Feiern zum Jahrestag der Revolution vom 1. September 1969. *

DER SPIEGEL 32/1982
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