05.03.2016

So gesehenMaas und Platon

Wie Oscar Wilde leider doch wieder recht behalten hat
Für einen kurzen Moment schien im vergangenen Sommer das Unmögliche möglich zu werden: eine tiefe, platonische Freundschaft zwischen Mann und Frau. Justizminister Heiko Maas und die Schauspielerin Natalia Wörner hatten sich im Juni in der "Bild am Sonntag" in zarten Worten zu jener reinen Freundschaft bekannt. "Ich kann ihm in die Augen schauen und unverblümt sein", erklärte Wörner. "Ich glaube Natalia, was sie sagt. Und das gilt nicht für alle Menschen, denen ich begegne", sagte Maas. Das ganze firmierte unter der Rubrik "Beziehungsgespräche". Wir erfuhren, wie man Freund eines Ministers oder einer Schauspielerin wird: "Wie der jedes anderen Menschen auch" (Wörner). Denn: "Wir sind auch nur ganz normale Menschen" (Maas). Es gab ein Video der beiden auf dem Berliner Gendarmenmarkt, wo er sie behutsam ins Saarländische einführte: "Isch han de Flemm." ("Ich hab keine Lust.") Sie strich sich die Haare zurück und lächelte. Heiko und Natalia, das war wie John F. und Marilyn, nur ohne Sex.
Dass Maas keine Lust hatte, stimmte offenbar nicht ganz: "Minister in der Liebesfalle?", fragt nun die "Bild am Sonntag". Maas wirke "übernächtigt", beobachtete zwei Tage später die "Bild". Man hat sich wohl nicht nur unverblümt in die Augen geschaut. Oscar Wilde scheint recht zu behalten: Es gibt zwischen Männern und Frauen Leidenschaft, Feindschaft, Liebe, Verehrung – aber keine Freundschaft.
Von Ralf Neukirch

DER SPIEGEL 10/2016
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So gesehen:
Maas und Platon

  • Videoanalyse aus Brüssel: "Der Gipfel droht zum Frustgipfel zu werden"
  • Nordsyrien: 120 Stunden Gefechtspause
  • Walkadaver in der Tiefsee: Gefundenes Fressen
  • Kuriose Operation: Flügeltransplantation für Schmetterling