05.03.2016

SyrienIn den Folterkellern des Regimes

Seine Bilder bewiesen, dass Diktator Baschar al-Assad Tausende Menschen zu Tode quälen lässt. Nun erzählt der Militärfotograf mit dem Decknamen „Caesar“ seine Geschichte.
Von 2011 bis 2013 musste ein syrischer Militärfotograf für die Akten des Regimes Gefangene ablichten, die in den Folterkellern Baschar al-Assads zu Tode gequält worden waren. Später schmuggelte er die Fotos in den Westen. Seine Bilder belegen eindeutig, dass Syriens Präsident Assad einer der grausamsten Massenmörder der Geschichte ist.
Der französischen Journalistin Garance Le Caisne ist es gelungen, den Fotografen mit dem Decknamen "Caesar", der sich inzwischen in Europa versteckt hält, aufzufinden und zu sprechen. Ihr Buch "Codename Caesar"(*) erzählt, wie er überlebte und wie Assads Todesmaschine arbeitet. Am 9. März erscheint das Buch auf Deutsch. Der SPIEGEL druckt Auszüge; sie beginnen mit einer geheimen Filmvorführung für die Außenminister von elf Ländern in Paris. Alle Passagen, in denen "Caesar" selbst über seine Arbeit berichtet, sind als wörtliche Rede gekennzeichnet.

Sonntag, 12. Januar 2014, im Second-Empire-Speisesaal des französischen Außenministeriums am Quai d'Orsay. Laurent Fabius empfängt seine Amtskollegen: John Kerry, Chef des amerikanischen State Department, und die Chefdiplomaten aus Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Deutschland, Großbritannien, Italien, Jordanien, Katar, Saudi-Arabien und der Türkei. Der französische Minister, der die Sitzung leitet, nimmt am Kopfende des Tisches Platz.
Die Kronleuchter sind ausgeschaltet. Zu der von Itzhak Perlman für "Schindlers Liste" komponierten Musik sieht man eine Abfolge von Fotografien nackter Leichen, nur mit einem Slip bekleidet oder in Lumpen, bis auf die Knochen abgemagert, manche verstümmelt, von Schnitten oder Verbrennungen übersät. Einigen hat man die Augen herausgerissen. Andere sind von chemischen Substanzen entstellt. Wieder andere stecken in Plastiksäcken, aufgestapelt in einem Hangar. Sorgfältig erfasst das Objektiv die Nummer, die jeder Leichnam trägt, mit dokumentenechtem Filzstift auf die Haut oder einen Aufkleber an der Stirn geschrieben. Das makabre Verzeichnis ist offenbar von einem Berufsfotografen angelegt worden. Unter den Goldverzierungen des Quai d'Orsay herrscht stummes Entsetzen.
Die Stimme aus dem Off fährt fort: "Akte systematischen Nahrungsentzugs und brutaler Folter, wie sie in den Hafteinrichtungen des syrischen Regimes verübt werden, sind selten auf diese Weise dokumentiert worden. Vom Tod gleich nach der Festnahme bis zur physischen Liquidation von Gefangenen in den Gefängnissen oder Militärkrankenhäusern archiviert das Regime die Todesfälle mit Aufnahmen, die von der Kriminalabteilung der Militärpolizei gemacht werden ... Die ärztlichen Berichte geben Herzversagen als Todesursache an, während die Leichen Spuren der Folter und des Verhungerns tragen." Der Film schließt mit der Frage: "Ist dies ein neuer Holocaust? All das dauert an."
Die Minister verlassen wortlos, mit ernsten, gezeichneten Gesichtern den Saal. John Kerry ist bleich.
Am Tag nach diesem Treffen findet 5000 Kilometer von Paris entfernt in Doha, der Hauptstadt Katars, unter völliger Geheimhaltung eine andere Zusammenkunft statt.
Da Katar sich bewusst war, dass seine erbitterte Gegnerschaft zu Baschar al-Assad Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Dossiers wecken könnte, beauftragte es die Londoner Anwaltskanzlei Carter-Ruck, die Fotos zu begutachten und die Glaubwürdigkeit der Quelle zu prüfen.
In Doha sitzen also am 13. Januar 2014 in einem privaten Speisesaal eines Luxushotels zwei dieser Juristen. Auf dem Tisch liegen zwei Speicherkarten. Der Brite Desmond de Silva war der Nachfolger des Amerikaners David Crane als Vorsitzender des Sondertribunals für Sierra Leone, das Charles Taylor, den Präsidenten von Liberia, der Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit für schuldig befunden und verurteilt hat.
Die beiden ehemaligen Strafverfolger sind nach Katar gekommen, um eine noch unbekannte Quelle zu befragen. Der Mann ist aus der syrischen Armee desertiert. Tags zuvor ist er in Doha angekommen.
"Haben Sie die Fotos aus freien Stücken weitergegeben?", fragt Desmond de Silva.
"Ja. Das ist ein Dienst an meinem Land, an Syrien. An den Angehörigen der syrischen Gefangenen", antwortet der Mann.
"Ich habe eine einfache Frage. Warum haben Sie das getan?", fragt David Crane.
"Für die Syrer, für das Volk", bekräftigt der Mann. "Damit die Mörder sich verantworten müssen und verurteilt werden."
"War es sehr gefährlich, diese Fotos zu kopieren?", fragt de Silva.
"Ja, sehr gefährlich."
"Jetzt sind Sie hier. Warum und wie haben Sie Syrien verlassen?"
"Ich habe Syrien verlassen, weil ich Angst um mich und meine Familie hatte. Wenn die Sicherheitsdienste entdeckt hätten, dass ich die Fotos kopiert habe, hätte man uns mit dem Tod bestraft."
"Inschallah. Wie können Sie meine Sicherheit garantieren?", fragt der Mann unruhig. Er spricht leise, aber die Angst ist unüberhörbar.
"Sie sind hier in Sicherheit. Unser Bericht wird niemals Ihr Bild oder Ihren Namen preisgeben. Wir haben Ihnen deshalb den Codenamen ,Caesar' gegeben."

"Caesar" über die Geschichte seiner Enthüllungen

"Ich bin Caesar. Ich habe für das syrische Regime gearbeitet. Ich war Fotograf bei der Militärpolizei in Damaskus. Ich werde über meine Arbeit vor der Revolution und in den beiden ersten Revolutionsjahren berichten. Vor der Revolution bestand meine Aufgabe darin, Tat- und Unfallorte zu fotografieren, wenn Soldaten an den Ereignissen beteiligt waren.
Eines Tages hat ein Kollege mir mitgeteilt, dass wir Leichen von Zivilisten aufnehmen sollten. Er kam gerade aus der Provinz Daraa, wo er Leichen von Demonstranten fotografiert hatte – es waren die ersten Wochen der Revolution, im März oder April 2011.
Mein Kollege wollte nicht dorthin zurück, er hatte Angst. Als ich selber nach Daraa musste, sah ich, wovon er sprach. Die Offiziere sagten, das seien ,Terroristen'. Keine Spur, es waren bloß Demonstranten. Die Leichen waren in der Leichenhalle des Militärkrankenhauses von Tischrin untergebracht, unweit des Hauptquartiers der Militärpolizei.
Zu Beginn trug jede Leiche einen Namen. Nach einer Weile, es müssen ein paar Wochen oder Monate gewesen sein, hatten sie keine Namen mehr. Bloß Nummern. In der Leichenhalle des Krankenhauses von Tischrin zog ein Soldat sie aus den Kühlschränken und legte sie auf den Boden, damit sie fotografiert werden konnten, bevor sie zurück in die Kühlschränke kamen.
Wenn die Leichen im Krankenhaus eintrafen, trugen sie zwei Nummern. Diese waren auf Klebeband oder mit Filzstift auf die Haut, auf die Stirn oder den Oberkörper geschrieben – das Klebeband war von schlechter Qualität, es fiel häufig ab. Die erste Nummer war die des Gefangenen selbst, die zweite die der Geheimdienstabteilung, in der er inhaftiert gewesen war. Der Rechtsmediziner, der morgens früher eintraf, wies der Leiche eine dritte zu, für seinen ärztlichen Bericht. Diese letzte Nummer war für unser Archiv die wichtigste.
Der Rechtsmediziner schrieb die medizinische Nummer auf eine Pappe, die er oder ein Beamter der Sicherheitsdienste neben die Leiche legte oder während der Aufnahme in der Hand hielt. Das sind die Hände, die Sie auf den Fotos sehen, die ich außer Landes gebracht habe.
Um die Toten in den Akten rasch identifizieren zu können, mussten pro Leiche mehrere Aufnahmen gemacht werden, eine vom Gesicht, eine vom ganzen Körper, eine von der Seite, eine vom Oberkörper, eine von den Schenkeln.
Nie zuvor hatte ich so etwas gesehen. Vor der Revolution folterten die Mitglieder des Regimes, um an Informationen zu kommen. Heute foltern sie, um zu töten. Ich habe Kerzenspuren gesehen. Einmal war der Abdruck einer Heizplatte zu erkennen, wie man sie benutzt, um Tee zu erhitzen. Man hatte einem Gefangenen Gesicht und Haare damit verbrannt. Manche hatten tiefe Schnitte, herausgerissene Augen, eingeschlagene Zähne, Spuren von Schlägen mit Starterkabeln.
Von einem bestimmten Zeitpunkt an wurden die Leichen auch ins Militärkrankenhaus von Mezze geschickt, das sehr viel größer als das in Tischrin ist. Sein wirklicher Name ist Gefängnis 601. Während Tischrin nur fünf Minuten von unserem Büro entfernt lag, waren es nach Mezze 15 Kilometer, eine halbe Stunde mit dem Auto.
In Tischrin war es einfacher, die Leichen zu fotografieren, weil sie vor Licht und Sonne geschützt lagerten, in der Leichenhalle oder, wenn dort kein Platz mehr war, auf den Gängen. In Mezze lagen sie draußen auf dem Boden, in einer der Garagen, in der Autos gewartet und repariert wurden. Das Krankenhaus liegt am Fuß des Hügels, auf dem die Präsidentengarde ihren Sitz hat. Auf manchen der Fotos sieht man übrigens den Hügel, mit dem Wachhäuschen des Krankenhauses und den Bäumen, die das Gelände der Einrichtung einfassen. Der Präsidentenpalast ist gleich dahinter.
Meine Kollegen und ich sollten nicht nur die Leichen fotografieren, sondern auch die Akten über sie anlegen. Dazu mussten die Fotos ausgedruckt, nach Abteilungen geordnet, auf Aktendeckel geklebt und abgeheftet werden. Die Arbeit verlief methodisch. Einer druckte die Fotos, ein anderer kleb-te oder tackerte sie fest, ein Dritter setzte die Berichte auf. Unsere Vorgesetzten unterzeichneten sie und schickten sie an die Militärjustiz.
Die Zahl nahm zu. Vor allem seit 2012. Wir arbeiteten ununterbrochen. Der Offizier, der für unsere Abteilung zuständig war, schnauzte uns an: ,Warum ist das noch nicht erledigt? Die Leichen häufen sich. Los, machen Sie voran!' Er dachte offenbar, wir würden trödeln, aber schneller konnten wir nicht arbeiten. Es kamen immer mehr Leichen, während unsere Abteilung wegen desertierender Soldaten geschrumpft war. Der Stau wurde so groß, dass am Ende die Leichen in der Autogarage von Mezze verklumpten, bevor man Zeit hatte, sie zu fotografieren.
Und dann war da der Geruch. Nicht im Krankenhaus von Tischrin, da lagen sie drinnen, aber im Krankenhaus von Mezze, draußen in der Garage. Dieser Geruch, den wir anfangs nicht mehr loswurden, machte uns verrückt. Wir mussten mit ihm fertigwerden. Er war Teil unseres Alltags.
Wir arbeiteten von 8 bis 14 Uhr, dann hatten wir Pause bis 18 oder 19 Uhr. Von 19 bis 22 Uhr ging es noch mal ins Büro. Es waren lange Tage, da man abends fertig werden musste, um nicht in Verzug zu geraten. Man wusste, dass tags darauf neue Leichen warten würden.
Die Fotos auf dem Rechner zu sehen war noch schmerzhafter, als die Leichen zu fotografieren. Vor Ort, mitten unter den Leichen, konnte man nicht innehalten. Der Rechtsmediziner trieb uns zur Eile an, und wir wurden von Beamten der Sicherheitsdienste beobachtet, die unsere Reaktionen schriftlich festhielten. In Syrien überwacht ohnehin jeder jeden.
In der Stille unseres Dienstzimmers hatten wir dagegen größere Freiheiten und vor allem Zeit. Wenn wir dort die Fotos ausdruckten und einklebten, konnten wir den Blick nicht mehr abwenden. Sie lagen vor uns. Es war schrecklich. Das Bild war da. Der Gefangene erwachte vor unseren Augen zum Leben. Jetzt erst sah man den Körper wirklich, stellte sich die Folter vor, spürte die Schläge. Danach mussten wir den Bericht schreiben. Als sollte sich uns das, was wir gesehen hatten, noch stärker ins Gedächtnis eingravieren. Binnen eines Monats Gefangenschaft konnten sich die Gesichter der Gefangenen völlig verwandeln. So sehr, dass sie nicht wiederzuerkennen waren.
Einer meiner Freunde ist in Gefangenschaft gestorben. Wir hatten ihn fotografiert, ohne zu wissen, wer er war.
Zu Beginn empfand ich Abscheu. Ekel. Es konnte vorkommen, dass ich drei oder vier Tage praktisch nichts zu mir nahm. Dann wurde es Alltag, Routine, ein Teil von uns. Wir waren wie leblos. Das war die einzige Art, es durchzustehen.
Eines Tages war einer meiner Kollegen im Krankenhaus von Mezze. Die Leichen lagen nebeneinander. Als er sich über eine von ihnen beugte, hatte er den Eindruck, der Mann lebe noch. Er atmete leise. ,Soll ich ihn fotografieren? Er lebt noch', fragte mein Kollege die Soldaten, die für das Hin- und Herräumen der Leichen zuständig waren.
Der Rechtsmediziner kam hinzu und regte sich auf: ,Was soll das heißen, er lebt noch? Und was soll ich jetzt bitte tun? Das bringt mir meine ganzen Nummern durcheinander!' Er war außer sich, weil er die Nummern, die den Leichen für den ärztlichen Bericht zugewiesen wurden, schon in sein Heft eingetragen hatte. Wenn der Mann noch am Leben war, würde er sie streichen, neue Nummern vergeben, sie wieder eintragen, also ganz von vorn beginnen müssen. ,Reg dich nicht auf. Du gehst jetzt mal deinen Tee trinken, und wenn du wiederkommst, ist die Sache erledigt', antwortete ihm ein Soldat.
Meine Kollegen und ich waren ein Team von zwölf Fotografen. Man unterstützte sich gegenseitig. Aber man konnte sich nicht wirklich trauen. Manchmal unter-hielt man sich flüsternd mit einem der anderen, ohne zu wagen, die Bürotür zu schließen, aus Angst, es könnte jemand auf den Gedanken kommen, man konspiriere oder kritisiere das Regime. Wir waren jedenfalls nicht befugt, die Tür zu schließen. Ich sagte mir: ,Am Tag des Jüngsten Gerichts wird man Rechenschaft von uns fordern: Warum habt ihr all die Jahre zu diesem verbrecherischen Regime gehalten? Warum seid ihr geblieben?'
Mehrmals die Woche brachte ich die Fotos zu Sami (einem Freund "Caesars", der ihn dazu überredet hatte, weiter für das Miltär zu arbeiten, um Beweise aus dem Inneren des Systems zu sammeln –Red.). Wenn ich allein im Büro war, kopierte ich sie auf einen USB-Stick, den er mir gegeben hatte, immer in der Furcht, es könnte jemand hereinkommen und mich sehen. Wenn ich ging, versteckte ich den USB-Stick in meinem Gürtel oder Schuhabsatz. Um nach Hause zu kommen, musste ich vier oder fünf Straßensperren der Regierungstruppen passieren. Ich hatte große Angst."

Wie die Bilder an die Öffentlichkeit kamen

Sami brachte "Caesar" regelmäßig USB-Sticks. Anfangs mit 4 oder 8, dann mit 16 Gigabyte Speicherplatz. Manchmal fürchtete der Militärfotograf, die Fotos könnten nicht vollständig sein. Dann kopierte er alle Aufnahmen des Monats noch einmal komplett auf CD, mit dem zusätzlichen Risiko, damit erwischt zu werden.
Sami wiederum überspielte das Ganze auf zwei Datenträger. Zunächst auf die Festplatte seines privaten Rechners, auf dem er die Fotos in Ordnern mit unverdächtigen Namen ablegte, für den Fall, dass ein Vertreter des Regimes darauf stieß. Dann auf eine externe Festplatte. Das nahm lange Minuten in Anspruch, die allerdings entscheidend waren. Nur die Originalfotos lieferten beweiskräftige Metadaten wie das Datum der Aufnahmen und das Modell der Kamera, mit der sie gemacht wurden. Und nur ihre Auflösung war hoch genug, um die Verletzungen analysieren und sich ein Urteil über die Todesursachen bilden zu können.
Damit auf keinen Fall etwas verloren ging, wurden die Fotos sofort übers Internet ins Ausland geschickt, nun mit niedriger Auflösung, also geringer Dateigröße. Stromausfälle, schlechte Verbindungen, Probleme mit der Datenverschlüsselung – oft wurden die Fotos auf gut Glück versandt.
Als das Regime ihre Stadt angriff, brachte Sami Frau und Kinder fort, um sie in Sicherheit zu wissen. Dann kehrte er zurück, um einen seiner besten Freunde zu treffen, der von Anfang an in die Operation eingeweiht war. Die beiden Männer nahmen den Rechner und die externe Festplatte an sich. Da es nicht infrage kam, damit einfach eine Straßensperre des Regimes zu passieren, steckten sie beides in eine Tüte, die sie unter einem Haufen Abfall verbargen.

"Caesar" über seine Flucht

"Die Sicherheitsdienste leben in dem unerschütterlichen Gefühl der völligen Straffreiheit ihres Tuns. Dass man sie eines Tages für ihren Machtmissbrauch zur Rechenschaft ziehen könnte, kommt ihnen keinen Augenblick in den Sinn. Sie wissen, wie einflussreich die Kräfte sind, die das Regime stützen. Es wäre ihnen auch im Traum nicht eingefallen, dass diese Fotos nach außen getragen und der Welt gezeigt werden könnten.
Eines Tages fühlte ich, dass ich in größerer Gefahr schwebte als zuvor. Die Entscheidung, mich außer Landes zu bringen, wurde getroffen. Das war hart. Ich war unruhig, bis es so weit war.
Eines Morgens war ich im Büro. Ich schlief dort, weil wir zu wenige waren. Wir waren nicht mehr befugt, nach Hause zu gehen. Ich hatte eine Aufgabe im Außendienst zu erledigen, die es erforderlich machte, die Straßensperren in Damaskus und seinen Außenbezirken zu passieren. Das war der Moment, in dem ich mich absetzen sollte. Aufbrechen und nicht mehr zurückkommen.
Ich traf mich an einer Bushaltestelle mit einem Mitglied der Opposition. Man hatte ihn mir beschrieben, und er wusste seinerseits, wie ich in etwa aussah. Ohne viel zu sagen, sind wir in sein Auto gestiegen und davongefahren.
Die Grenze habe ich in einem Auto versteckt passiert. Als ich im Nachbarland ankam, habe ich mehrere Familienmitglieder wiedergetroffen. Ich war froh, sie zu sehen und in Sicherheit zu wissen. Aber wir konnten nicht unbesorgt sein in einem Land, das von Spionen wimmelte.
Mehrere Monate sind wir geblieben, um dann nach Europa zu fliehen."

"Sie sind hier in Sicherheit. Wir haben Ihnen den Codenamen ,Caesar' gegeben."

"Am Tag des Jüngsten Gerichts wird man Rechenschaft von uns fordern: Warum seid ihr geblieben?"

* Garance Le Caisne: "Codename Caesar. Im Herzen der syrischen Todesmaschinerie". Aus dem Französischen von Stefan Lorenzer. Verlag C. H. Beck; 249 Seiten; 17,95 Euro.

DER SPIEGEL 10/2016
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